Ein bisschen Retail-Nostalgie
Von Andreas Göldi am 7. Januar 2008 um 20:11 Uhr Kommentare (6)
Kategorien: Analysen
Die Feiertage habe ich grösstenteils in meiner alten Heimatstadt St. Gallen verbracht. Beim Spazierengehen durch die Innenstadt kam mir plötzlich der Gedanke, einmal darüber nachzudenken, was eigentlich aus all den Ladengeschäften geworden ist, die früher für mich wichtig waren.
Und beim Nachrechnen wurde mir schlagartig deutlich, wie stark sich viele Branchen durch die technologischen Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre verändert haben:
- Die Plattenläden, wo wir uns als Teenies immer endlos neue CDs anhörten: Alle bis auf zwei verschwunden. Und die verkaufen wohl mehr DVDs als Musik. iTunes lässt grüssen.
- Die kleinen Computerläden, wo ich mir früher meine Maschinen von VC 20 über Amiga bis zum dicken PC gekauft habe: Alle acht (!) weg.
WegeDELLt sozusagen.
- Die Elektronik- und Fotoläden, wo ich mir damals Gadgets gekauft habe: Zu etwa drei Vierteln weg, gefressen von dünnen Margen auf sinkenden Preisen. Wer echte Auswahl will, muss in die Vorstadt zum Mediamarkt fahren.
- Die beiden Reisebüros, wo wir früher unseren Urlaub gebucht haben: Eins weg, eins umgezogen in ein erheblich bescheideneres Lokal.
- Die Buchläden: 2/3 ganz verschwunden, der Rest aufgekauft von grösseren Ketten. Der Amazon-Effekt? Oder lesen die Leute einfach weniger?
- Die Videogame-Spielhöllen, wo wir nach der Schule immer unser Taschengeld verzockten: Nicht aufzufinden. Wer braucht das noch, wenn es Xbox und Playstation gibt?
Man fragt sich, was die (Nerd-)Teenies von heute eigentlich noch machen beim Stadtbummel. Die unzähligen neuen Mobiltelefonläden sind ja wohl auf die Dauer auch nicht so spannend.
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6 Kommentare
Konsolidierung und Globalisierung sind keine technologischen Entwicklungen. Die kleinen Läden verschwinden nicht wegen der Technologie, sondern eben weil sie klein sind. Und ein paar, die früher klein waren, sind jetzt gross. iTunes lässt nicht grüssen, sondern P2P. Was der junge Nerd heute treibt? Er sitzt daheim vor der Glotze und spielt bei Facebook.
Ronnie Grob
schrieb am 8. Januar 2008, 08:32 Uhr (Permalink zum Kommentar)Sie sitzen zuhause vor ihren PCs und haben so noch weniger Bewegung und Farbe im Gesicht als ihre Vorgänger. Eine Gesellschaft, in der es überhaupt keinen Grund mehr gibt, vor die Tür zu gehen, ist schon überdenkenswert.
Peter Hogenkamp
schrieb am 8. Januar 2008, 09:58 Uhr (Permalink zum Kommentar)Also, ich hab ab 14 oder 15 etwa zwei Jahre vor allem vor dem 64er verbracht. Am besten fand ich es, wenn wir im Hochsommer eigentlich in die Badeanstalt wollten und meinten: “Komm, wir spielen noch kurz ein bisschen ‘Summer Games’”, und dann war - bei heruntergelassenen Jalousien - der Nachmittag schnell rum. Meine Eltern machten sich damals wohl ernsthafte Sorgen. Aber ich hab danach trotzdem wieder den Weg nach draussen gefunden. Deswegen mache ich mir eigentlich nicht so grosse Sorgen.
Allerdings ist ein entscheidender Unterschied wohl schon, dass man heute so ziemlich *alles* vor dem PC machen kann, gamen und socializen und surfen (sogar arbeiten) und so weiter. Daher mache ich mir dann doch wieder etwas Sorgen. In zehn Jahren, wenn mein Sohn soweit ist, kann ich die dann vermutlich auch hoffnungslos undifferenzierte Elternperspektive hier einbringen.
ben_
schrieb am 8. Januar 2008, 11:13 Uhr (Permalink zum Kommentar)Da ist das Konzept “Stadtbummel” wohl überholt, und wenn ich mir die Innestadt und Fußgägngerzone meine Kindheit und Jugend in Erinnerung rufe auch mit Recht.
Alex
schrieb am 8. Januar 2008, 16:13 Uhr (Permalink zum Kommentar)Hallo Andreas,
interessante Betrachtung - was mich interessieren würde:
Stehen die Ladenflächen nun leer, sind dort andere Geschäfte drin (v.a. welcher Art?) oder werden die Flächen möglicherweise sogar gänzlich anders genutzt?
Von den Handybuden mal abgesehen ;)
Was Plattenläden angeht sieht es in Bielefeld genauso aus. Bücher-, Foto- und Computerläden vermisse ich aktuell keine oder mir fehlt da die Erinnerung.
RL
schrieb am 8. Januar 2008, 22:45 Uhr (Permalink zum Kommentar)also die Spielhölle in St.Gallen ist bei McDonalds im Kellergeschoß zu finden.
hab ich aber auch nur zufällig durch den Krach (bum bum peng…) bemerkt.
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Antithese
schrieb am 7. Januar 2008, 20:37 Uhr (Permalink zum Kommentar)