Facebook sucht zusätzliche Erlösquelle im E-Commerce

facebook_logo.gifImmer deutlicher wurde in den letzten Wochen, dass die Monetarisierung großer Social Networks mittels Werbung ein schwieriges Unterfangen ist. Auf der einen Seite steht die geringe Empfänglichkeit der Mitglieder sozialer Netzwerke für Werbebotschaften, die über klassische Formate wie Banner oder Textlinks distribuiert werden. Die Folge sind niedrigen Klickraten und die grundsätzliche Hinterfragung eines positiven Werbeeffektes. Auf der anderen Seite befinden sich die Nutzer, die neuartigen Anzeigenformen kritisch gegenüberstehen und mit Unterstützung von Blogs und Medien auf die Barrikaden gehen, wenn es ihnen zu bunt wird. Facebook und studiVZ können ein Lied davon singen. Alternativen müssen also her, die Social Networks neue Erlösquellen verschaffen, ohne ihre Mitglieder zu verprellen. Ein mögliche Lösung: E-Commerce. Facebook macht gerade einen großen Schritt in diese Richtung.

Laut Inside Facebook können sich Entwickler von Applikationen derzeit für die Beta-Phase eines internen Facebook-Bezahlsystems anmelden. Die Intention dahinter erscheint logisch: Zumindest ein kleiner Teil der Anbieter hinter den mittlerweile über 11.000 verfügbaren Applikationen wird Interesse haben, reale oder virtuelle Produkte/Gegenstände über Applikationen zu vertreiben. Derzeit funktioniert dies nur mit Hilfe externer Lösungen wie Paypal, weshalb eventuelle E-Commerce-Umsätze der Applikationen komplett an Facebook vorbeigehen. Gleichzeitig beinhalten der Weg über eine externe Zahlungsabwicklung zusätzliche Gebühren/Kosten sowie Aufwand für den App-Entwickler. Auch die Anreize für Facebook-Mitglieder, Güter innerhalb der Plattform zu erstehen, sind gering, weil diese nicht komfortabel mit wenigen Klicks in Facebook bestellt werden können.

Mit einem internen Bezahlsystem würden all diese Hürden wegfallen. Applikationen könnten einfach und ohne Dritte Premiumdienste anbieten sowie virtuelle Gegenstände oder tatsächliche Produkte verkaufen. Mitglieder, die durch das Einbinden einer Applikation bereits ein gewisses Vertrauen zu ihr offenbaren, haben die Möglichkeit, in Sekundenschnelle eine Transaktion innerhalb der Applikation vorzunehmen, ohne diese bzw. Facebook verlassen zu müssen. Facebook würde für jede Transaktion eine Provision vom Betreiber der Applikation erhalten. Größere Mitgliederproteste sind auszuschließen, da Profildaten unangetastet bleiben. Im besten Fall würde ein Facebook-Zahlungssystem auch das Investment etablierter Onlinehändler in eigene Facebook-Applikationen erhöhen.

Ob dies tatsächlich so funktioniert, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Welche Zahlungswege wird es geben, wieviel Provision fordert Facebook von den Entwicklern, welche Güter und Produkte werden angeboten, wie hoch sind die Kosten für diese etc. Das Potential eines eigenen Facebook-Bezahlsystems ist zumindest groß und die Idee, sich eine zusätzliche Erlösquelle in Form von E-Commerce zu erschließen, ohne selbst als Händler aufzutreten, für Facebook sicher verlockend.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. Gründernet
    schrieb am 19. Dezember 2007 um 20:00 Uhr (#)

    Hi Martin,

    aus meiner Sicht passen SN`s und erfolreiche Monetarisierung AUF der Plattform zwar grundsätzlich zusammen, aber SN`s Funktionen und “Shopping” (platt gesagt) passen einfach aktuell, und ich denke auch zukünftig, nicht zusammen. Wirtschaftlich erfolgreicher ist aus meiner Sicht auf Dauer folgender Weg: Auf den SN`s wird PR Arbeit gemacht und anhand der vorliegenden Userdaten/bewegungen der Bedarf ermittelt (mehr nicht). Diese Information wird wiederum verkauft, in Form von klassischem Daten(satz)handel.

    Also Bsp.: Brands4friends kauft die qualifizierten Daten von studivz und kontaktiert dann direkt und sehr speziell, in einem Umfeld, wo der User auch zum Shopping bereit ist. Dieser Datenhandel wird für die SN`s immer noch wirtschaftlich erfolgreicher sein, als die direkte Einbindung (weil eben keiner oder kaum einer auf studivz direkt shoppen will). Das ist wie in der realen Welt, Du gehst auch nicht in den Aldi zum kommunizieren, sondern weil Du Food und Nonfood kaufen willst, auch wenn die Grenzen in den letzten Jahren nicht mehr so klar erkennbar sind (Thema Erlebniseinkauf).

    Ja, ich weiss, hier ist dann noch die Schwelle des Datensatzhandels zu nehmen. Aber schau Dir mal beispielsweise an, was jetzt schon zum Holtzbrinck-Netzwerk gehört (um mal bei dem Bsp. studivz zu bleiben). Die Daten verlassen dann praktisch nicht mehr die Unternehmung, und werden nur innerhalb der Unternehmung von einem Portal zum nächsten geschoben. Somit dann auch weniger Probleme mit den AGB`s oder mit einer schlechten Presse/PR. Ich denke, dahin wird`s gehen, und der erfolgreichste Monetarisierungsansatz für SN`s wird auf Dauer der Datenhandel sein. Kann aber auch falsch liegen, wir werden sehen ;-)

    VG, René

  2. Martin Weigert
    schrieb am 19. Dezember 2007 um 21:11 Uhr (#)

    Hey René, was diese (interne) Weitergabe von Daten betrifft, bin selbst ich, der sich in den Kommmentaren zu einem anderen Posting vorwerfen lassen muss, auf der Seite der umsatzgierigen Unternehmen zu stehen, äußerst skeptisch. Wollen wir das wirklich? Soll es so weit kommen?

    Im klassischem Shopping (von Kleidern, Elektronik etc.) erkenne ich in Bezug auf SNs im Moment auch kein großes Potential, aber für einen Mix aus dem Verkauf von virtuellen Items/Geschenken, digitalen Gütern, Premiumdiensten und Merchandising durch Applikationen sehe ich gute Chancen.

    Vorstellen könnte ich mir z.B. auch den kostenpflichtigen Download von Musikdateien (z.B. über die iLike-App oder über eine Amazon/iTunes-App), von DVDs (z.B. über die Flixster-App), eBooks etc. Facebook bietet den Anbietern Reichweite, im Gegenzug können sie günstige Preise anbieten und zahlen Facebook eine kleine Provision. Win-Win-Win.

  3. Gründernet
    schrieb am 20. Dezember 2007 um 00:03 Uhr (#)

    … die Frage ist ja nicht, was WIR wollen, sondern was kommt, und das jeweilige SN wird/muss sich (im Sinne der unternehmerischen Gewinnmaximierung) für den Weg entscheiden, welcher die max. Monetarisierung ermöglicht. Es sei denn, wir zwei betreiben das SN ;-)

    Das Widgets und ähnliche Anwendungen für Produkte von amazon usw. ihren Weg machen, sehe ich auch so, das passt auch zu den SN`s. Aber ich denke eben nicht, dass dadurch groß der E-Commerce Umsatz direkt in dem SN steigen wird, sondern diese Anwendungen bereiten nur den Umsatz für die speziellen E-Commerce Plattformen auf. Ich glaube hier einfach an die Trennung von Community und Shopping, auch wenn es sicher einige Shoppingcommunity`s gibt, die das Gegenteil beweisen, die aber in der Summe des E-Commerce Umsatzes ein ganz kleines Licht sind.

    Nimm mal ein Produkt wie “Versicherungen”. Du wirst es im SN bewerben können, aber der (Online)Umsatz der gesamten Finanzdienstleistungsbranche wird dann auf speziellen Versicherungsportalen erfolgen (und vorher muss der Datensatz rübergehen, möglichst hochqualifiziert, was das SN mit seiner Datenbank ermöglicht). Sicher kannst Du diesen “Themenbereich” auch in das SN integrieren und genau dann platzieren, wenn der User den Bedarf hat. Aber dennoch wird der User sagen “schön dass ihr mich hier informiert, aber ich schliess doch nicht auf der studivz Kommunkationsplattform meine Versicherungen ab”. Zumindest die Masse der User, selbst wenn der Preis günstiger ist, denk ich.

    Aber wie gesagt, ich kann auch falsch liegen und facebook wird das E-Commerce Unternehmen schlecht hin? Oder mit jeder Produktsuche bei google und Klick auf adwords komm ich dann auch gleich ins Mega-Warenwirtschaftssystem von google, die nicht mehr wie jetzt zum Händler “vermitteln”, sondern selbst auf Provisionsbasis anbieten? Es gibt ja bei google auch schon Ansätze/Überlegungen, nicht mehr nach Klicks abzurechnen, sondern nach Conversion/Bestellungen (Transparenz durch analytics), wäre also nicht so abwägig.

    Gute Nacht ;-) René

  4. Martin Weigert
    schrieb am 20. Dezember 2007 um 09:13 Uhr (#)

    Nee klar, komplexe Produkte wie Versicherungen oder Finanzleistungen werden sicherlich vorerst nicht in Social Networks vertrieben werden können. Ich stimme im Prinzip mit deiner Ansicht völlig überein – weder Facebook noch andere Social Networks werden sich in naher Zukunft zu starken und erfolgreichen Playern im E-Commerce entwickeln. Aber wie im Artikel beschrieben, steckt zumindest in einigen der Facebook-Apps Potential zum Verkauf von Dingen (virtuell/real), und durch die anfallenden Provisionen könnte sich Facebook ein weiteres finanzielles Standbein neben dem Werbegeschäft aufbauen.

    Was die Weitergabe von Daten betrifft, haben doch die Beispiele Facebook Beacon und studivZ AGB gezeigt, dass die Nutzer hier mehr Macht haben, als den Social Networks lieb ist. Vorsicht ist meiner Meinung nach daher sehr angebracht, wenn es um das Thema Datenschutz und Privatsphäre geht, selbst wenn ich personalisierte Werbung & Co in Ordnung finde. Viele andere machen dies aber noch nicht, zumal auch die deutsche Gesetzeslage eine zu lockere Handhabung der Nutzer-/Kundendaten verbietet.

  5. stephan
    schrieb am 21. Dezember 2007 um 13:07 Uhr (#)

    Scheinar eine Neuerscheinung
    Buch “Verkaufsweg Social Commerce – Wie man mit Web 2.0 Marketing Geld verdient“ erschienen
    http://openpr.de/news/179…ient-erschienen.html

  6. Anja über Wirtschaft in Jena
    schrieb am 18. Januar 2008 um 21:06 Uhr (#)

    Interessanter Ansatz. So könnte theoretisch(!) ein Soziales Netztwerk Datensicher und ev. sogar Werbefrei bleiben und dennoch Einnahmen generieren.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 19. Januar 2008 um 13:18 Uhr (#)

    Exakt, das wäre vermutlich das anstrebbare Ideal. Unter diesem Gesichtpunkt ist nicht einmal eine Übernahme eines großen Social Networks durch einen E-Commerce-Anbieter ausgeschlossen.

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