Schwarzseher sehen noch schwärzer

Felix Disselhoff, 14. Januar 2008 09:44 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Murdoch macht’s möglich: Mit einer neuen Verschlüsselung könnte der Abo-Sender Premiere die Hälfte seiner Zuschauer abschießen – jene Hälfte, die das Programm illegal empfängt und dafür nicht bezahlt.

Premiere-Logo

Rupert Murdochs jüngste Beteiligung am Premiere-Konzern scheint schon erste digitale Wellen zu schlagen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Focus plant Premiere eine komplette Umstellung seines Verschlüsselungssystems. Die war und ist auch bitter nötig, da das derzeitige System “Nagravision” schon nach einem Monat wieder geknackt war. Damals sahen über eine Million Schwarzseher mit billigen Chipkarten und einer Software kostenlos alle Programme.

Man geht davon aus, dass jeder zweite Premierenutzer schwarz sieht. Das neue System VideoGuard wird bereits erfolgreich von British Sky Broadcasting (Unternehmensleitung: Rupert Murdoch) eingesetzt, die Crackerszene ist auch nach über einem Jahr keinen Schritt weiter.

Die Kabelnetzbetreiber ziehen bereits nach. Der Kabelbetreiber BW stellt in der Nacht von Montag auf Dienstag auf das neue System um. Premiere wird aller Voraussicht nach die bisher eingesetzten Smart-Cards kostenlos austauschen. Die meisten Digital-Receiver sollen per Software-Update VideoGuard-fähig gemacht werden können.

Ein Großteil der rund vier Millionen Premierekunden verwendet aber noch die bekannten D-Box-Receiver. Dbox1- oder Dbox2-Nutzer werden dann aller Voraussicht nach – ob legal oder als “Schwarzseher” – Premiere nicht mehr empfangen können. Ob Murdoch und seine News Corporation sich den teuren Spaß erlauben, wird sich in einigen Wochen zeigen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Täglich eingedampft: US-Politik in 100 Sekunden

4.3.2009, 3 KommentareTäglich eingedampft:
US-Politik in 100 Sekunden

Für Schnelldenker mit wenig Zeit: Montag bis Freitag fassen die Video-Nachrichten "The Day in 100 Seconds" des US-Blogs Talking Points Memo amerikanische Politik zusammen.

\

27.2.2009, 4 Kommentare"Spielzeugland":
Oscar-Kurzfilm im Nachtprogramm

Für "Spielzeugland" hat der Berliner Regisseur Jochen Alexander Freydank einen Oscar bekommen – eine Woche später versenkt die ARD den Kurzfilm im Nachtprogramm.

Internet-Fernsehen: Hulu kappt die Kanäle

19.2.2009, 0 KommentareInternet-Fernsehen:
Hulu kappt die Kanäle

Sendungen der amerikanischen Fernseh-Website Hulu lassen sich nicht mehr über Boxee und TV.com ansehen – die Medienkonzerne begehen Selbstmord auf Raten, findet Andreas Göldi.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

13 Kommentare

  1. Schreibt hier auf dem Blog Klaus Jarchow
    schrieb am 14. Januar 2008 um 10:34 Uhr (#)

    Warum sollte ein gesunder Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, zusätzlich zu all den anderen TV-Zappelbildchen auch noch Premiere schauen wollen? Ob nun weiß oder schwarz. Das Leben ist so kurz …

  2. Teja Bernardy
    schrieb am 14. Januar 2008 um 11:36 Uhr (#)

    …das Leben ist so kurz, da werden die Schwarzseher, die jetzt nicht mehr schwarz sehen können, nicht zu Bezahl-Sehern. Irgendwie geht Kundengewinnung anders. Was ist eigentlich mit den Preisen für Werbezeit, wenn Reichweite für rd. 1. Mio Zuschauer wegfällt?

  3. Mulnä Buta
    schrieb am 14. Januar 2008 um 14:48 Uhr (#)

    Seit wann gibts bei Premiere Werbung?

    Ich frage mich nur, ob sich die Kunden mit einer veralteten Box das auch gefallen lassen werden. Wäre es da nicht günstiger keine Umstellung vorzunehmen…

  4. Teja Bernardy
    schrieb am 14. Januar 2008 um 15:05 Uhr (#)

    @MULNÄ BUTA: Vermutlich, seit ich keinen Fernseher mehr habe, also 15 Jahre? Sorry!

    Die zahlenden Kunden lassen sich allerhand gefallen, auch wenn TV-Ignoranten wie ich das nicht kapieren. Braucht der neue Schlüssel überhaupt eine neue Box?

  5. Schreibt hier auf dem Blog Felix
    schrieb am 14. Januar 2008 um 17:18 Uhr (#)

    @Teja: Natürlich braucht die neue Verschlüsselungsmethode einen Empfänger, der das Signal wieder entschlüsselt. Zur Zeit sendet Premiere ständig sinnlose Schlüssel, die die Schwarzseher zur Verzweiflung treiben sollen. Da diese Schlüssel dann aber nach einigen Minuten aus dem Internet runtergeladen werden können, ist das keine Lösung auf Dauer. Daher kommt Premiere die neue Methode gerade recht.

  6. Teja Bernardy
    schrieb am 14. Januar 2008 um 17:29 Uhr (#)

    @ Felix von einem IT-Trottel: Klar, einen Decoder brauchts. Verschlüsselung auch. Was mir noch nicht klar ist, wird für Methodenwechsel ein neuer/anderer Decoder benötigt? Dann wären die Besitzer der alten Decoder nämlich angeschmiert.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Felix Disselhoff
    schrieb am 14. Januar 2008 um 17:59 Uhr (#)

    @ Teja: Genau darum geht es. Nicht alle Premierekunden besitzen noch die bewährte D-Box, sondern neuere Modelle, die keine Probleme mit der neuen Decodierung hätten. Besitzer der älteren D-Boxen, die Premiere damals zu Millionen verschickt hat, können ihren Kasten zum Sondermüll tragen. Die Frage ist, ob Rupert auf die Abhängigkeit der Premierekunden spekuliert, die ein Entgelt für eine neue Box zahlen oder in Vorzahlung geht, um die restlichen Haushalte mit neuen Boxen auszustatten. Abgesehen davon, sind die alten Boxen auch nicht HD-fähig, was ein weiteres Problem für Premieres hochauflösende Zukunft ist.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 14. Januar 2008 um 18:50 Uhr (#)

    Naja, das sind die alten Fernseher auch nicht.

    Aber mit dem momentan ständigen Schlüsselsenden schauen auch zahlende Kunden ständig minutenweise schwarz. Und ärgern sich dann auch irgendwann so.

    Premiere dementiert übrigens, das verfahren umstellen zu wollen. Zumindest so schnell nicht.

    Und ich hatte die Überschrift doch glatt politisch aufgefaßt…wenn Murdoch kommt…

  9. Teja Bernardy
    schrieb am 15. Januar 2008 um 00:14 Uhr (#)

    Irgendwie genial: um die Hälfte der Zuseher abzuschießen,weil die nicht zahlen, schießt man erst einmal die Hälfte der zahlenden ab. Marktbereinigung unter Schlüsselkindern.

  10. Sinloss um mittel erde
    schrieb am 5. Februar 2008 um 20:46 Uhr (#)

    ich habe gehört das ess eine deckoder gibt der aus der schweitz sei oder sowas kann mir jemand da weiter helfen es soll dan trotzdemm weiter geschaut werdenn können gruss

  11. willi winzig
    schrieb am 13. Juli 2008 um 20:21 Uhr (#)

    alles scheisse

  12. Schreibt hier auf dem Blog Felix Disselhoff
    schrieb am 6. August 2008 um 19:48 Uhr (#)

    Bis Ende September stellt Premiere einen Großteil der Geräte auf das Verschlüsselungssystem „Videoguard“ um. Entwickler der neuen Software ist NDS, eine Tochter des Premiere-Anteilseigners News Corp. Im vergangenen Jahr hatte Premiere sein Minus in der Jahresbilanz mit dem Sicherheitsproblem begründet.

  13. OLD STARWATCHER
    schrieb am 10. September 2008 um 00:33 Uhr (#)

    Gbox emu 1.35 (Can be found on most upload centers/ Note the files must have the GBoxKeyGen)

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.