“Scheiß-Privatfernsehen”

Ole Reißmann, 9. Januar 2008 09:41 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Oettinger (Jacques Grießmayer, CC-Lizenz)Endlich hat ein Politiker in der Debatte um Jugendgewalt deutliche Worte für die Medien gefunden. Wie die Frankfurter Rundschau heute berichtet, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident bei einem Neujahrsempfang in Markgröningen “Scheiß-Privatfernsehen”. Oettinger machte das Fernsehen verantwortlich für zunehmende Gewaltneigungen bei Jugendlichen. Angegriffen habe er damit RTL2 und Super-RTL, Sat.1 und RTL nahm er von der Kritik aus, so die FR. Oettingers Breitseite ist, vorsichtig gesagt, schwierig. Der Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Gewalt ist alles andere als gesichert.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. bd
    schrieb am 9. Januar 2008 um 10:02 Uhr (#)

    Mit Fäkalienjargon verscheuchte man früher den Teufel, heute wohl dessen Stellvertreter: das Fernsehen.

  2. frank
    schrieb am 9. Januar 2008 um 10:21 Uhr (#)

    Ich sachs mal bildlich: Die Wahrheit braucht immer einen Mutigen, der sie ausspricht.

  3. bugsierer
    schrieb am 9. Januar 2008 um 10:43 Uhr (#)

    all diese thesen sind ja schön und gut. aber ich habe mühe mit der these, dass gewalt in den medien keinen einfluss auf die gewaltbereitschaft von menschen haben soll. ein jugendlicher, der mit 15 bereits x-tausend fernsehmorde und noch mehr baller-spiel-morde hinter sich hat, ist doch sicher anders drauf als einer, der das alles nicht konsumiert hat.

    entlarvend ist ja auch die tatsache, dass die us-army (und andere wohl auch) schon seit jahrzehnten videospiele einsetzen, um die schiesshemmung ihrer soldaten zu minimieren.

  4. Teja Bernardy
    schrieb am 9. Januar 2008 um 10:55 Uhr (#)

    @BD: Früher …, nun also anstatt Teufels Fritz Oettinger. Klappt doch mit dem Verjagen.
    Der Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Gewalt mag “wissenschaftlich” alles andere als gesichert sein, obwohl, so sicher ist das auch nicht. Eine Wahrnehmungssicherheit wäre ja schon mal was. Der Zusammenhang zwischen Gewaltdarstellung und Gewaltausübung ist hingegen gesichert. Läuft nicht ein erheblicher Teil medialer Vielfalt auf Gewaltkonsum hinaus? Der Teilaspekt TV-Landschaft wird sich schwerlich auf Unschuld hinausreden können. Politik auch nicht. Sie, die Parteipolitiker des Rucks, wollten es doch so. Ab ins WC!

  5. robert holzwart
    schrieb am 9. Januar 2008 um 11:11 Uhr (#)

    es ist wie mit dem sturmgewehr. das die waffe im haus gefährlich ist und kurzschlusshandlungen begünstigt, ist offensichtlich. aber mit pseudowissenschaflichen nachweisen “mehr tote durch messer” oder aussagen “menschen nicht gewehre töten menschen” kann alles ad absurdum argumentiert werden. ebenso im tv. wer nach 2 stunden tv-genuss nicht den eindruck hat, dass man auf lange sich abgestumpft wird, verblödet und verroht, der ist zuvor eingeschlafen….

  6. Oliver
    schrieb am 9. Januar 2008 um 17:24 Uhr (#)

    ach nee, schon wieder haben die politker keine lösung für ein problem, und da muss das fernsehen wieder mal hinhalten. wollen wir es jetzt wieder einmal etwas verbieten, weil 0,000001 Prozent von denen, die es konsumieren, offenbar nicht damit klarkommen?

    dann müssen wir aber ? und das sei den werten kommentatoren hier einmal gesagt ? leider auch dem internet den stecker ziehen.

  7. Teja Bernardy
    schrieb am 9. Januar 2008 um 18:14 Uhr (#)

    @Oliver: Ach JA, wer mißverstehen will, darf! Wäre natürlich nicht schlecht, auch fürs Web die rote Karte.
    Geht es hier um Verbot eines Mediums, oder um seine Inhalte, den Umgang damit und die Auswirkungen? Oder gilt jetzt sakrosankt Diskussionsverbot über Technik, Medienlandschaft, Inhalte, Umstände, Zustände? Wer verlangt, die Politiker MÜSSEN die Lösung finden? Sind wir nicht mehr verantwortliche Gesellschaft und Auftraggeber für Politik und Politiker? Schuld sind immer die anderen, vor allem die Politiker. Wähler und Nichtwähler haben trotzdem die Politiker, die sie verdienen. Das mag ungerecht sein, doch wer über Politik redet, referiert nicht über Gerechtigkeit.

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