State of the art:
Akzeptanz im Leser- und Anzeigenmarkt
“Akzeptanz im Leser- und Anzeigenmarkt” ist das Schlagwort, mit dem die Verlage ihren Lesern die als Journalismus verkauften Werbebeilagen andrehen wollen.
Unten links der Inhalt (Interview zum SonntagsBlick), oben rechts die Werbung (für den SonntagsBlick)
Jeweils vor Weihnachten ist es wieder soweit. Die Luxusbeilagen der Printprodukte (unsere Beiträge vom 17.11.2006 und vom 24.11.2006) erscheinen und richten sich in einem Glanz, wie Journalismus nur selten verpackt wird, an die Leser. Da sie keine eigenständigen Produkte sind, sondern nur anderen Produkten beiliegen, kann das Leserinteresse an dieser Art von Journalismus kaum nachgewiesen werden. In den Verlagen gibt man sich aber davon überzeugt. Marc Walder vom Schweizer Ringier-Verlag (unter anderem Chefredaktor des SonntagsBlick) spricht in einem kurzen Interview mit der Werbewoche gleich zwei Mal davon:
Der Hefteinstieg vieler Magazine ist heute so strukturiert und entspricht sowohl den Bedürfnissen des Lesermarktes wie auch jenen des Anzeigenmarktes.
(..)
Der Erfolg jedes journalistischen Produktes basiert immer auf der Akzeptanz sowohl des Leser- wie auch des kommerziellen Marktes.
Akzeptanz ist ein trübes Wort, stellt aber die Macher offenbar bereits zufrieden – von Begeisterung mag in diesem Segment schon längst niemand mehr sprechen…
Und, falls jemand daran zweifeln sollte – selbstverständlich handelt es sich dabei um Journalismus:
Man kann durchaus sagen, dass hier Konsumgüter auf journalistische Art und Weise vorgestellt werden, so, wie dies viele andere Magazine auch tun.
Der ehemalige Chefreaktor des Medienmagazins Klartext, Hans Stutz, schrieb die Woche zuvor im Artikel “SchroBli- statt SoBli-Magazin” von einem “SchrottBlick-Magazin”, was Marc Walder sowohl “entsetzt” und “empört” hat. Wer es genau wissen will: “gleichermassen”.
Die Kritik der Werbewoche an dieser Sonntagsbeilage hat sich nun aber offenbar gelohnt. Zum Interview mit Marc Walder wurde auch gleich noch ein Banner gebucht. Aber das sieht wahrscheinlich nur so aus, denn Schweizer Mediapläne werden ja nur einmal im Jahr gemacht.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.






















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Das Marketing-Unwort ‘Akzeptanz’ besagt doch nur, dass die Leute hoffentlich nicht gleich den Kamin anheizen, wenn man ihnen zusammen mit dem Medium etwas stärker Werbeverseuchtes unterzujubeln versucht. Vergleichsweise herrscht im Direktvertrieb ebenfalls ‘Akzeptanz’, wenn auf den Vertreter nicht gleich der Hofhund gehetzt wird …
Also gut,”despektierlich” hat sich Hans Stutz geäußert, sagt Marc Waldner. Auch so`n markiger Spruch, der stutzig macht. Vielleicht trifft ja Edelschrott als respektierlichere Äußerung fürs SchroBli-Magazin bei Waldner auf Akzeptanz.
Weil also “Sie & Er” bei Journalisten und Lesern sich halbwegs einer Wertschätzung erfreuten, Macher und Kunden zufrieden waren, haben sich die kommerziellen Kombattanten verweigert. Das Schlechtere ist des Schlechten Feind und überstimmt die vorhandene Akzeptanz zugunsten spekulativer Gewinnmaximierung. Wäre nicht einmal was gegen einzuwenden, wären sie Verlag/Verleger/Journalisten und/oder Leser. So bestimmt eine sinnfremde Opponentengruppe, was dem Leser zusteht, was der Journalist dem Leser zugestehen darf. Das ist ein gleichermaßen despektierlicher Umgang mit Journalismus, Journalisten und Lesern. Konsumgüter “auf journalistische Art und Weise” vorstellen heißt, den Schrott noch explizieter bewerben. Versteht sich der Journalist dann auch noch als Meinungsbildner, sucht er auf sehr despektierliche Art und Weise den Leser zu manipulieren. Was überrascht, ist die Dürftigkeit des Ergebnisses, welches nun ganz und gar nicht den Bedürfnissen des Lesers entspricht. Despektierlich nachgelegt: für so bedürftig bedrucktes Papier gibt es kaum Bedürfnis, aber recht hinterlistig eine Anstalt. Wenn dazu der Nachrichteninhalt im SchroBli-Magazin von “latenter Aktualität” ist, heißt das wohl, auch Waldner versteckt sich hinter Wiederkäuern. Muß man sich auf der Zunge zergehen lassen, diese latente Aktualität! Markige Sprüche hat er drauf, der Herr Waldner.
Das mit der Akzeptanz ist Clou und Crux zugleich: Waldner als Chef akzeptiert, daß ihm die kommerziellen Auftraggeber vorschreiben, welches Blatt er wie zu machen hat. Die kommerziellen Auftraggeber akzeptieren im Gegenzug Verzicht auf hohe Ausgaben für Werbeagenturen. Der Leser akzeptiert den Brennwert so bedruckten Papiers, und mein Hofhund lauert latent, daß Marc Waldner mal vorbei kommt. Andererseits, wer traut sich schon das latente Geheimnis so despektierlich auszuplaudern, daß die Konsumgüterindustrie das Blatt macht? Marc Waldner.