Was Micro-Hoo für Web-Startups bedeuten wird
Es ist lange her, dass ein Übernahmeversuch so viele Schlagzeilen hervorgebracht hat wie die unfreundlichen Avancen von Microsoft gegenüber Yahoo. Alle möglichen Interessensgruppen loten aus, was dieser Deal für sie bedeuten könnte.
Eine Gruppe, die wohl sehr unmittelbar davon betroffen wäre, sind die Web-Startups und ihre Investoren. Bekannte VCs melden sich bereits auch schon zu Wort und halten mit einem etwas beleidigt-trotzigen Unterton fest, dass dieser Deal schlecht für Silicon Valley und für Startups überhaupt sein wird.
Warum? Ganz einfach: Yahoo war einer der fleissigsten Käufer von Web-Startups. Und wenn Yahoo bei einem Deal nicht zum Zug kam, war es doch zumindest meist unter den Interessenten und half so mit, den Übernahmepreis in den Verhandlungen hochzutreiben.
Da Börsengänge für Startups schon lange sehr schwierig geworden sind, basierte so mancher Businessplan der letzten Jahre auf der Exit-Strategie, möglichst bald von Microsoft/Google/Yahoo gekauft zu werden. Wenn aus diesem Dreigestirn einer wegfällt, sinken diese Chancen natürlich deutlich. Kurzfristig gehen vielleicht die Preise etwas hoch, weil sich die beiden Giganten bis auf die Zähne um jedes interessante Startup streiten werden. Aber viele Startups werden darum auch keinen Exit erleben, denn statt drei von jedem Firmentyp gehen jetzt halt nur noch zwei von jeder Art über den Ladentisch.
Oder wie VC Fred Wilson (der u.a. del.icio.us an Yahoo verkauf hat) so schön sagt: “Now we’ll see who is doing this for the money and who is doing this for the passion.” Meine Vermutung: Die meisten VCs tun es eher für das Geld :-)
Europäische Startups betrifft das ganze deutlich weniger, denn die drei US-Giganten haben bisher eher selten in Europa eingekauft. Es könnte aber sein, dass sich das ändern wird, denn Googles Dominanz in Europa ist sehr ausgeprägt. Wenn Micro-Hoo glaubwürdig sein will, muss es seine Position in Europa deutlich stärken. Und das könnte durchaus bedeuten, dass die eine oder andere Akquisition erfolgt. Vielleicht ist am Schluss die europäische Web-Szene einer der Gewinner?
Aber was bedeutet das neue Kräfteverhältnis im Internet-Markt für Startups, die nicht akquiriert werden möchten, sondern lieber unabhängig bleiben und einfach mit ihrem normalen Geschäft Geld verdienen wollen (auch das soll’s ja zum Glück noch geben)?
Nehmen wir mal an, dass es Microsoft schafft, ein glaubwürdiges Gegengewicht zu Google zu errichten, das heisst, dass wir es am obersten Ende des Online-Marktes mit einem starken Duopol zu tun kriegen. Eine schlechte Botschaft ist das zunächst mal für die übriggebliebenen Generalisten im oberen Mittelfeld (AOL, IAC, Fox Interactive, diverse europäische ISPs), denn neben den beiden grossen “Vollsortimentern” wird nicht viel Platz für andere Player bleiben. Da wird es wohl zu einer grossen Marktbereinigung kommen.
Eher positiv ist so eine Entwicklung aber für kleinere Firmen, die sich auf gewisse Nischenthemen konzentrieren. Natürlich wird es noch weniger Sinn als heute machen, frontal gegen einen der beiden Elephanten anzutreten, denn die werden aggressiver denn je um Marktanteile kämpfen. Aber im Kampf der Riesen gibt es genug Marktnischen, in denen sich Startups ausbreiten können. Trotzdem werden Firmengründer noch häufiger von potentiellen Investoren zu hören kriegen “Was machen Sie, wenn Google/Microsoft in diesen Markt eintreten?”. In einer derart konzentrierten Marktstruktur fokussiert sich die meiste Aufmerksamkeit auf die Top-Player.
Die wohl offenste Frage ist, was der Einfluss auf die Online-Werbung sein wird, also die eigentliche Geldmaschine der Internet-Branche.
Es ist denkbar, dass die beiden Giganten einen massiven Preiskrieg anfangen, der letztlich Werbetreibenden und teilweise auch Publishern zugute kommt. Eine Abkehr von der Google-Monokultur bei der Suchmaschinenwerbung wäre sicher gut für den Markt, und die beiden Giganten haben auch bei klassischer Bannerwerbung starke Positionen, die sie natürlich aggressiv ausbauen wollen. Vergleichbar wäre so ein hochintensiver Wettbewerb etwa mit der Autobranche, wo die Gewinne der Hersteller im ruinösen Preiskampf fast verschwunden sind. Ähnliches haben wir bei den PC-Herstellern erlebt. Profitiert haben letztlich die Kunden.
Ein alternatives Szenario könnte aber sein, dass die beiden dominierenden Parteien gezielt die Preise hoch halten. Da der Zugang zu Internet-Traffic stark von diesen beiden Giganten kontrolliert werden wird, könnten sich beide strategisch so verhalten, dass sie sich den Markt aufteilen und die Gewinne bei sich anfallen lassen. Ein Beispiel für eine solche Struktur ist die klassische Softwarebranche, wo etwa 80% der gesamten Branchengewinne von drei Firmen (Microsoft, SAP, Oracle) erzielt werden.
Ich glaube eher an das Szenario “Preiskampf”, da in der Online-Werbung die Netzwerkeffekte deutlich weniger stark sind als etwa bei Software. Als Site-Betreiber kostet es mich kaum was, vom einen Werbenetzwerk auf das andere zu wechseln, wenn mir das den besseren Deal bietet. Und so eine Entwicklung wäre sehr positiv für die Startup-Szene, da eigene Trafficgenerierung billiger würde und bei werbegetriebenen Businessmodellen mehr in der Kasse bleibt.
Aber eben, bevor sich das herausstellen kann, muss die Fusion Microsoft – Yahoo erst mal noch überhaupt stattfinden und dann auch noch gut ausgehen, was keinesfalls garantiert ist.








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