medienlese – der Wochenrückblick

Häschenwitze, Web2.0 Gral, Unschuld, Ho-Ho-Ho!

EILMELDUNG: Stefan Aust verläßt TITANIC” – titelte das Nachrichtenmagazin Titanic über den Abgang ihres Chefredakteurs. Als Nachfolger im Gespräch seien “Helmut Markwort (‘Die hundert besten Häschenwitze’) und Helmut Lotti (‘Es fährt ein Schiff nach nirgendwo’)”. Das ist natürlich Blödsinn, denn es waren die Gesellschafter des SPIEGEL-Verlags, die einvernehmlich auf Initiative der Mitarbeiter KG beschlossen, den Vertrag von Stefan Aust nicht zu verlängern. Über seine Zukunft werden derweil bereits Wetten abgeschlossen.

Nicht verwetten, aber ersteigern kann man eine Flasche Apollinaris-Wasser, an der Web-2.0-Mensch Tim O’Reilly an der Web-2.0-Expo in Berlin seine Lippen netzte. Aktuelles Gebot: 25,50 Euro.

NZZ-Chefredakor Markus Spillmann machte sich Gedanken, ob er in deutscher Sprache weiterhin Leser erreichen kann. In seiner eigenen Zeitung wurde er so zitiert, indirekt: “Man müsse sich ernsthaft Gedanken machen, wie man eine an sich qualitätsaffine Kundschaft, die nicht in Deutsch kommuniziere, erreichen könne.”

Während sich fast alle Schweizer Medien, unter anderem der Blick, ausführlichst über Fussballspieler berichteten, die mit einer Minderjährigen sexuelle Kontakte gepflegt haben sollen (“Es ist zu Intimitäten gekommen, mehrfach. In mindestens einem Fall mit mehreren Spielern gleichzeitig.”), wurde zwischendurch mal Sean Connery gelobt, der nicht erst mit 15 Jahren, sondern schon mit 8 Jahren ein Sexualleben gehabt haben soll. Blick dazu: “Nicht schlecht, Herr Specht? äh? Herr Connery. Seine Unschuld hat ‘James Bond’ bereits mit acht Jahren verloren.”

Robert Parker, ein amerikanischer Wein-Journalist, wurde in einem Buch seiner Mitarbeiterin Hanna Agostini vorgeworfen, “privat und möglicherweise geschäftlich mit Winzern verbandelt” zu sein, “deren Produkte er über den grünen Klee lobe”.

Edgar Schuler erkannte einen Trend, nämlich den, dass Blogger Kommentarfunktionen einschränken, weil Blogger hätten “schlicht besseres zu tun, als die Gröl- und Rülpskommentare zu kontrollieren”.

Die katholischen Nachrichten nervten sich über den Journalist Michael Meier der (“antikirchlichen”) “Zürcher Lokalzeitung ?Tages-Anzeiger?”. Sie fragen: “Beschäftigt der ?Tagesanzeiger? eigentlich keine Lektoren? Oder sind Meiers Artikel Teil einer von einem Psychiater begleiteten verbalen Gewalttherapie?”

Verleger Michael Ringier erklärte in der Weltwoche, er habe “nichts dagegen, dass sich eine Zeitung auch einmal für einen Fehler entschuldigt; Zeitungen sollten das öfter tun.” Um einen gewissen aggressiven Journalismus zu betreiben, müsse man “unglaublich gut arbeiten und sich juristisch absichern”. Man wolle nun “noch sorgfältiger arbeiten, bei Adjektiven zum Beispiel. Oder vielleicht mal bei einem Satz ein Frage- statt eines Ausrufezeichens machen, weil dies die juristische Ausgangslage vollständig verändern” könne.

Trendscout Daniel Bischoff besuchte den Publimag-Tag der Fach-und Spezialpresse. Der Kleinreport dazu: “Gerade als Bischoff seine Zuhörerinnen und Zuhörer soweit hätte verwirren können, dass sie nicht mehr wussten, wo ihnen der Kopf steht, betonte der Trendscout, dass der passive Konsum von Medien auch in Zukunft seinen Stellenwert behalten werde wie auch die interaktiven Kommunikationsmöglichkeiten.” Puh!

Das Ressort Wissenschaft der Welt begleitete einen Asexuellen an eine Erotik-Messe. Weiter war zu lesen, dass man Atheisten nicht mehr verbrennt, sondern zu “Kerner” schickt. Und dann packte auch noch einer der Freaks aus der Fernsehsendung “Das Model und der Freak” aus, dass es sich dabei um eine manipulierte Sendung handelt.

Journalist Thomas Zaugg erhielt für diese Geschichte einen Presse-Preis, Krist Novoselic bloggt nun jeden Dienstag und die Weihnachtsmänner sollen nicht mehr “Ho-Ho-Ho!”, sondern “Ha-Ha-Ha!” rufen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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