Wird Facebook (irgendwann) Konkurrenz für Google Mail?

Facebook MailFast könnte man meinen, Facebook möchte sich nach der misslungenen Einführung des Werbesystems Beacon bei seinen Mitgliedern mit einem neuen Feature entschuldigen. Nur einen Tag nach dem Eingeständnis von Facebook-CEO Mark Zuckerberg, bei Beacon viele Fehler gemacht zu haben, hat das Social Network eine überraschende Änderung am Benachrichtungsystems vorgenommen. Während bei eingehenden Mitteilungen oder Wall-Postings von Facebook-Freunden bisher lediglich eine Benachrichtigungsmail von Facebook an die E-Mail-Adresse des Nutzers gesendet wurde, enthalten solche Mails seit gestern auch die eigentliche Nachricht. Damit ist es nicht mehr notwendig, Facebook aufzurufen, um Mitteilungen von Freunden zu lesen.

Facebook Mail

Aus Sicht einer Community ist dieser Schritt höchst bedeutsam. Immerhin gibt man damit sämtliche Seitenaufrufe verloren, die von Usern generiert werden, welche sich bei einem sozialen Netzwerk anmelden, um Nachrichten abzurufen. Mir ist kein anderes Social Network bekannt, das Mitteilungen aus dem internen Nachrichtensystem an die private E-Mail-Adresse der Nutzer schickt. Ich rechne auch nicht damit, dass sich dies groß ändern wird. Facebook kann sich sicher sein, dass die User auch weiterhin die Seite besuchen – schließlich gibt es dort viele andere Dinge, für die sich das Einloggen lohnt. Die meisten Networks, deren Funktionsvielfalt weit geringer ist als die von Facebook, werden kein so großes Selbstbewusstsein besitzen.

Die Neuerung lässt Raum für Gedankenspiele: Wieviel Potential und welche Möglichkeiten stecken eigentlich im Nachrichtensystem eines Social Networks? Bisher beschränken sich alle mir bekannten Anbieter auf extrem simple und abgespeckte Lösungen, bei denen im Prinzip lediglich das Versenden und Empfangen von Nachrichten (ohne Anhänge) möglich ist. Dabei läge es gerade im Falle von Facebook – für viele Millionen Menschen ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in der täglichen Kommunikation – sehr nahe, die Mailfunktionalität auszubauen.

Es ist kein Geheimnis, dass Google seinen populären E-Mail-Dienst Google Mail nach und nach mit Social-Networking-Tools und anderen hauseigenen Diensten aufrüstet und verbindet. Bevor dies zu einer Gefahr für Facebook wird, könnte man in Palo Alto ganz einfach dafür sorgen, dass Facebook-Nutzer gar keinen Bedarf mehr an Google Mail oder anderen E-Mail-Anbietern haben. Bereits im August hatte man einen ersten Schritt in diese Richtung gemacht, als man das Versenden von Mails aus Facebook an herkömmliche E-Mail-Adressen ermöglichte.

Natürlich ist der Weg dahin noch lang. Facebook-Nutzer müssten eine eigene E-Mail-Adresse erhalten, die auch über POP3 und IMAP abrufbar wäre. Aus dem Bereich “Inbox/Messaging” würde eine durchdachte, clevere und featurereiche Mailoberfläche werden, die in Komfort und Handhabung den etablierten Services in Nichts nachsteht. Ob es jemals so kommt, ist unklar. Ob es aus Facebook-Sicht klug oder dumm wäre, sollen Mark Zuckerberg & Co entscheiden. Ob es aus Usersicht nützlich und praktisch wäre? Definitiv!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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8 Kommentare

  1. Sebastian
    schrieb am 7. Dezember 2007 um 19:29 Uhr (#)

    “eigene E-Mail-Adresse erhalten, die auch über POP3 und IMAP abrufbar wäre”? Warum das? Nur weil wir technisch veranlagten Nutzer unsere Mails darüber abholen?

    Ich kenne einige die E-Mail nur über die Internetseite ihres E-Mail-Anbieters kennen und Outlook/Thunderbird nur aus Erzählungen wissen.

  2. Gründernet
    schrieb am 7. Dezember 2007 um 19:46 Uhr (#)

    Hi Martin,

    das kommt auf jeden Fall, weil die SN`s den User ja möglichst rund um die Uhr binden wollen/müssen, und aktuell muss der User für die volle E-Mail Funktionalität das “System” verlassen. Daran arbeiten ja auch schon einige SN Projekte im Verborgenen, es ist nur technisch eben keine 0815 SN-Funktionalität, so eine volle E-Mail Funktionalität zu integrieren.

    Der User wird es super finden. Bsp.: Ich muss dann nicht mehr zwischen meinem Thunderbird und meinem xing Account rumspringen, sondern rufe gleich alle E-Mails (nicht nur die IN`s) bei xing ab. Somit hätte xing dann auch mal einen echten Mehrwert zu bieten, neben der reinen Vernetzerei ;-)

    Facebook führt die User jetzt erstmal an diesen Mehrwert ran (sicher nicht ohne Grund ausserhalb der Plattform) und wird das dann in diese Richtung ausbauen und gleichzeitig baut google, wie Du schon schreibst, seine E-Mail Funktion in Richtung SN aus. Also haben wir in max. 12 Monaten mindestens 2 große SN`s mit voller E-Mail Funktionalität, und andere werden/müssen nachziehen.

    VG, René

  3. Heiko
    schrieb am 7. Dezember 2007 um 20:12 Uhr (#)

    Eigenes IMAP, POP3 etc. wären ja der vollkommen falsche Weg für das SN.
    Wenn ich meine Nachrichten die ich in einem SN erhalte, direkt über mein Outlook & Co. lesen UND beantworten kann, dann gibt es keinen Grund mehr mich in das SN einzuloggen.
    Und Facebook macht es ja vor:
    Auch dort steht am Ende der Mail grob übersetzt “Logg dich hier ein, wenn du antworten willst!”.
    Das SN will die Nutzer an sich binden und ich denke bereits in der eMail den vollständigen Text zu erhalten, zum Antworten aber in das SN gehen zu müssen, ist sicherlich nicht unklug aus Sicht des SN.
    Diese erhaltene eMail mit dem persönlichen Inhalt darin, wirkt viel “einladender” als eine Mail nach dem Motto “Du hast neue Post. Zum Lesen logg dich ein!”, denn letzteres bekomme ich in JEDER 0-8-15 Community geboten und wird nur noch beiläufig wahr genommen.
    Ich finde ja schon die Mails von studiVZ sehr gut, wo es dann heisst “Max Mustermann hat dir geschrieben!”.
    Allein dadurch das ich weiss, das es sich um eine reale Person handelt, die mir geschrieben hat, logge ich mich eher ein, als wenn ich im Hinterkopf vielleicht denke “Naja, könnte auch bloss wieder eine Statusmeldung oder Werbung von denen sein”.
    Und Facebook hat das System nun einfach konsequent weiter verfeinert.

  4. Gründernet
    schrieb am 7. Dezember 2007 um 20:23 Uhr (#)

    @ Heiko: Du schreibst ja selbst “… gibt es keinen Grund mehr sich in einem SN einzuloggen”, also heißt das ja auch, dass die E-Mail Funktion für Dich noch wichtiger wäre, als die sonstigen SN-Funktionalitäten, und somit heißt das dann auch, dass diesen Bedarf ein SN zukünftig bedienen MUSS. Damit fängt einer an und andere ziehen nach… VG, René

  5. beredt
    schrieb am 7. Dezember 2007 um 21:54 Uhr (#)

    Ich kann mir eher die umgekehrte Entwicklung vorstellen – mehr und mehr Leute schreiben kaum noch E-Mails und benutzen nur noch die Nachrichten-Funktion “ihres” sozialen Netzwerks, sicher auch wegen des Spamproblems. Siehe auch hier: http://slashdot.org/artic…sid=07/11/17/2125206

  6. Gründernet
    schrieb am 8. Dezember 2007 um 10:58 Uhr (#)

    @ Beredt: das wäre grundsätzlich auch denkbar, aber dann wäre ja das was aktuell die interne SN Nachrichten Funkton ist, praktisch eine vollwertige Email Funktion (zumindest für Dich). Ich könnte mir dabei aber schwer vorstellen, dass jemand seine web.de, gmail.com usw. Konten aufgibt. Und eine Integration dieser Konten in SN`s wird auch schwierig bzw. holst Du Dir dann genau diese technischen Probleme (Spam usw.) der E-Mail Anbieter in Dein SN. Also eher unwahrscheilich. Wobei xing nicht ohne Grund jetzt schon mit web.de kooperiert… VG, René

  7. Martin Weigert
    schrieb am 8. Dezember 2007 um 13:51 Uhr (#)

    @ beredet

    Wie René schon beschreibt, würde das ja dann bei diesen Leuten E-Mail ersetzen. Nur möchte niemand dauerhaft auf die Funktionalität von herkömmlichen E-Mail-Diensten verzichten (Anhänge, Ordner, Durchsuchen etc.). Somit wäre es nur ein zusätzlicher Grund für das jeweilige Social Network, die Messaging-Funktion auszubauen.

    Am Ende ist es dann lediglich Definitionssache, ob man es E-Mail nennt oder anders. Auch wird es egal sein, welches Protokoll zur Übermittlung einer Nachricht verwendet wird – hauptsache, sie kommt beim Empfänger an und die Nachrichtenverwaltung ist komfortabel. Momentan kann man das, was Social Networks (inkl Facebook) an Messaging-Funktionalität bieten, noch nicht wirklich als komfortabel bezeichnen.

    @ Sebastian

    Die kenne ich auch ;) IMAP und POP3 habe ich nur genannt, um zu verdeutlichen, was unter anderem geboten werden müsste, um tatsächlich eine Art Konkurrenz zu anderen Mail-Diensten zu werden.

    @ Heiko
    Ich persönlich glaube, dass ein richtig gutes Social Network mit vielerlei Mehrwert für den User nicht das Bedürfnis haben wird, für jede Aktion des Nutzers unbedingt Pageviews zu generieren. Stattdessen kann es langfristig zu hoher Loyalität und Bindung an den Dienst führen, wenn ein SN Features anbietet, die auch ohne den Besuch der Seite ausgeführt werden können (z.B. Mail via IMAP oder POP3).

    Google Mail beispielsweise bietet auch POP3 und seit kurzem IMAP, obwohl User dann im Extremfall außer bei der Registrierung nie wird Google Mail im Browser ansurfen. Im Gegensatz dazu gibt es bei Facebook ja tausende andere Dinge, für die es sich lohnt, trotzdem im Browser vorbeizuschauen.

  8. Denis
    schrieb am 12. Dezember 2007 um 23:42 Uhr (#)

    “Mir ist kein anderes Social Network bekannt, das Mitteilungen aus dem internen Nachrichtensystem an die private E-Mail-Adresse der Nutzer schickt.”

    Dochdoch, aooa.de macht das zum Beispiel. :-) Klein ist die Seite nicht, aber an Facebook kommt sie noch nicht ran. :)

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