Das Zeitalter des Fast-Gratis-PCs
Drei interessante Ereignisse in der PC-Branche
sind in den letzten zwei Wochen zusammen aufgetreten:
1. Asus startete den Verkauf seines neuen Billigst-Laptops “EEE PC”. Für gerade mal knapp 400 Dollar bietet dieser Winzling kompakte PC-Funktionalität für unterwegs.
2. Die Einzelhandelskette Walmart brachte ihren 200-Dollar-Desktop-PCs “Everex TC2502 Green PC” in die Läden. In nur zwei Wochen war das Gerät schon ausverkauft.
3. Das Projekt “One Laptop per Child” (OLPC; auch bekannt als “100-Dollar-Laptop”) startete seine Kampagne “Give one, get one”, mit der sich Kunden in westlichen Ländern einen der innovativen Billig-Laptops sichern können, wenn sie dafür ein weiteres Gerät für ein Kind in der dritten Welt stiften. Preis für zwei Geräte: 400 Dollars.
Allen drei Projekten gemeinsam ist das Betriebssystem: Linux. Und zwar handelt es sich nicht um Standard-Linux-Distributionen, sondern um modifizierte Varianten, die besonders einfach zu bedienen sein sollen.
Ebenso wenden sich die drei Produkte nicht an “normale” PC-User, sondern explizit an Einsteiger. Der Asus EEE wird wohl am ehesten Freunde finden unter Leuten, die sich bisher keinen teuren Laptop leisten konnten oder wollten. Der Walmart-PC soll ebenfalls an sparsame Einsteiger gehen, und der OLPC soll an Kinder in der dritten Welt verteilt werden.
Zwei Entwicklungen machen das möglich: Einerseits die immer billiger werdende Hardware, deren Entwicklung immer noch Moore’s Law folgt. Andererseits Open Source Software, die sechzehn Jahre nach der ersten Linux-Version inzwischen eine Leistungsfähigkeit, Stabilität und Benutzerfreundlichkeit erreicht hat, die auch Durchschnittsuser überzeugen kann.
Die Leistung dieser Billigstgeräte ist beinahe vergleichbar mit einem Standard-PC im Jahr 2000 — zu weniger als einem Zehntel des Preises. Viel klarer kann man sich die rasante Entwicklung der PC-Technologie kaum vor Augen führen.
Während im High-End von Vista und Mac OS X eine gewisse Ratlosigkeit darüber herrscht, was man den Usern denn in Betriebssystem-Upgrades noch Neues bieten könnte, spriesst am unteren Ende der Skala die Kreativität. Und das könnte ein paar interessante Konsequenzen haben:
Erstens werden PCs dadurch endlich für sehr viel grössere Zielgruppen auf der ganzen Welt erschwinglich und benutzbar. Auch Videorekorder, DVD-Player und Mobiltelefone erreichten die breite Masse erst, als sie in diese Preisregionen absanken.
Zweitens wird dieser Trend in der westlichen Welt wahrscheinlich das bisher immer noch vorherrschende Modell “Ein PC pro Haushalt” bei den Heim-PCs durchbrechen (Beispiel: In der Schweiz gibt es 3.11 Mio. Haushalte und nach neusten Schätzungen etwa 3.03 Mio Heim-PCs. 76% der Haushalte haben einen PC). Eine Maschine für 200 Dollar=137 Euro ist keine Anschaffung mehr, die man von langer Hand planen muss, sondern beinahe schon ein Impulskauf. Genau wie bei Fernsehern oder Mobiltelefonen wird der Trend dahin gehen, dass fast jedes Familienmitglied einen PC hat. Und viele Leute — nicht nur Geeks — werden natürlich gleich mehrere Geräte für sich selbst benutzen.
Drittens dürfte sich das seit eineinhalb Jahrzehnten dominierende Windows-Einerlei dadurch verstärkt aufbrechen. Webbasierte Dienste werden deutlich attraktiver, wenn man auf mehreren Maschinen arbeitet. Und dadurch wird es für viele Anwendungen immer unwichtiger, was für ein Betriebssystem man verwendet. Die PC-Branche dürfte sich dadurch nach der Konsolidierung der letzten Jahre wieder stärker ausdifferenzieren.
Insgesamt: Der PC wird immer mehr vom Investitionsgut zum alltäglichen Konsumgut. Und das dürfte die Spielregeln wieder einmal kräftig ändern.








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Thomas
Gut geschrieben – zumindest für unsere Breitengrade dürfte das so zu- bzw. eintreffen.
Allerdings kann man das für weniger entwickelte Gebiete in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Asien und selbst in Osteuropa noch viel weiter spinnen – mit dem Internet allgemein und Dingen wie Wikipedia im Speziellen ist Wissen in den letzten Jahren direkt verfügbar geworden, allerdings nur für jene, die einen Zugang zum Medium haben.
Der könnte nun tatsächlich wesentlich einfacher werden, wenn sich diese Geräteklasse in den genannten Gebieten verbreitet.
Fragezeichner
Nicht zu vergessen die Entwicklungen auf dem Mobil-Markt, denn Apples iPhone/iPod und Googles Android-Platform fördern ebenfalls die Tendenz Richtung mobiles Browsen und Web-Applikationen.