Der langsame Tod der Fachzeitschrifen
Was macht man, wenn man die Zeitschrift “AdWeek” herausgibt, aber es sich wirtschaftlich nicht mehr erlauben kann, diese Publikation auch tatsächlich wöchentlich erscheinen zu lassen? Man denkt sich halt irgendwelche Ausreden aus und hebt hervor, wie massiv man doch in die Online-Ausgabe investiert. Ist doch toll, oder?
AdWeek ist eine der etabliertesten Marketing-Fachzeitschriften in den USA, vergleichbar mit W&V in Deutschland oder der Werbewoche in der Schweiz. Nielsen Business Media, Herausgeber von AdWeek, hat gerade angekündigt, dass das Print-Magazin nur noch 36mal im Jahr erscheinen wird, also zu einer 1.44-wöchentlichen Publikation wird. Dafür wird die Online-Ausgabe angeblich ausgebaut.
Da fragt man sich doch, warum AdWeek die Print-Edition nicht gleich komplett einstellt. Denn was ist langweiliger als Branchennews, die nur ungefähr alle zwei Wochen erscheinen? Gerade im schnellebigen Werbemarkt sind die News meistens schon längst obsolet, wenn sie auf Papier rauskommen. Und die meisten Branchenmagazine sind nicht unbedingt für sehr tiefschürfende Hintergrundberichte bekannt, die eine Print-Ausgabe rechtfertigen würden. Das sehen offensichtlich auch die Anzeigenkunden so.
AdWeek ist längst nicht die erste amerikanische Fachzeitschrift, die trotz des eigentlich guten Werbemarkts in Bedrängnis gekommen ist. Kürzlich wurde “Business 2.0” eingestellt, ein eigentlich sehr einflussreicher Titel mit Fokus auf die boomenden High-Tech-Märkte. “Red Herring“, eine weitere High-Tech-Zeitschrift, steht schon seit Monaten kurz vor dem Bankrott und erscheint nur noch sporadisch auf Papier (was den Leserzahlen kaum helfen dürfte). Und im März machte die ehrwürdige InfoWorld aus dem IDG-Verlag ihre Print-Ausgabe dicht. Inzwischen machen sich die talentiertesten Journalisten dieser Publikationen in den Online-Medien selbständig, beispielsweise Om Malik mit seinen kleinen, aber feinen Blog-Imperium oder Erick Schonfeld, der jetzt bei Michael Arringtons TechCrunch mitbloggt.
Es ist natürlich bezeichnend, dass gerade Fachzeitschriften in diesen Innovationssegmenten als erste echte Probleme bekommen. Ihre Leser beziehen schon seit Jahren routinemässig News aus dem Internet und sehen immer weniger ein, wofür sie auch noch die Print-Ausgabe abonnieren sollen. Es ist anzunehmen, dass diese Sichtweise sich mit der Zeit auch in anderen Branchen ausbreiten wird und damit immer mehr Fachzeitschriften einen Leser- und Anzeigenschwund hinnehmen müssen.
Und das wäre auch nicht erstaunlich, denn solche Branchenblätter profitieren wirklich kaum vom Print-Format. Man liest ein Fachmagazin kaum zum Lustgewinn, sondern zur reinen Informationsgewinnung. Und dafür ist Papier einfach zu langsam.
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Martin
Treffendes Fazit, sehe ich ganz genauso.