Europolitan hat den studiVZ-Durchblick

studiVZSeit Mittwoch greifen studiVZs neue Geschäftsbedinungen, die etliche Klauseln bezüglich personalisierter Werbung enthalten. Wer die AGB bis zum 9. Januar nicht akzeptierte, wurde von der Nutzung des größten deutschen Social Networks ausgespert und hat noch bis zum 31. März diesen Jahres Zeit, den geänderten Bedingungen zuzustimmen – ansonsten wird der Account gelöscht. Das Thema sorgte seit der Ankündigung Mitte Dezember für zahlreiche Schlagzeilen bei nahezu allen etablierten Onlinemedien. Selten allerdings wurde die Problematik wirklich sachlich und korrekt erfasst bzw. dargestellt, was in der Öffentlichkeit zu einem verzerrten Bild der Situation führte.

Soeben bin ich beim mir bisher unbekannten Nachrichtenmagazin Europolitan auf einen Artikel gestoßen, der die aktuelle Entwicklung bei studiVZ beschreibt, und das in einer so vorbildlichen, neutralen und differenzierten Form, wie ich es bisher in diesem Zusammenhang noch nicht erlebt habe. Treffend und fundiert fasst die Autorin die Geschehnisse zusammen, berichtet über die tatsächlichen (eher geringen) Ausmaße des Protestes, aber auch über die notwendige Sensibilisierung für ein Thema, welches jeden Nutzer von Social Networks betrifft: die gedankenlose Veröffentlichung persönlicher Daten. Sie verweist auf den bereits verbreiteten Einsatz personalisierter Onlinewerbung auf anderen Seiten und spart gleichzeitig nicht mit Kritik an der ihrer Ansicht nach juristisch fragwürdigen Praxis von studiVZ, die AGB-Verweigerer einfach auszusperren.

Lest euch den Artikel durch und beurteilt selbst, ob er die Situation richtig beschreibt. Einige erwähnte Zahlen am Rande: Angeblich kam es bisher zu 45.000 Austritten von protestierenden studiVZ-Nutzern, was bei ungefähr 4,5 Millionen Mitglieder einem Prozent entspricht. Weiter heißt es, dass bereits drei Viertel der registrierten User den neuen AGB zugestimmt haben. Dies ist seit 21. Dezember möglich. Die Statistik, sofern sie denn stimmt, gibt einen wagen Einblick in die Aktivitätsrate der studiVZ-Mitglieder: 75 Prozent haben sich innerhalb der letzten drei Wochen mindestens einmal bei studiVZ eingeloggt (und dann die AGB akzeptiert), schätzungsweise zehn bis fünzehn Prozent verweigern die Zustimmung oder haben sie vergessen (und sich seit Mittwoch nicht mehr eingeloggt). Es verbleiben zehn bis 15 Prozent der Mitglieder, die in den letzten drei Wochen nicht bei studiVZ gewesen sind und damit als wenig oder nicht aktive Nutzer angesehen werden können.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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24 Kommentare

  1. Matthias Dietrich
    schrieb am 11. Januar 2008 um 20:49 Uhr (#)

    Vorsicht! Von den 75 Prozent kann unter Umständen auch ein sehr großer Anteil nur deshalb aktiv geworden sein, um den Account nicht zu verlieren; wenn die Zahl denn stimmt.

  2. Martin Weigert
    schrieb am 11. Januar 2008 um 21:09 Uhr (#)

    Ja klar, deshalb habe ich es auch einen “wagen Einblick” genannt. Ich sehe es sehen: Wer sich einloggt, um die AGB zu bestätigen, hat zumindest hinreichend Interesse an studiVZ, dass er seinen Account nicht verlieren will. Damit qualifiziert man sich in meinen Augen schon als potentiell aktiver Nutzer ;)

  3. Chris
    schrieb am 11. Januar 2008 um 23:09 Uhr (#)

    Es steht nirgends, dass Profile gelöscht werden, die den AGBs nicht zustimmen. Das wäre auch ziemlich dumm. Schließlich kann ich ein halbes Jahr im Ausland sein und kein Internet haben bzw. Krank sein…

  4. Martin Weigert
    schrieb am 11. Januar 2008 um 23:55 Uhr (#)

    http://studivz.net/newsro…php?id=40&ref=0

    Wenn du bis 31.März 2008 weder den neuen AGB und der neuen Datenschutzerklärung zugestimmt hast, noch dich über die Email abmeldung@studivz.net exmatrikuliert hast, dann werden wir dein Profil und deine Daten löschen.

  5. Manuela Friedmann
    schrieb am 12. Januar 2008 um 09:57 Uhr (#)

    Ähm..wie kann es sein das ich mich bei StudiVZ einloggen kann, obwohl ich die AGBs noch nicht akzeptiert habe und auch die Seite mit der Bitte die AGB zu akzeptieren nach dem einloggen nicht mehr auftaucht?

  6. Martin Weigert
    schrieb am 12. Januar 2008 um 12:08 Uhr (#)

    Manuela, das ist in der Tat merkwürdig. Hast du dich vielleicht erst Mitte Dezember oder später bei studiVZ registriert? Dann hast du die neuen AGB bereits bei der Anmeldung akzeptiert.

  7. Manuela Friedmann
    schrieb am 12. Januar 2008 um 12:32 Uhr (#)

    Nein, ich habe lediglich die AGB Seite immer weggeklickt (andere Seiten aufgerufen auf Studivz)…bis sie irgendwann nicht mehr da war…wo kann ich denn überprüfen ob die AGB akzeptiert wurden oder nicht?

  8. Martin Weigert
    schrieb am 12. Januar 2008 um 13:08 Uhr (#)

    Ich vermute, allein der Fakt, dass du studiVZ noch immer verwenden kannst, bedeutet, dass du die Plattform zu den neuen Bedingungen nutzt. http://www.studivz.net/l/policy/declaration/

    Im Zweifelsfall ist eine Mail an studiVZ sicher das Beste.

  9. Philip Lücke
    schrieb am 12. Januar 2008 um 18:59 Uhr (#)

    Die tatsächlichen Austritte mögen geringer ausfallen. Was aber jedem auffallen dürfte ist
    die Tatsache das sehr viele User ihre persönlichen Daten geändert oder gelöscht haben.
    Das scheint für Studivz übrigends ein Problem zusein, man wurde nämlich schon per Newsletter
    aufgeklärt das man seinen Namen nicht ändern braucht…
    Also vielleicht eher ein passiver Widerstand.

  10. Martin Weigert
    schrieb am 12. Januar 2008 um 19:04 Uhr (#)

    Ich glaube, der Hinweis mit dem Namen wurde aus rein praktischer Sicht kommuniziert: Dadurch können sich ehemalige Budelkastenfreunde nicht mehr so leicht finden, was ja ein beliebter Sport bei studiVZ ist. Damit verliert die Plattform an Attraktivität, gleichzeitig schadet man sich als Mitglied auch selbst (sofern man gerne gefunden werden möchte). Für personalisierte Werbung spielt der Name überhaupt keine Rolle, im Gegensatz zu anderen Profildaten.

  11. heiko
    schrieb am 13. Januar 2008 um 18:51 Uhr (#)

    Interessant wären auch mal Zahlen zu dem Thema “Wie viele User haben ihre Profile unkenntlich/Falschangaben gemacht seit Bekanntwerden der neuen AGB”. ;)

  12. Manuela Friedmann
    schrieb am 13. Januar 2008 um 20:54 Uhr (#)

    @heiko: Eine einfache Fallstudie dazu kann jeder selbst machen. Einfach mal alle Freunde abklappern, die Ergebnisse in Excel einpflegen und lustige Statistiken errechen…damit dürfte sich auf ein gutes Abbild der sonstigen Mitglieder schließen lassen… ;)

    Wer erbarmt sich? Bin dazu leider zu faul… :D

  13. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 13. Januar 2008 um 21:07 Uhr (#)

    Also wenn sich jemand von euch für so eine Aktion erbarmt… Ich veröffentliche die Ergebnisse gern ganz uneigennützig hier im Blog ;)

  14. heiko
    schrieb am 13. Januar 2008 um 21:10 Uhr (#)

    @manuela: habe mir gerade mal 15 min zeit dafür genommen. bei mir waren es 24,6%, also gerundet 25% meiner freunde, die allein ihren namen unkenntlich oder gekürzt haben. die info auf den profilseiten habe ich mir natürlich dabei nicht angeguckt ;)

  15. heiko
    schrieb am 13. Januar 2008 um 21:11 Uhr (#)

    @martin: kannst du gerne dafür verwenden ;)

  16. Martin Weigert
    schrieb am 13. Januar 2008 um 21:25 Uhr (#)

    Schon unfassbar. Was versprechen sich diese 25 Prozent deiner Kontakte von diesem Schritt?

  17. heiko
    schrieb am 13. Januar 2008 um 22:22 Uhr (#)

    Ich weiß es nicht. Aber so eine allgemeine Anti-Stimmung ggü den neuen AGB ist jawohl an keinem so recht vorbeigegangen. Auch wenn die Namensänderung studiVZ vermutlich nicht daran hindern wird, einem perso. Werbung zuzusenden (die haben die alten Namen doch sicher eh irgendwo gespeichert), drückt dieses Userverhalten einen enormen Unmut aus. Irgendwie sowas wie eine kleine Demo, nur halt virtuell.

  18. Martin Weigert
    schrieb am 13. Januar 2008 um 22:30 Uhr (#)

    Ich hatte es ja schon weiter oben erwähnt: Personalisierte Werbung hat rein gar nichts mit dem Namen zu tun. Es geht nicht darum, die tatsächliche Identität von Menschen anhand ihrer Namen herauszufinden, sondern zu erfahren, was jemand mag und nicht mag, um daran ausgerichtete Werbung auszuliefern. D.h., wenn jemand fünf verschiedene Hobbys in seinem Profil angibt, dann sorgt der Adserver von studiVZ dafür, dass dieser User während seines Aufenthalts im studiVZ-Netzwerk möglichst Banner sieht, die zu seinen Hobbys passen (als Beispiel, ich weiß gar nicht, ob Interessen bzw. Hobby bei studiVZ überhaupt analysiert werden. Statt Hobbys kommt z.B. auch Herkunft, Geschlecht oder Alter in Frage). Der Name dagegen spielt keine Rolle, da schon die automatische Identifizierung des Geschlechts angesicht von zehntausenden unterschiedlicher Vornamen schwierig und unnötig aufwändig ist. Es spielt also keine Rolle, ob man Max Mustermann, Nina Hagen oder Frank Zander heißt, solange man seine Hobbys und sein Geschlecht angegeben und nicht geändert hat.

    Diese ganze Verwirrung macht deutlich, dass hier viel mehr Aufklärungsbedarf besteht, was ein Versäumnis von studiVZ ist. Davon abgesehen hat man ja die Möglichkeit, im Datenschutz-Bereich ganz einfach personalisierte Werbung zu deaktivieren, dann kann man sich den ganzen anderen Hokuspokus sparen.

  19. heiko
    schrieb am 13. Januar 2008 um 23:38 Uhr (#)

    Richtig, Deaktivierung ist möglich (wenn auch eher versteckt..das ist aber ein anderes Thema). Das Namen für perso. Werbung nicht zur Analyse herangezogen werden ist auch mir neu und ich bin dir dafür dankbar, dass du in deinem Blog was zur Aufklärung beiträgst.

    Um mal die “Studie” weiterzuspinnen: demnach wäre dann ja eine Analyse der Profilseiten sinnvoller, da nur diese für die Werbung herangezogen werden. Die Mühe mache ich mir jetzt aber mal nicht. ;)

    Insgesamt aber schön zu sehen, welche Chancen & Gefahren das Web 2.0 für Unternehmen bietet: zum einen die größtmögliche Transparenz für die Kunden (Paradebeispiel: mymuesli: viel Internes im Blog, jetzt neulich sogar Unternehmenszahlen bei enable in der FTD), zum anderen verwirrende Instransparenz (> studiVZ, siehe AGB…wie du sagst Martin: “Diese ganze Verwirrung macht deutlich, dass hier viel mehr Aufklärungsbedarf besteht, was ein Versäumnis von studiVZ ist.”)

  20. Martin Weigert
    schrieb am 14. Januar 2008 um 09:07 Uhr (#)

    Jep, das Problem ist vermutlich auch, dass die User grundsätzlich skeptisch gegenüber dem wären bzw. sind, was studiVZ oder ein anderes Social Network an Aufklärung bezüglich dieses heiklen Themas liefert. Kompliziert, kompliziert…

  21. Kai
    schrieb am 14. Januar 2008 um 13:36 Uhr (#)

    es scheint mir egal, ob man die agb akzeptiert,
    - weil man werbung möchtew, oder
    - seinen account nicht verlieren will, oder
    - seinen account inhaltlich verfälscht, oder
    - sonstwas für Begriffe (die für jeden etwas anderes bedeuten können) bei seinen Vorlieben anhakt oder ausfüllt
    _____________________________

    STUDENT ist keine Zielgruppe!

    Vergesst alle das Wort Zielgruppe! Streicht es! Dieses Verständnis vom Kunden ist von gestern und sorgte ohenhin nur für Streuferluste, was bis dato eben nie ein problem war, weil es egal war.
    ______________________________

    Man ist nicht auf StudiVZ weil man Student ist, oder man die&die Mucke hört, oder&das hobby hat, sondern einfach weil man mit anderen studenten quatsch machen will

    Welchem Werbepartner soll diese Motivation personalisiert angeboten werden?

  22. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. Januar 2008 um 13:53 Uhr (#)

    Ich bin da sehr stark anderer Meinung. Klar hat jeder Student eine individuelle Persönlichkeit mit zahlreichen Eigenheiten, gleichzeitig gibt es aber zahlreiche Attribute, die nahezu sämtliche Studierende gemeinsam haben und verbinden. Sie studieren an einer Hochschule, sind in ähnlichem Alter, habe ähnliche Einkommensquellen, wollen nach dem Studium einen Job beginnen, pflegen einen zwar durch unterschiedliche Subkulturen geprägten, aber dennoch in der Gesamtheit gegenüber älteren Generationen abgrenzbaren, ähnlichen Lebensalltag undsoweiter. Innerhalb der Zielgruppe der Studierenden gibt es dann weitere Untergruppen, die sich voneinander unterscheiden.

    Möglicherweise ist das beim Direktverkauf von Waren oder Dienstleistungen anders, aber wenn es um die kommunikative Ansprache aus Marketing-Sicht, dann würde ich das Konzept der Zielgruppen nicht für Tod erklären. Mit dem Einzug personalisierter Werbung kann es allerdings langfristig an Bedeutung verlieren. Aber dort sind wir noch nicht.

  23. Manuela Friedmann
    schrieb am 14. Januar 2008 um 21:36 Uhr (#)

    Um noch einmal zur Namensänderung zurückzukommen…ich habe mir kurz die Zeit für eine Fallstudie genommen, und ich kann ähnliche Werte berichten:

    Ganz genau 26,22% meiner Freunde haben ihren Namen seit bekanntwerden der neuen AGB unkenntlich gemacht oder gekürzt.

    Man kann also tatsächlich sagen das rund ein Viertel der Mitglieder aktiv geworden ist… ^^

  24. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. Januar 2008 um 21:42 Uhr (#)

    Gut zu wissen für zukünftige Artikel. Es ist kein repräsentativer Wert, aber auch mein schneller Blick in zufällig ausgewählte Gruppen bestätigt diese 25 Prozent ungefähr.

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