Zwei Schritte auf dem Weg zum offenen Social Web
Eines muss man den großen US-amerikanischen Webanbietern zugestehen, die sich in den letzten Wochen und Monaten auf die eine oder andere Art für ein offeneres Internet ausgesprochen haben: Mittlerweile lassen sie den Ankündigungen Taten folgen. Nicht nur der Fakt, dass nach Facebook und Bebo mit MySpace in dieser Woche das nächste, und diesmal weltweit größte Social Network, seine Plattform für externe Applikationen öffnen wird, ist ein entscheidender Schritt. Auch Google scheint es nach dem Start seiner fälschlicherweise Offenheit suggerierenden OpenSocial-Initiative mit der Idee eines offenen Webs ernst zu meinen und bietet Internetdiensten seit kurzem eine Schnittstelle, über die diese Informationen zu den Kontakten ihrer Nutzer auf anderen Plattformen abfragen können. Und schließlich hat Yahoo wie versprochen seinen OpenID-Beta-Test gestartet, der Yahoo-Usern die Anmeldung mit ihren Yahoo-Benutzerdaten bei anderen Seiten erlaubt.
Googles neue Schnittstelle trägt den Namen Social Graph API. Als Social Graph wird das Netzwerk von Kontakten bezeichnet, das Internetnutzer im Web haben. Ist eine Person Mitglied bei drei verschiedenen Social Networks, so ergibt die Gesamtheit der bestätigten Kontakte bei allen drei Diensten den Social Graph des Users. Im (theoretischen) Idealfall bildet der Social Graph alle in der Realität existierenden Beziehungen einer Person im Netz ab.
Was Googles Social Graph API genau macht, lässt sich am besten an einem Beispiel erklären: Angenommen, User XY ist bei einem die Social Graph API nutzenden Social Network registriert und hat dort YZ als bestätigten Kontakt. Meldet sich XY nun bei einem anderen Web-2.0-Service an, der auf Google Schnittstelle zugreift, so weiß dieser Dienst, dass XY eine Verbindung zu YZ hat und kann XZ beispielsweise anbieten, YZ als Freund hinzuzufügen oder eine Einladung zu schicken. Die Social Graph API greift ausschließlich auf frei verfügbare Informationen zu. Hat XY im ersten Social Network sein Profil und seine Kontakte auf “privat” gestellt, so sind diese Daten vor der Verarbeitung durch Googles neuer Schnittstelle geschützt.
Während die Social Graph API bei Verwendung durch die führenden Social-Web-Dienste eine Möglichkeit in Aussicht stellt, nach der Registrierung bei einem neuen Anbieter bequemer und schneller seine Kontakte aufzuspüren bzw. importieren zu können, möchte Yahoo mit der Unterstützung von OpenID für seine Nutzer das Anmelden bei anderen Webservices vereinfachen. Seit einigen Tagen läuft Yahoos OpenID-Beta-Test, bei dem sich Yahoo-Anwender mit ihren Yahoo-Benutzerdaten bei Webservices authentifizieren können, die am OpenID-System teilnehmen. Eine Registrierung entfällt. Derzeit scheinen noch nicht alle Seiten, die OpenID anwenden, einen Login mit den Yahoo-Zugangsdaten zu erlauben. Plaxo und Jyte sind zwei, bei denen dies bereits funktioniert, weitere sind hier aufgelistet.
Yahoo hat mehr als 250 Millionen Benutzerkonten. Der Schritt zu OpenID ist ein signifikanter, mit dem das Ausprobieren neuer Seiten für Yahoo-User zwei große Hürden verliert – die umständliche Registrierungsprozedur sowie das nervige spätere Erinnern an eine weitere Benutzername-Passwort-Kombination. OpenIDs nennenswerteste Schwäche ist die noch immer vergleichsweise geringe Zahl an etablierten Webanbietern, die das System unterstützen. Es werden jedoch immer mehr, und Yahoos Entscheidung könnte die Verantwortlichen bei anderen führenden Diensten zu ähnlichen Schritten animieren. Dann bestünde die begründete Hoffnung, dass sich OpenID auch bei der Masse der weniger fortgeschrittenen Internetnutzer durchsetzt, was der endgültige Durchbruch für das System wäre. Bleibt die Frage, was Microsoft von Yahoos OpenID-Strategie hält…
Siehe auch
OpenID - Was bringt es?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
» Mehr lesen: google (48), OpenID (8), OpenSocial (8), Social Networks (152), Yahoo! (12)
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2 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- OpenID erreicht Mainstream » Beitrag » zweinull.cc
(8. Februar 2008 18:35)
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Carsten Pötter
Naja, Microsoft spielt mit OpenID. Im Februar letzten Jahres hat Bill Gates selbst auf der RSA Konferenz angekündigt, CardSpace mit OpenID 2.0 zusammen zu bringen (identityblog.com/?p=677). Des Weiteren hat Microsoft Ende November einen noch sehr experimentellen OpenID Sever (inkblotpassword.com) öffentlich zugänglich gemacht. Man muss natürlich abwarten, ob da letzen Endes wirklich etwas daraus wird.
Yahoo! unterstützt ausschließlich OpenID 2.0 und darauf haben bislang nur wenige Websites upgedated. Das bedeudet konkret, dass nicht die konsumierenden Seiten ein Yahoo! Login verbieten, sondern Yahoo! unterstützt diese nicht. OpenID 2.0 bietet Yahoo! die Möglichkeit, anonyme OpenIDs zu erstellen, so dass die OpenID konsumierende Seite daraus keinen Rückschluss auf den User ziehen kann.
Es ist deshalb etwas unglücklich, dass Yahoo! das von Dir verlinkte Verzeichnis von OpenID unterstützenden Seiten bei MyOpenID.com verwendet hat; da sind auch nicht OpenID 2.0 unterstützende Seiten gelistet. Man versucht jetzt unter gallery.yahoo.com/openid eine reine OPenID 2.0 Liste zu erstellen. Da müssen sich die Seitenbetreiber aber selbst eintragen.
Martin Weigert
Hey Carsten, danke für diese informativen Ergänzungen.