medienlese – der Wochenrückblick

Die volle Wahlfreiheit, der Blogger als Schwein, gute Vorsätze.

Deutschlands Medienwoche war geprägt von einer Debatte um Jugendkriminalität. Weil es in Frankfurt, in München, Berlin und nochmal München zu Gewalttaten in U-Bahnen kam, kümmerten sich die Medien (und dann auch noch die Politik) fast ausschliesslich um diese Fragen. Auf bild.de konnte man dazu Stellung beziehen und entscheiden, was mit den Gewalttätern passieren soll. Abschieben? Wegschliessen? Umerziehen? Vorbildlich auch, dass bild.de ihren Usern die volle Wahlfreiheit liess. Wer wollte, konnte für alle drei Optionen gleichzeitig sein. Was wieder mal beweist, wie sinnlos Umfragen im Internet oft sind.

Die NZZ las ein offenbar schlechtes Journalismus-Lehrbuch über Videojournalismus. SRM. nervte sich über “die Mogelpackung”: “Von herkömmlichem Fernsehjournalismus unterscheidet er [der Videojournalismus] sich vor allem darin, dass der Journalist zu einer Art eierlegender Wollmilchsau mutiert, die nahezu alles kann – er ist zunächst Reporter, Kameramann und Tontechniker und dann auch noch sein eigener Redaktor und Cutter.” Dass das Buch nicht gut ist, kann ja sein, allerdings ist diese angeblich eierlegende Wollmilchsau keine Unmöglichkeit. Einige Blogger beweisen bereits, dass sie solche Schweine sein können.

Schweizer Medien sind weiterhin besessen von Ex-Bundesrat Christoph Blocher, der sich unlängst von ihnen verabschiedet hat und sich auf teleblocher.ch wöchentlich direkt an die an ihm interessierten wendet. Einen schönen Zusammenschnitt aus dem Regionalsender Tele Züri kann man sich auf youtube.com ansehen (31 Sekunden)

Johannes Kleske fasst einen guten Vorsatz und will sich im Jahr 2008 jeden Tag ablichten. Um seinen Vorsatz zu unterstützen, halten wir das gerne hier fest. Denn wie imgriff.com-Blogger Florian Steglich in der Radiosendung Trackback erklärte, muss man seine Vorsätze nur öffentlich machen, dann fällt es einem viel schwieriger, sie später zu verleugnen.

Telepolis besuchte die muslimische Seite von Second Life und in Italien war Internet erstmals beliebter als TV. 54 Prozent der Italiener, will man einer Umfrage von La Repubblica Glauben schenken, sitzen lieber vor dem Internet als vor der Glotze. Wer schon mal italienisches Fernsehen gesehen hat, weiss vielleicht, warum.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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