Fernsehen im Internet:
Zur Kasse, Schätzchen

Informationen gibt’s kostenlos bei den Öffentlich-rechtlichen, für Unterhaltung muss bei den Privatsendern Geld gelassen werden.

Stromberg, KDD, Thadeusz, Wallraff
Stromberg, KDD, Thadeusz, Wallraff (Fotos: Sender)

Klickt man sich in der ZDF-Mediathek durch die vergangenen Tage, bietet sich immer ein ähnliches Bild: zehn bis 15 verpasste Sendungen können abgerufen werden, darunter mindestens vier Mal die Nachrichtensendung “heute”. Richtig Spaß macht das leider nicht, deswegen habe ich auch erst heute zufällig entdeckt, dass die Callcenter-Dokumentation “Bei Anruf: Abzocke” von Günter Wallraff (unser Fernsehtipp vom 11. Dezember: “Wallraff ruft an”) online in der Mediathek verfügbar ist. Nur direkt auf das Video verlinken klappt nicht, die interne Suchfunktion der Mediathek nach “Wallraff” muss also ran.

Derart euphorisiert habe ich bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz nach der Quandt-Dokumentation gesucht – das wäre dann aber wohl zuviel des Guten gewesen. Die Sendung fehlt im Netz, denn bei der ARD wird noch an der Mediathek gearbeitet. Vereinzelt gibt es schon Inhalte online, seit geraumer Zeit testet der NDR den Stream des Kinofilms “Gegen die Wand” und bei der ARD gibt’s ausgewählte Sendungen auf Abruf oder sogar, wie bei “Schmidt & Pocher”, einen Livestream.

Noch sind die Angebote über die Seiten der ARD-Sendeanstalten verstreut, doch bei der gezielten Suche finden sich Perlen. Zum Beispiel komplette Podcasts der Talksendung “Thadeusz” im RBB. Nur wo ist das Bild zum Ton? Vorerst gibt’s beim RBB eben was auf die Ohren.

Die ARD-Mediathek steckt noch im dreistufigen Genehmigungsverfahren, bis dahin verstecken sich verschiedene Formen und Formate auf den jeweiligen Seiten der ARD-Anstalten. Und SWR-Intendant Boudgoust gab kürzlich im Interview mit dem Tagesspiegel zu Protokoll, was ohnehin niemand ernsthaft gehofft hatte: Fiktionale Angebote wie “Tatort” oder “Verbotene Liebe” gibt es vorerst nicht online. Die Rechtesituation sei eben schwierig, man werde das aber zu einem späteren Zeitpunkt ausprobieren.

Zurück zur ZDF-Mediathek, auf der Suche nach der Anfang des Jahres ausgestrahlten Serie “KDD – Kriminaldauerdienst”. Ein Experiment für das Zweite, die Episoden der Krimiserie wurde jeweils schon einen Tag vorab ins Netz gestellt. Die zweite Staffel kommt im Frühjahr 2008, das DVD-Set mit der ersten Staffel steht in den Regalen – und in der Mediathek des ZDFs suche ich vergeblich nach den Folgen der so sehr gelobten Serie.

Und die Privaten? Vorbei die glückliche Zeit, da man Stromberg (den deutschen Klon der englischen Serie “The Office”) auf der ProSieben-Seite anschauen konnte, jetzt muss bezahlt werden. Für einen Euro gibt es 24 Stunden Zugriff auf eine Episode. Alternativ gibt es für fünf Euro im Monat vom Anbieter Maxdome, hinter dem die ProSiebenSat.1-Group steht, ein Comedy-Paket. Stromberg, Ladykracher, Bullyparade & Co. stehen so zur Verfügung.

Längst fließen die Werbegelder nicht mehr üppig genug und die privaten Sender suchen nach neuen Einnahmequellen. Während im herkömmlichen Fernsehen Anruf-Aktionen Geld bringen sollen, ist die klare Devise im Internet: Pay-TV. Auf RTLnow gibt es die Sendungen der RTL-Familie. Eigenproduktionen wie “Das Strafgericht” sind kostenlos, hochwertige TV-Ware kostet Geld. Eine Folge “CSI New York” soll zwei Euro kosten.

Derzeit gibt es im Internet also ein paar verstreute Doku- und Talk- und Nachrichtenformate der öffentlich-rechtlichen Sender, Bezahlangebote bei den Privaten und gut abgehangene Ware und sehr spezielles Nischenprogramme bei Web-TV-Anbietern wie Joost und Zattoo. Was in anderen Ländern in Sachen Fernsehen schon lange üblich ist, scheint sich in Deutschland im Internet zu vollziehen: Pay per view.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

27.9.2009, 0 KommentareBundestagswahl:
Mit Facebooklivefeed auf ard.de und heute.de

ARD und ZDF werden auf ihren Sites für die Zeit der Übertragung den Facebook-Newsfeed integrieren.

Lesetipp: Die Mediatheken-Misere

12.4.2009, 1 KommentareLesetipp:
Die Mediatheken-Misere

Es geht nicht nur um Urheberrechte – sondern auch um Quote: Zeit Online erklärt, warum in den Online-Mediatheken der öffentlichen-rechtlichen Sender so vieles fehlt.

\

27.2.2009, 4 Kommentare"Spielzeugland":
Oscar-Kurzfilm im Nachtprogramm

Für "Spielzeugland" hat der Berliner Regisseur Jochen Alexander Freydank einen Oscar bekommen – eine Woche später versenkt die ARD den Kurzfilm im Nachtprogramm.

Onlinevideo- und TV-Markt: Eine Branche verändert sich

4.1.2012, 0 KommentareOnlinevideo- und TV-Markt:
Eine Branche verändert sich

In den kommenden zwölf Monaten wird sich im Onlinevideo-Segment viel bewegen. Etablierte wie neue Internet- und Technologiefirmen werden versuchen, sich ein Stück vom neu zu verteilenden TV-Kuchen zu sichern. Ein Blick in die Glaskugel.

Couchfunk: iPad-App für alle,  die ungern alleine fernsehen

18.10.2011, 8 KommentareCouchfunk:
iPad-App für alle, die ungern alleine fernsehen

Couchfunk ist eine Social-TV-App für das iPad, die Zuschauerkommentare zu Programmen sammelt. Die Anwendung des Startups aus Sachsen macht einen guten ersten Eindruck.

waydoo: Der Check-In für Unterhaltungsmedien

7.3.2011, 4 Kommentarewaydoo:
Der Check-In für Unterhaltungsmedien

Bei waydoo veröffentlichen Nutzer, welche Medieninhalte sie gerade konsumieren. Der Service aus Kulmbach lehnt sich konzeptionell an US-Dienste an, sieht aber besser aus und berücksichtigt das Fernsehprogramm aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Filme wandern in die Cloud: UltraViolet und iCloud konkurrieren um Inhalte und Nutzer

16.3.2012, 2 KommentareFilme wandern in die Cloud:
UltraViolet und iCloud konkurrieren um Inhalte und Nutzer

Filmstudios und Internetunternehmen arbeiten an Lösungen, um das Kaufen von Filmen wieder attraktiv zu machen. Zumindest im US-Markt zeichnet sich ein Konkurrenzkampf zwischen der Brancheninitiative UltraViolet und Apples iCloud ab.

Hollywood: Wie Filme der digitalen  Realität hinterherhinken

17.5.2011, 12 KommentareHollywood:
Wie Filme der digitalen Realität hinterherhinken

Filmproduktionen setzen auf immer mehr technische Raffinessen, um Kinobesucher zu beeindrucken. In den Handlungen mancher Streifen jedoch ist die digitale Welt noch weitestgehend abwesend.

Gratis-Streaming von Filmen: Voddler will zum weltweit  größten Filmdienst werden

7.6.2010, 4 KommentareGratis-Streaming von Filmen:
Voddler will zum weltweit größten Filmdienst werden

Europa fehlt, was die USA mit Hulu hat: Ein qualitativer, werbefinanzierter Gratis-Service zum On-Demand-Streaming von Filmen und Serien. Voddler hat große Ambitionen.

29.4.2008, 19 KommentarePeer-to-Peer-TV:
Fernsehen im Schwarm

Soll ist ein großes Wort. Dem Internetfernsehen soll die Zukunft gehören. IPTV soll das alte Kabel ablösen. Internetfernsehen soll Umsatz bringen. medienlese.com nimmt die Angebote unter die Lupe und verrät, wie man die deutsche Bundesliga kostenlos sehen kann.

6.4.2008, 8 KommentareDas Joost-Drama

Warum das viel gepriesene Programm Zattoo nur Fernsehen von gestern ist und Joost allen Unkenrufen zum Trotz eine glorreiche Zukunft bevorsteht.

14.3.2008, 11 KommentareSkype + Video = Killerapplikation?

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Tückische Fotolizenzen: Haltbar bis 26. August 2010

12.9.2008, 5 KommentareTückische Fotolizenzen:
Haltbar bis 26. August 2010

Vermeintlich kostenlose Pressefotos können teuer werden: Immer öfter ist die Nutzung nur auf eine bestimmte Zeit erlaubt. Für Online-Medien ein Problem.

25.8.2008, 26 KommentareMainstreaming media:
Wozu Herausgeber?

Chefredakteure und Herausgeber waren einst die Wächter über die Qualität des Printprodukts. Online übernehmen diesen Job aber die Leser - wozu also brauchts den "Editor" noch?

1.8.2008, 0 KommentareZusammenarbeit:
Flickr-Bilder bei Getty

Linkwertig: Xing, Zattoo, Yahoo, Tumblr

5.4.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Xing, Zattoo, Yahoo, Tumblr

Xing entdeckt das post-symmetrische Verfolgen, Zattoo entdeckt HD und mehr.

Linkwertig: Acta, Post-Privacy, iCloud, Zamzar

16.2.2012, 0 KommentareLinkwertig:
Acta, Post-Privacy, iCloud, Zamzar

Golem skizziert das Bild der Verwirrung, in dem sich europäische Politker nach den Protesten wiederfinden und mehr.

Neuer US-TV-Dienst Aereo: Das Gras auf der anderen Seite  ist nicht immer grüner

15.2.2012, 0 KommentareNeuer US-TV-Dienst Aereo:
Das Gras auf der anderen Seite ist nicht immer grüner

In den USA startet mit Aereo ein Dienst, der Sender aus dem Fernsehnetz auf Rechner und mobile Geräte streamt. Doch das durch gesetzliche Regelungen erzwungene Verfahren erscheint aus Sicht von Europäern antiquiert.

3 Kommentare

  1. Götz
    schrieb am 22. Januar 2008 um 17:22 Uhr (#)

    Schamlose Eigenwerbung: Die meisten Beiträge der ARD/rbb Sendung Polylux können unter polylog.tv angesehen und als Podcasts heruntergeladen werden.

  2. Fabian
    schrieb am 23. Januar 2008 um 20:05 Uhr (#)

    @Götz
    Die Videos bei euch sind aber alle nur im Briefmarkenformat vorhanden und somit leider nicht wirklich zu gebrauchen. Ein Vollbildmodus fehlt auch noch.

  3. Renago
    schrieb am 11. April 2008 um 17:00 Uhr (#)

    Als TV- und Hörspielautorin verstehe ich es voll, dass man für Inhalte auch im Internet etwas bezahlen muss. Die Kreativen die hinter diesen Formaten stehen machen das nicht als Hobby, sondern leben davon.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.