medienlese – der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 13. Januar 2008 17:45 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Poschi auf der Flucht, Presseschau statt Morgengebete, Brüste in der Schwangerschaft.

Ulf Poschardt, leidenschaftlicher Autofahrer und Verachter von VW-Käfer-fahrenden Klimamoralisten, hatte eine schlechte Woche. Zuerst wurde er als Chefredakteur der Zeitschrift Vanity Fair, für die für gut ein Jahr geleitet hatte, gefeuert freiwillig gegangen, dann schüttete eine Rapperin ihm in einer Fernsehsendung überraschend ein Glas Wasser ins Gesicht, nachdem er sie zuvor offenbar Nervensäge genannt hatte. Poschardt verliess darauf die Sendung, nicht ohne einen Knicks zu machen. Ein Handgemenge wäre wohl angemessener gewesen.

Der Perlentaucher staunte über die Süddeutsche Zeitung. Willi Winkler schrieb dort: “Auch der von einigen anstelle eines Morgengebets aufgesuchte InternetDigest Perlentaucher ist unterkomplex, wie es die menschliche Software erlaubt: die anonymen Bergwerker, die im Morgengrauen die Feuilletons ausweiden und dabei auch noch gewichten sollen, sie können die Artikel im besten Fall kurz beriechen, aber in dem dafür vorgesehenen Halbsatz nur selten angemessen wiedergeben.” Der Perlentaucher dazu: “(Und wir dachten immer, die SZ verklagt uns, weil wir zu viel von ihrem Inhalt wiedergeben!)”

Die Schweizer Boulevardzeitung Blick berichtete in seiner Onlineausgabe ganz ernsthaft über das angebliche Anschwellen der Brüste einer Schauspielerin infolge einer angeblichen Schwangerschaft. Später die Woche liess man sich von Anja Müller, die mit Boris Becker zusammen gesehen worden war und deshalb der Selbstinszenierung verdächtigt wurde, erklären: “Wieso sollte ich so etwas inszenieren und unsere Freundschaft aufs Spiel setzen? Man behauptet auch, ich hätte finanzielle Absichten. Fakt ist, dass mir deutsche Medien Geld für ein Exklusiv-Interview angeboten haben. Ich lehnte ab. Boris und ich taten nichts anderes, als was Freunde sonst auch tun.” Während die Medienwebsites blick.ch (+4.5%) und 20min.ch (+1.4%) bei den Besuchen (“Visits”) leicht zulegen konnten im Dezember 2007, verloren nzz.ch (-3.9%) und tagesanzeiger.ch (-1.8%).

Die Zeitschrift Nature stellte ihr komplettes Archiv ins Netz, Oliver Gehrs sah die Zeitschrift Spiegel Seit an Seit mit dem Energiekonzern Vattenfall. Das Ende des Feuilletons wurde ausgerufen und die Zeitschrift Max eingestellt.

Dirk von Gehlen fand heraus, dass die Band Tocotronic einen Song über das Internetlexikon Wikipedia und Bürgerjournalismus geschrieben haben, das eigentliche Thema der Woche war aber ein Zusammentreffen von je zwei Vertretern der alten und neuen Medien in Berlin. Ein Zusammenschnitt von Aussagen des Vertreters des Stern, Hans-Ulrich Jörges, liess kaum noch einen Zweifel, für was er sich interessiert und für was nicht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 13. Januar 2008 um 18:35 Uhr (#)

    Poschardt & Vanity Fair … wer hat schon im Februar 2007 gewusst, dass das nicht gut geht? Nachzulesen im Handelsblatt: ?Der Anspruch, ein Magazin für Deutschland zu sein, wurde gut formuliert, aber nicht richtig eingelöst?, meint Christian Krug, Chefredakteur des Lifestyle-Konkurrenten ?Max?.

  2. Teja Bernardy
    schrieb am 13. Januar 2008 um 19:32 Uhr (#)

    Vanity – Max-imal wäre doch, Krug und Poschardt gingen jetzt zusammen Kaffeetrinken; fair wär`s auch und der Reihe nach.

  3. jessi
    schrieb am 13. Januar 2008 um 20:07 Uhr (#)

    bin echt froh dass max zu ende ist. diese zeitschriften sind doch alle gleich

  4. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 13. Januar 2008 um 22:01 Uhr (#)

    “diese” — was bleibt denn bei den “general interest”-zeitschriften noch übrig? der stern? iq style?

  5. Teja Bernardy
    schrieb am 13. Januar 2008 um 22:43 Uhr (#)

    @ OLE REIßMANN: Und wenn “diese” als hinweisendes Fürwort ein vergleichendes unter den Verblichenen war? Waren diese von “generel interest”? Vanity fair und Max stehen m.E. näher an Bunte und ev.
    Park Avenue.

  6. dikk
    schrieb am 27. Januar 2008 um 12:02 Uhr (#)

    naja also man kann nicht alle “diese” in einen topf schmeissen

  7. arbiter
    schrieb am 28. Januar 2008 um 18:28 Uhr (#)

    Wenn alle diese “diese” sind, dann ab in den Topf, jene in den Kropf. ;-)

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