Ringier stellt crossmediales bossi auf Ende Jahr wieder ein

Das nur ein halbes Jahr alte Kochmagazin bossi von Ringier wird bereits wieder eingestellt. Es erschien sechsmal jährlich und hatte einen millionenteuren crossmedialen Ansatz.

bossi 2
Screenshot bossi.ch

Mit den Webaktivitäten des Ringier-Verlags ist es so eine Sache. Sie sind alle schweineteuer (in der Erstellung), nicht immer einfach zu bedienen – und in der Regel nicht besonders erfolgreich. Von Blick Online mal abgesehen – aber diese Website zehrt von der seit den Fünfziger Jahren aufgebauten Marke Blick, die wiederum seit Jahren verwässert wird.

Noch ist es nicht offiziell, aber wie medienlese.com erfuhr, wird nun also bossi.ch eingestellt, eine Website, die erst im April 2007 lanciert wurde, also vor etwas mehr als einem halben Jahr. Bossi.ch verschickte kostenpflichtige E-Newsletter, offerierte Einladungs-Manager (eine Kopie des US-Angebots evite.com), Restaurantsbewertungen und verkaufte Gemüsehobel. (Gemüseschäler gibts aber weiterhin). Als Grund wird angegeben, dass man zwar eine stattliche Zahl an Abonnenten gewinnen konnte, jedoch insgesamt die Marktakzeptanz für den crossmedialen Ansatz noch zu gering sei, um die gesetzten betriebs­wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.

Was sehr schön aussah, aber offenbar kaum jemand kannte (Net-Metrix-Zahlen für die Website sind leider nicht erhältlich, nur die nicht-WEMF-geprüfte Auflage von Bossi: 150.000) – hat eine Stange Geld gekostet. Eine ganze Million Schweizerfranken (ca. 600.000 Euro) soll dafür aufgewendet worden sein. Und nun ist also Schluss, auf Ende 2007 (bis Ende Dezember werden weiterhin Newsletter verschickt). Für die Mitarbeiter werden verlagsinterne Lösungen gesucht. Abruptes Ende eines teuren Abenteuers.

Auf den anderen Schauplätzen an der Ringier-Online-Front sieht es nicht viel besser aus. Youme.net, eine weitgehend unbenutzbare Adaption von YouTube und MySpace für den Schweizer Markt, konnte auch nach dem komplett unbeachteten Relaunch bisher kaum verlagsfremde Nutzer für sich gewinnen. Cash Daily, der andere grosse crossmediale Versuch von Ringier, versucht, seine Besucher in einem sehr Web-1.0-igen “LivePaper” einzusperren und wird darum kaum wahrgenommen. Einzig heute, die “Schülerzeitung für die Unterstufe“, wie sie kürzlich hier in den Kommentaren genannt wurde, hat eine Website (und auch eine Zeitung), die inhaltlich wie grafisch die Internetgeneration anspricht und sich um Bedienungsfreundlichkeit zumindest bemüht, auch wenn ihr das CMS dabei manchmal im Weg zu stehen scheint.

Die gesamte Online-Strategie von Ringier ist ein Trauerspiel, an der offenbar viele mitverdienen – nur nicht Ringier. Aber schlimm ist das nicht, denn das Geld wird erstens gar nicht mehr in der Schweiz und zweitens nicht online verdient.

Und Kritik daran ist auch egal, denn die findet niemand. Sollten Sie diesen Text soeben gelesen haben, dürfte es sich ohnehin um einen Irrtum handeln:

Im Internet wird zwar wahrscheinlich mehr kritisiert als in allen Zeitungen zusammen, aber kein Schwein interessiert das. Da gibt es Blogs und persönliche Homepages und weiss der Teufel was. Das findet aber niemand.

(Verleger Michael Ringier im Interview mit der taz)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. tschüsimüsi
    schrieb am 21. November 2007 um 22:27 Uhr (#)

    Anscheinend entscheiden bei Ringier einfach die falschen Leute. Oft ist es ja so, dass wenn es eine Stufe nach oben geht, die Leute immer weniger Ahnung von der ganzen Materie haben. Und so wird’s wohl auch bei Ringier sein.

    Vergessen hast du übrigens zu erwähnen, dass bei Youme.net ebenfalls ein sechsstelliger Betrag von Ringier verlocht wurde (was deine ganze These eigentlich nur noch schlimmer macht).

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