Googles Zahlen enttäuschen:
Willkommen zur Konjunkturabkühlung
Das im amerikanischen Internet-Markt herrschende mulmige Gefühl, dass der bevorstehende Konkunkturabschwung an niemandem spurlos vorbeigehen wird, scheint sich zu bestätigen. In diesen Tagen kommen die meisten amerikanischen Konzerne mit ihren Quartalsergebnissen und Prognosen fürs laufende Jahr heraus. Die Quartalszahlen von Yahoo waren ziemlich schlecht, der Portal-Marktführer wird sich von 1000 Angestellten trennen. Ebays Zahlen waren etwas besser, aber die Vorhersage für 2008 enttäuschte. Dito bei Amazon.
Und jetzt das: Google enttäuschte heute die Erwartungen der Analysten deutlich.
Die meisten hatten noch gehofft, dass der lange Zeit als unschlagbar geltende Suchmaschinenriese dem allgemeinen Trend widerstehen könnte. Aber offensichtlich ist auch Google nur ein normalsterbliches Unternehmen (siehe dazu auch Vorhersage Nr. 3 von neulich).
Gut, es wird da auf sehr hohem Niveau gejammert: Googles Umsatz für das Quartal steigerte sich um satte 52% im Vergleich zum Vorjahr, aber im Quartal davor waren es noch 62% gewesen. Noch deutlicher hat sich das Wachstum bei Googles wichtigster (und fast einzig relevanter) Umsatzmaschine verlangsamt, den Paid Clicks, nämlich von 45% auf 30%. Die Leute scheinen also nicht mehr so enthusiastisch auf Google-Anzeigen zu klicken wie auch schon.
Klar, das alles wächst immer noch in einem Tempo, das sich die meisten anderen Firmen nur wünschen könnten. Aber um Googles aufgeblasenen Börsenkurs zu rechtfertigen, hätten die Zahlen ganz anders aussehen müssen. Darum wurde die Aktie heute auch gleich mal um 7% abgestraft und liegt damit jetzt schon fast 25% unter ihrem Höchststand. Seit November haben Larry und Sergey somit je $6.2 Millarden an Vermögen verloren. Übertriebenes Mitleid ist allerdings unangebracht, für jeden der beiden Gründer sind immerhin noch $15 Mia. als Notgroschen übrig.
Weniger beruhigend sind die Signale aber für die gesamte Internetwirtschaft. Google erwähnte beispielsweise an der Analystenkonferenz explizit, dass man mit der Monetarisierung von Social-Networking-Sites nicht zufrieden sei. Die hier schon öfters geäusserte Vermutung, dass Myspace, Facebook & Co. mit ihrem Werbeverkauf nicht so erfolgreich sein werden, wie sich das der Markt erhofft, scheint sich hier andeutungsweise zu bestätigen.
Auch für die zahlreichen Startups und Content-Sites, die ihren Umsatz mit Google-Anzeigen stützen, ist die abnehmende Dynamik bei den Werbeklicks ein unerfreuliches Frühwarnzeichen. Aus Sicht der Werbetreibenden heisst das, dass der durchschnittliche Klick (noch) teurer wird, und damit ist Pay-per-Click-Werbung vielleicht schon bald für den einen oder anderen Einsatzfall nicht mehr die kostengünstigste Werbemethode.
Wie gesagt, alles noch lange schlimm, kein Grund zur Panik. Aber dass Google nach drei Jahren spektakulärer Resultate erstmals die Erwartungen enttäuscht hat, könnte sich als symptomatisch für eine grössere Entwicklung herausstellen. Vielleicht werden wir uns an diesen Tag einmal als Wendepunkt im Auf und Ab der Online-Branche erinnern.










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Dein früherer BlogPost zu Google (Vorhersage Nr. 3) hat mich dazu veranlasst, einige Put-Optionen auf Google zu kaufen, da ich die Argumentation gut fand und natürlich die Börsen aktuell auch insgesamt nicht ganz so bullish sind. Das hat sich – wie man auch in diesem Post nachlesen kann – bis jetzt gelohnt ;-). Man merke: Blog-Reading kann sogar zu direktem finanziellem Erfolg führen :-).
Auch wenn ich deine Blogartikel stets sehr gut, kompetent und informativ finde, so wundere ich mich, warum du offensichtlich soviel Spaß daran hast, den Untergang (aka Konjunkturabkühlung) zu beschreien. Klar gibt es Fakten, die andeuten, dass wir die Hochkonjunktur erst einmal hinter uns lassen werden. Angesichts der Tatsache, dass aber das Ausmaß einer möglichen Krise sehr stark durch Psychologie und das Verhalten der Menschen beeinflusst wird, sorgt erst die mittlerweile wieder allgegenwärtige Schwarzmalerei darfür, dass es so kommen könnte, wie die Pessimisten befürchten.
Es gibt auch noch andere Themen im Bezug auf Medienkonvergenz als das Ende der Welt.
Btw, wüsste es nicht besser, würde ich fast annehmen, hier schreibt ein nörgelnder Deutscher, und kein in den USA ansässiger Schweizer.
@Martin: Guter Einwand. Ich werde demnaechst mal etwas ausfuehrlicher was darueber schreiben, warum ich denke, dass eine realistische (und vermutlich als uebermaessig negativ empfundene) Perspektive wichtig ist.
@andreas: gute analyse, danke!
dazu würde mich deine meinung interessieren:
http://manager-magazin.de…,2828,532564,00.html
insbesondere auch zu der yahoo-reaktion:
http://manager-magazin.de…,2828,532610,00.html
also speziell: wie bewertest du das vorgehen von ms? es scheint ja so, als ob das der versuch eines “unfriendly takeovers” ist? ich meine, natürlich kann man ein börsennotiertes unternehmen dadurch kaufen, dass man allen aktionären ein unschlagbares angebot für ihre aktien macht, aber ist denn so ein vorgehen in so einem fall sinnvoll?
yahoo hat doch jetzt schon sicher ein problem in sachen stimmung in der belegschaft etc., verliert doch sicher jetzt schon top-mitarbeiter an google etc. – so ein unternehmen würde ich doch nur in engen “schmusekurs” mit dem management übernehmen, nicht per kaltschnäuzig rausgehauenen übernahmeangebot? da laufen doch nochmal ein paar prozent der besten leute davon, und ohne die wird yahoo doch noch per probleme in zukunft bekommen?
dieser aspekt wird in den onlineartikeln bisher gar nicht behandelt, wie siehst du das?
@Matthias: Hab gerade einen Artikel dazu fertiggestellt. Ich glaube, dass der Deal gleich auf mehreren Ebenen nicht viel Sinn machen wuerde.
Das mit dem Abwandern der besten Mitarbeiter bei Yahoo ist einer davon, aber das passiert sowieso schon laenger (ich hab einen indirekten Kontakt zu einem Yahoo-Insider, und was man da so hoert, ist wirklich nicht schoen).
Microsoft nimmt Abwanderungen in Kauf, weil Yahoo eh schlanker werden muss und man in Redmond sowieso denkt, dass man die besten Techies hat. Im Prinzip kauft sich Yahoo die Marke und die Kundenbasis, nicht unbedingt die Leute.