Österreichs neuer TV-Sender braucht Hilfe

Gut abgehangen oder billig produziert: Auf Österreichs neuem Privatsender Austria 9 laufen vor allem Uralt-Serien und Anruf-Shows. Dabei könnte der Fernsehmarkt mehr Wettbewerb gut vertragen – und Formate mit Qualität.

Austria 9?Helft mir doch!?, fleht die junge Blondine in die Kamera und schnalzt nervös mit der Zunge. Trommelwirbel seit drei Minuten. Nach zehn Minuten ruft noch immer niemand an, um das triviale Rätsel aufzulösen und die Chance auf 3000 Euro zu ergreifen. Kameramann und Moderatorin müssen lachen ob der Situation, doch dann kriegt sie noch die Kurve und wiederholt ihr Mantra: Acht Leitungen führen direkt ins Studio, 20 Geldpakete warten, die Chance auf einen fetten Gewinn und alles nur für eine billige Lösung.

Willkommen beim Anruf-Quiz von Austria 9, dem zweiten bundesweiten Privatfernsehsender Österreichs. Gestartet hat der über Satellit und Kabel zu empfangende Kanal am 12.12.2007 um 12 Uhr 12 – und zwar besonders originell und aufregend: nämlich mit einer Call-in-Sendung. Allerdings fast unter der Wahrnehmungsgrenze. Denn hätten nicht einige Zeitungen über den Sendestart berichtet, hätte man nicht einmal über Google die Homepage des Senders gefunden.

Verpassen kann man ohnehin nichts: Neben sinn- und Zuschauer-losen Anrufsendungen bietet Austria 9 nämlich nicht Fernsehen für die neun Bundesländer Österreichs, auf die sich der Name bezieht. Stattdessen spielt man stundenlang alte Serien wie Akte X, Lois & Clark – Die neuen Abenteuer von Superman oder Mac Gyver. Morgens und abends gibt?s noch eine Teleshop-Sendung, Astro-TV zum Anrufen und Wetterberichte. Auf Nachrichten verzichtet man sowieso, die lesen Zuschauer lieber im Teletext, findet Austria 9.

Finanziert wird dieses Abenteuer durch Werbung und die Anruf-Shows. Mit 51% an Austria 9 hat der Medienkonzern Burda das Sagen. Die Mitarbeiterzahl bewege sich im unteren zweistelligen Bereich. Motto des Senders:

Wer sich nach anspruchsvollem Entertainment mit Kultfaktor sehnt ist bei Austria 9 genau richtig.

Was nicht ist, kann ja noch werden – ein zusätzlicher Privatsender könnte den Wettbewerb im vom ORF beherrschten österreichischen Fernsehmarkt durchaus anheizen und vielleicht auch die eine oder andere Qualitätsperle hervorbringen. Dem ersten österreichweiten Privatsender ATV ist es bisher nur mäßig erfolgreich gelungen, Zuschauer vom ORF abzuziehen. So liegt ATV mit 2,2 Prozent Marktanteil (2006) bei Haushalten mit Kabel- und Satellitenempfang weit abgeschlagen hinter den beiden ORF-Programmen (ORF 1: 24.5 %, ORF 2: 18,5 %) und auch hinter den deutschen Privatsendern wie Sat.1 (6,8 %), RTL (6,2 %), Pro7 (4,8 %), VOX (3,7 %), Kabel eins und RTL II (je 2,7 %).

ATV hat seit dem österreichweiten Sendestart 2003 ein wenig Bewegung in den TV-Markt gebracht, dennoch verlor der ORF hauptsächlich Zuschauer an die deutschen Privatsender. Da vor allem die werberelevante junge Zielgruppe in Scharen zu Sat.1, RTL und Co. abwanderte, posaunte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im Frühjahr 2007 zur “größten Programmreform aller Zeiten” – die gründlich scheiterte.

Dass der neue Privatsender Austria 9 Quoten und Qualität bringt, davon kann derzeit nicht einmal in den kühnsten Träumen die Rede sein. Bei der derzeitigen Programmgestaltung wäre es ein Wunder, wenn sich Austria 9 überhaupt den Jahreswechsel übersteht. Auch beim Betrachten der Website braucht man ein Antidepressivum, denn Homepages waren schon vor der Jahrtausendwende besser als das, was Austria 9 jetzt seinen Besuchern zumutet.

Wenig begeistert klingen auch die Kommentare in Blogs und Foren. Ein User im Team Blog der Österreichischen Rundfunksender verzichtet gerne auf den neuen Sender:

Bei Gott! Bitte seid?s doch froh, wenn’s denn Dreck nicht empfangen könnt?s. 10 Std. Call-in und der Rest “Jag”… wer braucht so was?

Im Forum der Tageszeitung Der Standard findet man ebenfalls zahlreiche negative Meinungen wie folgende:

Juchuuu…endlich wieder Call-in-Shows…die brauch ma wie die Vogelgrippe. Drum vielen Dank für einen weiteren absolut unnötigen Kanal!

Dass immerhin darüber diskutiert wird, wie misslungen der Start von Austria 9 ist, lässt wenigstens auf eine Verbesserung hoffen. Jeder TV-Halbprofi kann über so einen Versuch freilich nur lachen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 27. Dezember 2007 um 19:11 Uhr (#)

    Test.

  2. henrique
    schrieb am 31. Dezember 2007 um 14:38 Uhr (#)

    mh, ja echt schade dass nichts besseres einfällt als solche komische quiz sendungen die kein menshc mehr braucht.

  3. kroboth gabriele
    schrieb am 18. April 2008 um 11:59 Uhr (#)

    Sehr geehrte Damen und Herren !
    Ich sehe gerne Ihren Sender, doch ist es sehr ärgerlich in keinem Programm nachzulesen was gespielt wird!
    Vielleicht könnte man daran Arbeiten !

    Hochachtungsvoll
    Gabriele Kroboth

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