Im Test:
Maxi

Ronnie Grob, 16. November 2007 14:39 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Ist Maxi eine Zeitschrift für Dicke? Wir haben sie getestet.

Maxi

Im Test die Ausgabe 12/2007.

Allgemeiner Eindruck

Ein Heft für die Durchschnittsfrau, die sich nicht als Durchschnittsfrau sieht. Um möglichst viele Leserinnen zu binden, ist Maxi gerade noch so bieder, dass sich die Anständige damit nicht schämt und gerade noch freizügig, dass sich die Freche damit nicht schämt. “Der beste Sex, den ich nie hatte” ist ein schönes Beispiel dafür.

Zielgruppe

Das müssen wohl Frauen sein – der ältere türkische Verkäufer im Zeitschriftenladen verzog aber dennoch keine Miene.

Die Bauer Media KG umschreibt es so :

MAXI-Frauen sind jung, gut gebildet, karriereorientiert und verfügen über ein hohes Einkommen. Sie haben Freude an anspruchsvoller Mode und Kosmetik, kennen die neusten Trends, experimentieren und konsumieren gern. Sie gestalten aktiv ihre Freizeit und geniessen das Leben. MAXI-Leserinnen sind hellwach, engagiert, kommunikativ und selbstbewusst. Sie haben Lust darauf, Neues auszuprobieren, sind kritisch und nachdenklich. Und manchmal wollen sie einfach nur ihren Spass haben.

Deshalb finden Sie in MAXI Reportagen, Interviews, Diskussionen und Essays – anders aufbereitet , als man es kennt. Ästhetische Bilder, ein großzügiges Layout, viel Klarheit – MAXI ist locker, kompetent und immer wieder überraschend.

Zu MAXI gehören selbstverständlich auch die Basics wie Mode, Beauty, Lifestyle. Ein tolles Outfit, ein attraktives Make-up, der unvergeßliche Urlaubstrip, das Blitzmenü für die besten Freunde. Aber MAXI bietet noch mehr: Inhalte, mit denen sich junge Frauen identifizieren und auseinandersetzen. Wer heute eine so anspruchsvolle Zielgruppe erreichen will, kann sich nicht mehr auf die “typischen” Frauenthemen beschränken. Denn wie gesagt: Spaß muß sein. Finden Sie bei MAXI.

Wer sich unter Maxi eine Frau in Übergrösse vorstellt, hat wohl alles falsch gemacht.

 

IMG 5614Anspruch

Bloss niemandem auf die Füsse treten. Grösstmöglicher Konsens, um die Zielgruppe möglichst hoch zu halten. Nur Themen, die alle interessieren, also die gebetsmühlenartige Wiederholung von Beziehungsfragen, Beauty und Fashion. Intellektuell gesehen kann der Anspruch nur sein, die Leserinnen nicht zu überfordern. Darum sind die Texte auch nicht zu lang. Das Interview und die Bilder mit Perez Hilton stechen da einzig heraus – das Klischeebild des übergewichtigen Bloggers als Internetjunkie, der sich nur von Bestellpizzas ernährt, wird recht glaubwürdig überliefert (“auf seinem Rocker-T-Shirt kleben Essensreste” – was aber auf dem Bild nicht zu erkennen ist) – nehmen wir mal an, das ist alles wahr.

Titelseite

Ein Frauengesicht, eine nackte Schulter, sowas kaufen sich also Frauen? Gibt es auch Männerzeitschriften, auf denen ein Mann über seine nackte Schulter schaut? Davon abgesehen macht es auf mich einen eher biederen, klassischen Eindruck. Das Heft könnte genau so gut 10, 20 oder 30 Jahre alt sein. “Comback: der Klassiker”, “Kopenhagen: Tipps fürs ein perfektes Wochenende” und “Weihnachtsgeschenke! 74 tolle Ideen” sind alle zeitlos. Auch die Titelgeschichte “Mehr Selbstbewusstsein!”.

Wie auf Seite 5 zu erfahren ist, heisst das “Titelmädchen” Natalia Vodianova, ist 25 Jahre alt, Topmodel und dreifache Mutter.

Aufmachung

Hochglanz. So normal und zeitlos, wie es auch immer geht.

Auflage

225.059 (Verbreitung 3/2007, gemäss IVW)

Erscheinungsweise

monatlich

IMG 5594Seitenanzahl

188

Preis

2.20 Euro / Ausgabe, inkl. Zusatzheft. 24 Euro / 12 Ausgaben, inklusive einem DJ-Bag (mit Herzchen drauf, das braucht sicher fast jede Frau).

Preis / Leistungsverhältnis

Günstig. Die fast 200 Seiten werden einem beinahe geschenkt.

Onlineauftritt

maxi.de. Kaum erwähnenswert, da es ausser dem aktuellen Cover und den darin aktuellen Themen keine Inhalte anbietet.

Inhalt

IMG 5608“Trockene, aufgetürmte Hornschüppchen und grosse Poren sind da kontraproduktiv.”

“Sogeannte Radiance-Booster enthalten Wirkstoffe, die die Mikrozirkulation anregen, milde Fruchtsäuren (AHAs) zum Abschubbern der Haut oder Vitamin C.”

“In der berüchtigten T-Zone spriessen die fiesen Burschen leider auch oft nach der Pubertät.”

Alles unklar? Klingt fast wie ein Fachmagazin für Dermatologie, aber das sind nur Zitate aus dem Artikel “liebe haut, bleib bitte so!” auf Seite 101/102. Was für Maxi-Leser offenbar keine Hürde ist, bleibt einem Unwissenden wir mir ein Rätsel.

IMG 5609T-Zone, was oder wo ist denn die T-Zone? Wenn ich es auch nicht verstehe, der Artikel liefert eine Lösung dazu: “Wer zur fettigen T-Zone neigt, sollte seine Haut rechtzeitig um ‘ein klärendes Gespräch’ bitten.” Nun ja, mit Pflanzen und Steinen soll man ja auch reden, warum nicht mit der Haut, dazu noch mit der eigenen?

Blättert man, nachdem man sich mit seiner Haut ausgesprochen hat, weiter, sagt einem Penelope Cruz in einer L’Oreal-Werbung: “Es gibt nichts Besseres als Mineralien für meine Haut!” (Seite 107) oder “Ich habe eine neue Art entdeckt, mein Hautbild zu verjüngen!” (Seite 4). Naja, wer’s glaubt.

 

Highlight

IMG 5599

IMG 5597Maxi ist dermassen durchschnittlich, dass es schwer fällt, Ausschläge nach oben oder nach unten überhaupt festzustellen. Immerhin weiss ich nun, warum bei Rolltreppen der Handlauf schneller läuft als man selbst (damit man nicht rückwärts stürzt). Dass, Berlin, die “Stadt der Verheissung”, “wie das New York der 80er Jahre” ist, hab ich aber schon im Frühling im Spiegel gelesen. Maxi schreibt, dieses Kompliment hätten “wir Deutschen” nun von der “New York Times” gekriegt.

Aber wir waren ja bei den Highlights. Die Geschichte von Annette Mingels ist gut, aber die war doch im Sommer bereits im Magazin zu lesen, und das nicht in der gekürzten Version.

Dazu mag ich die Fotoserie ab Seite 60. Da gefällt mir sowohl das Model, die Fotos und die Kleider. Allerdings sollte das ja den Frauen gefallen, die das Heft kaufen – und nicht mir. Hm.

Lowlight

IMG 5612Nehmen wir “Der beste Sex, den ich nie hatte” ab Seite 121. Schöne, knackige Stories, die nur einen Makel haben. Ich kann mir nämlich nur schwer vorstellen, dass auch nur eine wahr ist. Aber was für mich ein Makel ist, ist vermutlich für die Maxi-Leserin keiner. Die Opfer, bei denen es aus den verschiedensten Gründen nicht zum Sex gekommen ist, berichten trotzdem: Rosie, 27, bei der es nicht klappte, weil sie “Oma-Unterwäsche” anhatte. Vanessa, 28, die sich “unter der Sonne Ägyptens” den schlimmsten Sonnenbrand ihres Lebens holte. Marc, 29, der bei am Arm von Jana “kurz vor dem Sex” fiese rote Stellen entdeckte und dem sofort alle Lust verging. Jan, der mitten im Küssen mit Kerstin, 22, einschlief.

Werbung

IMG 5603

Diese auf vier Seiten ausklappbare Werbung ist nicht das Playboy-Centerfold, sondern nur eine Werbung für einen Push-Up (kostet 9 Euro 90).

Sex-Appeal

IMG 5610Obwohl der Sexgehalt durchaus nicht niedrig ist, wirkt das Heft alles andere als sexy. Eher altbacken.

Zukunft

So wie austauschbare Frauenzeitschriften eine Vergangenheit hatten, so haben sie auch eine Zukunft.

Fazit

Ein Monatsheft ganz ohne Ecken und Kanten, bei dem man als Aussenstehender das Gefühl hat, es stünde jeden Monat das Gleiche drin. Gut möglich, dass man als Insider auf den selben Schluss kommt. Und das auch noch geniesst. Warum auch nicht, da ist nichts Falsches dran.

Bewertung

3/10 Punkten

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 17. November 2007 um 07:51 Uhr (#)

    Das mit dem Handlauf verstehe ich trotzdem nicht. Würde er gleich schnell laufen, würde man hintenrüber fallen?

    Und warum sind so viele tolle Männer Single (aus ganz anderen Gründen als Frauen)?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 17. November 2007 um 10:40 Uhr (#)

    @Peter, im Text steht:

    Frei übersetzt heisst die Normvorschrift: “Ein Handlauf darf bis zu zwei Prozent schneller laufen als die Rolltreppe. Warum? “Um beim Hochfahren Stürze nach unten zu verhindern.” Sprich: eher nach vorne zu fallen als einen Looping rückwärts zu bauen. Also durchatmen beim Shopping, für Ihre Sicherheit ist gesorgt.

    Der Handlauf darf also vermutlich auch gleich schnell laufen als die Rolltreppe, aber keinesfalls langsamer.

    Bis zu zwei Prozent? Also nach meiner Wahrnehmung laufen viele Handläufe schneller als diese zwei Prozent.

    Um die Frage nach den Singles beantworten zu können, hätte ich auch das letzte Heft lesen müssen. Damals beantworteten nämlich Single-Frauen diese Fragen.

    Tommy Reeve, 26, seit einem Jahr Single sagt dazu:

    (…) Das Grundproblem: Viele wollten mehr Zeit mit mir verbringen. Und konnten nur schwer verstehen, dass bei mir die Musik vorgeht. (…)

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