Erster Eindruck:
Wir haben Liebling
Schnell mal Liebling durchblättern ist gar nicht so einfach: Das Ding ist wirklich groß, und viele Seiten hat es auch. Wir blättern uns mit Kultur-Schreiberin Ilka durch die erste Ausgabe – und bloggen mit.

Liebling-Cover: Es ist sehr großartig
Hamburg, draußen dunkel, die Zigaretten glühen: Vor uns liegt Liebling. Endlich. Andernorts gibt’s Einordnungen, wir Beschreiben kleinteilig:
Werbung, Werbung, Werbung. Dann: Das blumige Editorial und das Inhaltsverzeichnis. Diese Zeitung hat irgendwie keine Rubriken – nur Texte. Und die heißen ?Fraktur? und ?Lotus-Elite?. Ungewöhnlich, aber gut. Sonst gibt?s immer dämliche Rubriken, die keinen Sinn ergeben.
Werbung mit von der Leyen für die FAZ. Verstehe ich nicht, der Witz ist mir entgangen. Rummrammlen jaja, aber lustig finde ich das nicht.
Werbung, Werbung, Werbung und endlich mal ein Text, aber der sieht genau so aus wie Werbung, weil das Foto auch so groß ist. Rechts sind dauernd riesige Werbungen.
Ein Text über die typische Nazischrift – möchte ich leider gerade überhaupt nicht lesen.
Seite 29: Die erste Doppelseite ohne Werbung.
Die Lieblings-Menschen. Da sind halt so Leute, die halt irgendwo so wohnen. St. Pauli und Schleebusch. Aber wozu? Marlene aus Eimsbüttel, Männertraum mit Nagel-Qualitäten. Irgendwie komisch.
Eine Modekollektion. Jil Sander.
Amerikanische Porno-Magazine.
Anonyme Alkoholiker-Treffen sollen in New York die besten Orte sein, um den Mann fürs Leben kennen zu lernen. Die Autorin besucht eine Sitzung in Brooklyn: Das will ich lesen. Auch wenn der Anfang etwas hm ist: ?Es war der netteste Tag meines bisherigen Lebens.?
Jetzt so Süddeutsche-Magazin-mäßig: Parfüm, Handtaschen, Sonnenbrillen, Bücherregale, Schuhe. Alles ?Haben wollen?. Mit ?wo man das kaufen kann?.
24 Sekunden im Leben von Leander Haussmann in Fotos. Er rasiert sich, es passiert eigentlich nichts. 24 Sekunden sind nicht so lang.
?Tanz den Milky-Way?, lustige Stop-Motion-Bilder eines verrückten Tanzes.
Oh, und hier jetzt Seifenwerbung? Romanstückchen vom Stilredakteur der SZ. Dann Seifenstücke. Groß. Ein Stück auf einer Seite. Es ist angegnabbelt. Anscheinend kann man lange Geschichte über Seife schreiben. Diese hier hatte meine Oma. Namhafte Leute schreiben hier.
Die drei wichtigsten DJs. Sofort Kontroverse im Raum: Westbam ist dabei? Der? Sie unterhalten sich und besitzen Hunde, also Westbam. Zwei Stück.
?Re-Mission?: Was passiert mit den vielen Zeitschriften, die am Kiosk liegen und nicht verkauft werden? Liebling hat Künstler gebeten, daraus mal was zu machen.
Thalheimers Theater, viele großartige Fotos von Darstellern, sehr gut gedruckt. Viel Platz für Geschichten nehmen die sich.
Das Bild der Bilder: Regisseur Wayne Wang sucht ein Bild pro Film aus, ein Bild, das alles hat.
Jarvis Cocker, phantastische Bilder und Briefe an ihn.
Jetzt eine Modestrecke, die auch als Werbung durchgehen könnte. Fotos von Boss-Jacken. Ist das jetzt Werbung? Nein. Modestrecke. Jil Sander. Schon wieder?
Immer noch nicht durch.
?Endlich: Al Gore? – das ist hübsch. Sehr hübsche Illustrationen, mit Wald. Hinten muss natürlich noch mal Werbung kommen. Kontakte und Marketing-Abteilung funktionieren.
Wenn ich Zeit hab, lese ich bestimmt die eine oder andere Geschichte. Aber diese Zeitung fällt gerade auseinander, das franst ganz schön aus. Mutet ganz schön gut an. Wie eine Straßenkarte, die man nicht mehr wieder zusammengefaltet bekommt, überall hängt etwas heraus. Man sollte die auf jeden Fall am Tisch lesen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















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Michèle Roten?
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