WEB.DE übernimmt Community ShortView – aber vergisst Unddu.de?
Matthias Greve, Vorstand der WEB.DE GmbH, bleiben nur noch wenige Monate Zeit, um die beim Start des hauseigenen Social Networks Unddu.de im Mai 2007 angekündigten eine Million Mitglieder innerhalb eines Jahres zu erreichen. Rund um die Community, in die laut Greve schon vor dem Start ein zweistelliger Millionenbetrag investiert wurde, herrscht trotz deutlicher Verlinkungen auf WEB.DE eine fast gespenstische Stille. Angaben zu Mitgliederzahlen sind nicht bekannt, dürften aber nicht über einen vierstelligen oder niedrigen fünfstelligen Betrag hinausgehen. In den Profilen der auf der Startseite präsentierten “neuen Mitglieder” stehen Beitrittsdaten rund um Ende Juli / Anfang August. Im Forum dagegen proben die wenigen aktiven User gerade lautstark einen Aufstand gegen unvermittelte Änderungen an den Profilenseiten.
Obwohl es so aussieht, als würde sich Unddu.de zu einem Debakel für das im Besitz von 1&1 befindliche Unternehmen entwickeln (was bei über zehn Millionen einzelnen Besuchern monatlich auf WEB.DE schon ein kleines Kunststück ist), hat die WEB.DE GmbH im November die kleine Community ShortView von dessen Gründer Sven Günzel für eine unbekannte Summe übernommen und will sie jetzt groß rausbringen (u.a. mit über trigami vermittelten, bezahlten Blogpostings). Laut seines Xing-Profils ist Günzel seit 2002 Leiter der Softwareentwicklung von WEB.DE Freemail. Dem Anschein nach hat er ShortView in seiner Freizeit programmiert und gestartet und dann an seinen Arbeitgeber verkauft (oder anderweitig überlassen).
ShortView sieht optisch nett aus und wirkt bereits jetzt lebhafter als Unddu.de (laut Alexa liegen beide Seiten in etwa gleichauf). Unabhängig davon, ob es der WEB.DE GmbH gelingt, mit ShortView den Community-Erfolg zu erreichen, der bei Unddu.de ausgeblieben ist, darf man sich Fragen über die Motivation des Karlsruher Unternehmens stellen. Wieso würde man einen zweistelligen Millionenbetrag und ein Jahr Arbeit (Zitat Greve) in ein soziales Netzwerk stecken, welches sieben Monate lang im Prinzip brach liegt? Und wieso entschließt man sich dann, eine andere, selbst noch junge und unbekannte Community zu übernehmen und das Spielchen von vorne zu beginnen?
Eine Mutmaßung wäre, dass man in Karlsruhe angesichts der Erfolge von studiVZ, MySpace und anderen Social-Networking-Größen in Deutschland der Meinung ist, dass Unddu.de mit der Positionierung als Netzwerk für Freunde im deutschen Markt nichts mehr erreichen kann. Möglicherweise hält man eine Umpositionierung von Unddu.de zu einer Community rund um Interessen für schwierig und hat daher lieber ein paar Tausender auf den Tisch gelegt, um mit ShortView einen Neustart zu wagen. Doch was heißt das für Unddu.de? Hat dessen letztes Stündchen vielleicht bald geschlagen?
Update 05.12. 19:00 Uhr: Gerade erreichte mich als WEB.DE-FreeMail-Nutzer (und somit vermutlich Millionen Andere auch) folgender Newsletter:
Liebe FreeMail-Nutzer,
neue und alte Freunde finden, spannende Videos, Blogs, Fotos und eine eigene Homepage in 2 Minuten: Das alles gibts bei UNDDU.DE - der Plattform für alle, die sich was zu sagen haben…
An anderer Stelle im Newsletter wird dann ganz ausführlich auf UNDDU.DE eingegangen. Völlig aufgegeben hat man die Seite also anscheinend noch nicht. Schau’n mer mal, ob sich da doch noch etwas tut.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
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4 Kommentare zu diesem Artikel
3 Trackbacks
- Web.de will das Social Network Shortview gro? rausbringen :: deutsche-startups.de
(5. Dezember 2007 18:54) - blognation Germany » Blog Archive » T-Online Shuts Down T-Community And WIR Groups
(6. Dezember 2007 18:52) - 4. Advent: MyAlikes.com - Was macht MyAlikes.com? | MyAlikes Blog
(23. Dezember 2007 22:16)
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Martin Schneider
Ich teile deine Meinung das dieses Projekt schwer nach einer “Totgeburt” aussieht. Ich wollte mich testweise mal anmelden, habe aber an dem Punkt abgebrochen als man meine Adresse haben wollte. In den Datenschutzrichtlinien räumt man sich auch einiges ein:
- “1.4 Der Anbieter darf die Anschrift und E-Mail-Adresse der Nutzer für die Versendung von Mitteilungen zur Beratung der Nutzer, zur Werbung für eigene Angebote und zur Marktforschung verwenden.”
- “1.8 Adress- und Negativdaten werden an andere Konzernunternehmen und eine zentrale Datei übermittelt, die von der United Internet AG zum Zwecke des Schutzes aller Konzernunternehmen geführt wird. Anderen Konzernunternehmen werden diese Daten bei berechtigtem Interesse zweckgebunden zur Verfügung gestellt.”
Klar hat jedes SocialNetwork sowas; davon lebt der Laden ja. Aber einen Freibrief zum totalen Werbebombardement meiner Adresse/Email für alle Bereiche einer Unternehmensgruppe finde ich übertrieben.
Wenn man sich die Userseiten anschaut, z.B. http://chris.unddu.de/ kann der zweistellige Millionenbetrag wohl kaum ins Design geflossen sein. (und z.B. im Forum hellblaue Schrift auf weißem Hintergrund :/ ).
Andreas
Kenne die Plattform auch schon einige Wochen. Ich denke man muss schon was besonderes bieten, damit sich die Plattform von den bestehenden unterscheidet. Das sehe ich bei unddu in Ansätzen mit dem Hompagebaukasten. Andererseits scheint man sich plötzlich mit der heißdiskutierten Profilseite in eine andere Richtung zu bewegen. Die Neuerungen der letzten Wochen zielen alle in eine ganz andere Richtung.
Es scheint weniger um den Homepagebaukasten sondern mehr um das “Freunde kennenlernen” zu gehen. Wobei das ja wohl er ein Sport um die meisten “Freunde” ist als wirkliche Freundschaften aufzubauen. Irgendwie sehe ich nicht den echten Sinn der “Freunde”, außer dass ich mich so von einer Seite zur nächsten durchklicken kann, wobei die meisten eher uninteressant sind.
Zum Thema Design muss ich Martin leider auch zustimmen. Sieht alles nicht wirklich hochwertig aus.
Klaudia
Ich denke, der Grund ist eindeutig die “Positionierung”:
Was hat den schon “Unddu.de” was nicht zahlreiche andere auch haben. Ich glaube, mit einer Myspace-Kopie kann man (Hompagebaukasten hin oder her) nicht mehr viel reißen.
“Shortview” dagegen scheint mir einen gänzlich anderen Ansatz zu haben:
“Interessen” stehen im Mittelpunkt, alles andere ist dem nachgeordnet. Finde ich grundsätzlich sehr gut! Dating-Plattformen gibt es schließlich genug. Mich wundert, warum kein Anderer bisher auf die Idee gekommen ist.
Denn so etwas hätte sogar international keine schlechten Karten. Mir ist jedenfalls keine Plattform bekannt, die einen solchen Ansatz fährt.
Aber auch Kritik ist - wie ich finde - angebracht: Die Seite ist einfach total überladen…
Yorick
Unddu genießt wie alle anderen sozialen Plattformen gerade die Unwissenheit der Neugierigen. Deswgen wird es zu dauerhafen Communities kommen, die von den Unternehmen geformt werden: Als Testreihe einer Marketing-orientierten Interessensgemeinschaft.