Amazon Kindle:
eBook-Revolution oder Flop?

Andreas Göldi, 21. November 2007 16:21 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Img 1513-1Seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines “Kindle” (engl. für “anzünden”). Dieses neue eBook-Lesegerät aus dem Hause Amazon verfolgt ehrgeizige Ziele. Der Online-Buchhändler will damit schlicht und ergreifend die Art und Weise revolutionieren, wie wir Bücher lesen.
Drüben bei Neuerdings.com schreibe ich gerade einen mehrteiligen, ausführlichen Test zum Kindle. So viel sei aber vorweggenommen: Das Gerät ist ganz klar ein Produkt für Early Adopter. Es zeigt enorm viel Potential, hat aber auch noch so manche Schwäche, beispielsweise das zwar nicht unpraktische, aber nicht gerade ansehnliche Design.

Interessanter als die Details sind aber eigentlich die konzeptionellen Prioritäten, die Amazon beim Kindle gesetzt hat. Sie zeigen nämlich deutlich auf, wohin die Reise bei den digitalen Medien geht. Ich bin mir fast sicher, dass wir in ein paar Jahren den Amazon Kindle als ein Pionierprodukt sehen werden, das zwar noch unreif war, aber am Anfang einer grosse Welle stand. Etwa so vielleicht wie der Apple II zum Beginn der PC-Welle. Oder der Rio Diamond bei den MP3-Playern.

Eigentlich ist der Kindle ein kleines Wunder. Vor nicht so langer Zeit hätte sich das noch nach Science Fiction angehört: Ein nur 290 Gramm schweres Gerät in Taschenbuchgrösse, mit dem man von jedem Punkt der Welt aus drahtlos in Sekunden für wenig Geld jedes denkbare Buch und jede denkbare Zeitung abrufen kann. Und fest gespeichert kann man hunderte oder gar tausende von Büchern mit sich herumtragen. Ach ja, und Musik und Hörbücher kann das Ding auch abspielen.

Das war jetzt aber eben gerade etwas Fiction. Die Realität sieht im Moment noch ein klein wenig nüchterner aus: Das EVDO-Funknetz des Kindle funktioniert im Moment nur in den USA, und auch da nicht überall. Bisher sind im Amazon-Shop etwa 90′000 Titel für den Kindle erhältlich, fast alle davon in Englisch. Zeitungen und Magazine gibt es erst ein paar wenige (aber immerhin die FAZ, die New York Times und das Wall Street Journal), und Blog-Abos kosten eine kleine Gebühr. Die Speicherkapazität ist auf etwa 200 Titel begrenzt. Der eingebaute Webbrowser und der MP3-Player sind recht rudimentär. Und der E-Ink-Screen lässt auch noch viele Wünsche offen. Aber das sind letztlich technische Details, die in ein oder zwei Produktgeneration erheblich verbessert sein werden.

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Bitte eine Tasse Kaffee und die Morgenzeitung.

Viel wichtiger ist etwas, was Amazon fundamental anders macht als die bisherigen E-Book-Anbieter: Radikale Einfachheit. Dank der eingebauten Drahtlos-Verbindung kann man sich mit dem Kindle einfach und spontan Bücher und andere Dokumente kaufen, ohne sich (wie selbst noch beim iPod) mit PC-Software und der entsprechenden Gerätesynchronisation herumschlagen zu müssen. Der Kindle funktioniert einfach so, direkt aus der Schachtel. Er ist ein eigenständiges Konsumprodukt, kein PC-Peripheriegerät. Im Vergleich dazu waren bisherige e-Book-Systeme byzantinisch kompliziert.

Vergleichen wir mal die Schritte, die bisher für den Erwerb eines eBooks bei Microsoft (mit einem Windows-Mobile-PDA) nötig waren und wie das mit dem Kindle geht.

Microsoft Reader:
1. Reader-Software herunterladen.
2. Reader-Software auf dem PC installieren.
3. Microsoft Passport-Account anlegen.
4. PC als autorisiertes Device registrieren.
5. Online-Shop finden, der MS-Reader-kompatible Bücher verkauft.
6. Buch per Webbrowser bestellen (aus einer Auswahl von ca. 30′000 Titeln).
7. Software auf dem PDA installieren.
8. PDA als autorisiertes Device registrieren.
9. Fehlermeldung! Nochmal zurück zu Schritt 7.
10. Buch auf den PDA kopieren.
11. Reader-Software auf dem PDA starten.
12. Lesen.

Amazon Kindle:
1. Auspacken.
2. Einschalten.
3. Buch direkt auf dem Gerät bestellen (aus einer Auswahl von ca. 90′000 Titeln).
4. Lesen.

Da der Kindle für den User vorkonfiguriert versendet wird, ist tatsächlich kein weiterer Schritt nötig, keine Konfiguration irgendwelcher Art. Das ist tatsächlich eine kleine Revolution. Insofern hat der Kindle mit all den bisher gescheiterten eBook-Readern nur wenig zu tun.

Trotzdem, natürlich stehen dem Kindle noch manche Hürden im Weg. Der Preis von derzeit $399 für das Basisgerät ist klar zu hoch für den Massenmarkt. Aber es ist zu hoffen, dass dieses Konzept trotzdem Erfolg haben wird. Es wäre ein gewaltiger Schritt für die Medienwelt.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Kath

    schrieb am 7. Februar 2008 um 14:45 Uhr (#)

    Ich bin kein “Gadget Freak” aber ich will ein Kindle! Eine wirklich tolle Idee. Hat jemand etwas gehört über Verfügbarkeit im Europa (bsw. Schweiz!)?


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