PDF mit Kontext-Anzeigen:
Wieder Werbung in Büchern?

Ole Reißmann, 5. Februar 2008 16:20 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Gratiszeitungen, Free-TV und jetzt auch kostenlose Bücher? Kevin Kellys Buch “True Films” gibt es als Datei, Werbung inklusive.

True Films
Das Buch gibt es als PDF auf der Seite des Autors

Drüben bei Wortfeld hat Alexander Svensson auf das PDF-Buch von Kevin Kelly hingewiesen. In “True Films” präsentiert Kelly über 200 Dokumentarfilme. Das Interessante daran ist nicht nur die Auswahl an spannenden, gut erzählten Geschichten, sondern das Vertriebsmodell.

Denn der Download des Buchs ist kostenlos, Geld verdient Kelly mit kontextabhängiger Werbung, die der Adobe Acrobat Reader neben dem Dokument einblendet. Wenn man denn der fragenden Bitte nach einer Internet-Verbindung zum Werbe-Download zugestimmt hat. Und wenn man denn nicht ein anderes Programm als Acrobat verwendet, um das Dokument anzusehen. Auf einem Mac, der PDF-Dateien gerne mit dem Programm “Preview” öffnet, gibt’s keine Werbung zu sehen.

Überhaupt: Wer die Werbung nicht sehen will, muss auch nicht. Dazu muss nicht erst ein Filter aktiviert werden, wie bei einem Internet-Browser. Diese Werbung muss explizit zugelassen werde – “opt-in”. Damit Kelly wirklich etwas verdient, müsste man dann auch noch auf die Links klicken, alles andere zählt nicht. Ob das klappt?

Werbung in Büchern gab es auch früher schon, als in Taschenbüchern Pfandbriefe beworben wurden. Das Problem liegt auf der Hand: Ein Buch, steht es nicht gerade in einer Bibliothek, wechselt nicht unbedingt häufig seinen Leser. Die Auflagen, zumal die erste, sind eher gering, sie reichen kaum an die Druckauflage von großen Zeitungen und Zeitschriften heran. Noch dazu dauert die Produktion eines Buches womöglich länger, als das beworbene Produkt neu auf dem Markt ist. Auch reine Image-Werbung steht womöglich länger im Regal, als die Firma existiert. Es st dann schon lustig, wenn man als Buch-Besitzer Jahre später den verstaubten Informationsträger aus dem Regal holt und längst vergessen Firmen entdeckt, deren Postleitzahl in der Anschrift noch dreistellig ist.

Diese Probleme sind mit der Digitalisierung des Buchs Vergangenheit. Das Ablesegerät der Buch-Datei greift einfach auf den Server zu, teilt angezeigtes Werk und Seite mit und bekommt dafür passgenaue Werbung. Warum in Zukunft nicht auch gleich angereichert um die Daten des Lesers?

Kostenlose Bücher, die sich über Werbung finanzieren – warum auch nicht? Es funktioniert bei Emaildiensten und bei Suchmaschinen doch auch.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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