Tech-Firmen, die 2008 das Web aufmischen könnten

Tech-Firmen, die 2008 das Web aufmischen könntenAuch im Jahr 2008 wird sich der Trend weg von Desktop-Software hin zu Web-Applikationen fortsetzen. Damit verlagern selbst klassische IT-Unternehmen, die Internetaktivitäten bisher nicht als Teil ihres Kerngeschäftes angesehen haben, den Schwerpunkt in Richtung des Webs – sowohl mit Eigenentwicklungen als auch durch Akquisitionen. Attraktive und noch unabhängige Web-2.0-Dienste wie Twitter, Digg oder Zoho gelten als heiße Übernahmekandidaten. Wer könnte im kommenden Jahr das globale Internetgeschäft ordentlich aufmischen?

Adobe
Adobe hat im abgelaufenen Jahr durch die Übernahme des Online-Textverarbeitungs-Anbieters Buzzword, den Start der Dokumententausch-Plattform Adobe Share, die Pläne für eine Online-Version von Photoshop sowie die technischen Entwicklungen Flex und AIR zur Erstellung von Rich Internet Applications deutlich gemacht, dass die Zeit, in der Adobe im Netz lediglich mit der Flash-Technik vertreten war, für immer Vergangenheit ist.

Amazon
Amazon ist schon lange kein reines E-Commerce-Unternehmen mehr. Der Onlineshopping-Riese betätigt sich mit Simple Storage Service (Amazon S3) erfolgreich als Infrastrukturdienstleister für zahlreiche Web(-2.0)-Dienste und befindet sich im Besitz des Webstatistik-Anbieters Alexa sowie der weltweit größten Filmdatenbank IMDb, welche Gerüchten zufolge auf Musik ausgeweitet und um Social-Network-Funktionen ergänzt werden soll. Das Thema Onlinemusik ist für Amazon kein neues: Im Sommer hatte man sich am Social Music Shop Amie Street beteiligt. Seit einigen Monaten betreibt Amazon in den USA zudem einen MP3-Downloaddienst.

eBay
eBays Millionengrab Skype ist zwar bisher ein Verlustbringer, bietet mit über 200 Millionen Nutzern aber eine gute Basis für zukünftige Webinnovationen. Im April 2007 übernahm eBay StumbleUpon, einen Web-2.0-Service zum Entdecken interessanter Websites. Nicht vergessen sollte man zudem eBays erfolgreichen Internetbezahldienst Paypal, der in letzter Zeit mit einer virtuellen Kreditkarte sowie einem Shopping-Widget vielversprechende Neuerungen angekündigt hat.

Facebook
Facebook wird auch 2008 weiter wachsen und mit lokalisierten Sprachversionen neue Märkte erschließen. Von dem Social Network ist weniger die Übernahme bestehender oder Gründung eigener Startups zu erwarten, sondern eher das starke Bestreben, sämtliche populären Internetangebote als Applikationen innerhalb der eigenen Plattform zu integrieren und damit eine Art Internet-Betriebssystem zu schaffen. Ganz ausschließen würde ich einige kleinere Übernahmen durch Facebook allerdings nicht.

IBM
Zu IBMs Kerngeschäft gehören Hardware, Software und Dienstleistungen im IT-Bereich. Als Allrounder im IT-Sektor wird IBM den Branchentrends folgen und sich dem Web Business nicht verschließen. Im Web 2.0 spielte man bisher keine Rolle, aber die Entwicklung einer semantischen Suchmaschine für E-Mails lässt vermuten, dass IBM im semantischen Web frühzeitig Fuß fassen und sich als ernstzunehmender Player positionieren möchte.

Mozilla
Die Chancen, dass Mozilla in Zukunft nicht mehr nur mit populärer OpenSource-Software wie Firefox oder Thunderbird assoziiert wird, stehen gut: Mit Weaves kündigte Mozilla vor einigen Tagen einen Webservice an, der Firefox-Usern das Speichern von persönlichen Daten wie Passwörtern, Benutzernamen und Bookmarks im Netz ermöglichen soll. Als Non-Profit-Organisation mit hohen ethischen Standards genießt Mozilla großes Vertrauen bei seinen Nutzern, was eine ideale Ausgangsposition für zukünftige Mozilla-Onlinedienste ist.

Nokia
“Nokia wolle nun auch das größte Internet-Unternehmen der Welt werden”, sagte Konzernchef Olli-Pekka Kallasvou kürzlich. Das klingt zwar im Moment noch etwas unrealistisch, aber dass man es ernst meint, zeigen Nokias Aktivitäten der letzten Monate: Die Finnen kauften die Video- und Musik-Community Twango, kündigten die Kommunikations- und Unterhaltungsplattform Ovi sowie einen neuartigen, mobilen Internetradio-Service an und investierten in den interaktiven Videodienst Kyte. Kallasvou stellte außerdem weitere Käufe von Internet-Firmen in Aussicht. Beim (mobilen) Microblogging-Anbieter Jaiku (wie Nokia ebenfalls aus Finnland) war Google schneller, aber wie wäre es mit Twitter, Herr Kallasvou?

Wikipedia/Wikimedia
Wikipedia ist das vielleicht erfolgreichste Web-2.0-Angebot überhaupt. Während Google mit dem Wissensportal Knol einen Konkurrenz zu Wikipedia schaffen möchte, plant Wikipedia-Gründer Jimmy Wales für Anfang des kommenden Jahres den Start einer Suchmaschine namens Wikia Search – hier erwartet uns für 2008 ein äußerst spannendes Duell, dessen Sieger im Moment noch völlig unklar ist.

Neben diesen acht 2008 potentiell sehr umtriebigen Kandidaten werden auch viele Medien- und Marketingfirmen versuchen, sich ihren Teil am Internet-Kuchen zu sichern. Und wer weiß, vielleicht schaffen etwas ergraute Dinosaurier wie Yahoo oder Microsoft noch einmal ein richtiges Comeback…

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Heiko
    schrieb am 25. Dezember 2007 um 21:21 Uhr (#)

    Mein persönlicher Tipp wäre der, das Google in 2008 noch einige Überraschungen für uns aus dem Hut zaubern wird.
    deren Fortschritt zeigt ein, zumindest empfinde ich das so, sehr exponetielles Wachstum.

    Und wieso steh ich nicht auf der Liste?
    Ich werde auch ein 100 Millionen Dollar StartUp das die Welt [s]nicht[/s] braucht auf den markt schmeißen. ;-)

  2. Martin Weigert
    schrieb am 25. Dezember 2007 um 23:30 Uhr (#)

    Google habe ich absichtlich ausgeklammert. Klar, dass von dort viel Neues kommen wird.

    Auf dein Startup freu ich mich sehr ;)

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