Wikia Search:
Vielversprechendes Experiment, holpriger Start

Andreas Göldi, 7. Januar 2008 15:17 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Das Jahr ist noch jung, aber wie vermutet erleben wir heute bereits vielleicht eine der wichtigsten Produktneuerungen: Wikia, das halbkommerzielle Vehikel von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, veröffentlichte heute seine Suchmaschine Wikia Search in einer Alpha-Version.

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Das Alpha als Versionskennzeichnung scheint auch angemessen, denn wer sich einen fixfertigen Google-Killer aus dem Wikipedia-Umfeld erwartet hat, wird sicher enttäuscht sein.

Die Suchresultate sind noch von sehr bescheidener Qualität, was Wikia auch vorsichtshalber gleich als erstes selbst zugibt. Aber von der Mitwirkung der User erhofft man sich, im Zeitverlauf eine erheblich bessere Lösung anbieten zu können. Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut, und selbst die Wikipedia brauchte Jahre, um wirklich gut zu werden. Wikia Search ist also klar als Experiment angelegt.

Technisch basiert Wikia Search auf dem Open-Source-Paket Nutch, das wiederum eine Erweiterung von Apache Lucene ist. Im Prinzip versucht Nutch, eine Google-artige, hochskalierbare Suchinfrastruktur zu bauen. Dass das nicht so ganz trivial ist, kann man sich ja vorstellen, aber die Antwortzeit macht immerhin schon einen recht guten Eindruck. Der Index von Wikia Search umfasst angeblich im Moment 50-100 Millionen Dokumente, was gegenueber Googles geschätzten 40 Millarden Dokumenten natürlich winzig ist. Mit Hilfe des verteilten Webcrawlers Grub will man nun aber die Aufholjagd starten.

Die User können zu Wikia Search auf verschiedene Arten beitragen: Zu jedem Suchbegriff gibt es einen frei editierbaren “Mini Article”, in dem im Wikipedia-Stil ein paar der wichtigsten Fakten zum jeweiligen Begriff zusammengefasst werden können. Aber selbst zu populären Begriffen herrscht hier im Moment noch gähnende Leere. Dazu können User die Suchresultate bewerten (ein bisschen wie vielleicht bei Digg) und so Feedback zum Ranking-Algorithmus liefern. Letzterer ist übrigens voll transparent: Zu jedem Resultat lässt sich anschauen, wie das Ranking zustande gekommen ist:

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Nicht nur zu Google will Wikia mit der Zeit eine Alternative bieten, sondern auch zu Facebook, MySpace und Co. Registrierte User können sich eine Profilseite anlegen, die verdächtig an Facebook erinnert:

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Freundlicherweise bietet Wikia auch gleich Features, mit denen man seine Freunde von Facebook, MySpace oder aus dem E-Mail-Adressbuch einladen kann. Wenn die anderen nicht offen sein wollen, geht es auch auf Umwegen. Die Datenschutz-Regeln lassen sich vom User sehr granular festlegen. Für fast jede Informationskategorie lässt sich festlegen, ob diese Daten ganz öffentlich oder nur für Freunde sichtbar sein sollen.

All das wirkt nun wie gesagt in dieser ersten Version noch ziemlich holprig. Die Qualität der Suchresultate ist im Vergleich zu Google, Yahoo oder MSN enttäuschend, aber Wikia Search sieht sich in seinem Selbstverständnis auch eher als Plattform, auf der mit User-Mitwirkung erst in naher Zukunft eine richtig gute Suchmaschine entstehen soll. Damit tritt Wikia aber nicht nur gegen die traditionellen Suchmaschinen an, sondern auch gegen Firmen wie Mahalo, Squidoo und dergleichen. Viel Feind, viel Ehr?

Die Frage ist natürlich schon, ob die Wikipedia-Philosophie auch hier funktionieren kann. Dass diese Community unglaubliche Dinge hinkriegen kann, wissen wir. Aber die Konkurrenz für Wikipedia war damals ziemlich klein und ausserdem kostenpflichtig. Bei Suchmaschinen und Social Networks sieht das erheblich anders aus. Encyclopedia Britannica und Brockhaus waren sicher nicht das gleiche Kaliber wie Google, MySpace oder Facebook. Eine kostenlose Enzyklopädie war eine deutliche Marktlücke, bei Websuche und Social Networks gibt es das so nicht, Open-Source-Ideologie hin oder her. Und es kann sein, dass diese erste Version von Wikia Search etwas zu dünn geraten ist, um bei den Usern massenhaft Begeisterung zu wecken. Es ist auch nicht so ganz klar, was die Abgrenzung zwischen Wikia (der Firma) und der Wikimedia Foundation (der Non-Profit-Stiftung) genau ist. Solche Dinge könnten für das Projekt noch zu Schwierigkeiten führen.

Aber warten wir es mal ab. Ich persönlich glaube, dass gerade bei den Social Networks das Rennen noch lange nicht gelaufen ist und es noch Raum für eine solche offene Lösung gibt. Und auch bei der Suchmaschine selbst gilt hier wohl der Erfahrungswert aus der Open-Source-Szene, dass es halt oft Jahre dauert, bis eine adäquate Lösung rauskommt, aber die dann vieles dramatisch verändern kann. Linux hat auch fast ein Jahrzeht bis zur kommerziellen Reife gebraucht, aber hat inzwischen die ökonomischen Regeln in der IT-Branche massiv umgekrempelt. Mit anderen Worten: Google braucht sich noch keine grossen Sorgen zu machen, aber sollte diese Entwicklung sicher ernst nehmen.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Benjamin

    schrieb am 7. Januar 2008 um 22:25 Uhr (#)

    Google scheint die Sache sehr ernst zu nehmen, da ich zu dem Thema von Seiten des Suchmaschinengiganten noch nichts gehört habe. Zugegeben, ich habe nicht bewußt nach Stellungnahmen gesucht.

    Aber es scheint so, als ob Google keine Öffentlichkeit erzeugen will.

    Aber was sie sollen sie schon sagen, außer : wir sind besser.


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