Millionen-Investment aus Europa:
Bei Kyte braut sich was zusammen
Interessantes Investoren-Stelldichein beim interaktiven Videodienst Kyte: Das vom Schweizer Daniel Graf gegründete Startup mit Sitz in San Francisco erhält 15 Millionen US-Dollar an Investmentkapital. Die Liste der Unternehmen, die Geld in Kyte pumpen, verdient einen genaueren Blick: Unter anderem sind Telefonica, Nokia, Swisscom und Holtzbrinck Ventures mit dabei. Die beiden Letztgenannten investierten neben diversen Business Angels bereits im Mai in das kalifornische Internetunternehmen. Bei Kyte können Nutzer eigene Videoshows produzieren und ausstrahlen, mit den Zuschauern chatten und die Videos in externe Seiten und Profile bei Social Networks einbinden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der mobilen Nutzung des Dienstes. Ein mobiler Client ermöglicht die Interaktion mit den Zuschauern vom Handy aus. Mit dem Mobiltelefon aufgenommene Bilder und Clips können per Mail an den eigenen Kyte-Channel geschickt werden.
Das Besondere an dieser Investmentrunde ist die Tatsache, dass der Löwenanteil der Finanzierung von großen europäischen Konzernen kommt, von denen bei drei ein Fokus auf Mobilfunk liegt. Telefonica mit Sitz in Madrid gehört zu Europas führenden Telekommunikationsunternehmen und ist seit 2006 Eigentümer des Mobilfunkers O2. Swisscom als führender Telko-Anbieter der Schweiz führt über seine Mobilfunktochter Swisscom seit Februar 2007 einen Produkttest durch, bei dem Kunden Kyte auf dem Handy nutzen können, ohne dass Gebühren für das anfallende Datenvolumen berechnet werden.
Nokia als weltgrößter Hersteller von Mobiltelefonen und Produzent diverser anderer Telko-Produkte nimmt verstärkt das Internet ins Visier und hat sich für die Zukunft hohe Ziele gesetzt: “Nokia wolle nun auch das größte Internet-Unternehmen der Welt werden”, sagte Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo kürzlich laut wuv. Neben dem geplanten Kommunikations- und Unterhaltungsportal Ovi und einem revolutionären Internetradio-Service für Handys erscheint das Investement in Kyte wie ein konsequenter Schritt, um weiter ins Onlinegeschäft vorzudringen, ohne dabei Nokias Kernkompetenz der mobilen Kommunikation aus den Augen zu verlieren.
Holtzbrinck Ventures ist die Venture-Capital-Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Das Unternehmen hält mehr als 30 Unternehmensbeteiligungen, darunter u.a. audible, Platinnetz und Virtual Nights. Fast noch entscheidender: Holtzbrinck Networks als andere Tochter des Stuttgarter Verlages besitzt mit studiVZ und schülerVZ das zusammen mitgliederstärkste Social Network in Deutschland. Selbst wenn nach meinen Informationen in naher Zukunft keine Möglichkeit einer Integration externer Services in studiVZ geplant ist, so würde sich Kyte als Applikation innerhalb des sozialen Netzwerkes sicher langfristig nicht schlecht machen.
Die Zusammensetzung der Investoren vermittelt den Eindruck strategischer Investements, bei dem es nicht um die schnelle und gewinnbringende Veräußerung der Anteile geht. Klar ist: Bei Kyte braut sich etwas zusammen. Von diesem Service werden wir 2008 vermutlich noch einiges hören.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
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2 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- Tech-Firmen, die 2008 das Web aufmischen könnten » Beitrag » zweinull.cc
(25. Dezember 2007 14:12)
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PatRiot
Würde mich mal interessieren, wieviel Prozent an die Investoren (VC) verkauft worden sind ach und Businessangels sind auch noch dabei. Der, der diese ganzen Kontakte “organisiert” hat hat nen Bombenjob gemacht. Das wird ne ziemlich unübersichtliche Geschichte, könnte ich mir vorstellen. Bin auch skeptisch, ob das gut in Dtl. läuft. Aber ich soll ja nicht immer alles so schwarz sehen hat Martin gesagt. Also viel Glück und fette Beute!
Martin Weigert
Hab ich das gesagt? Cool ;)