Facebook-Werbung: Datenschutz ade
Von Andreas Göldi am 9. November 2007 um 21:38 Uhr Kommentare (6)
Kategorien: Analysen
Darf ich Euch den neusten Leser meines Blogs vorstellen?

S.D. (der volle Name soll aus Diskretionsgründen ungenannt bleiben) ist der erste User, der auf meine vorgestern geschaltete Facebook-Anzeige geklickt hat.
Warum ich das weiss? Weil ein Link zu einer Facebook-Applikation im Referrer-Log meines Blogs aufgetaucht ist. Der Link enthielt S.D.s Facebook-Usernummer, und mit einer einfachen Suche konnte ich seinen Namen herausfinden. S.D. hat also offenbar während der Benutzung dieser betreffenden Facebook-Applikation auf eine Anzeige geklickt, die auf meine Website geführt hat. Und Facebook schickt solche Klicks nicht etwa, wie etwa Google oder die meisten Ad-Server, über eine anonymisierende Weiterleitung, sondern macht die volle Identität des Users zugänglich, eben über den verräterischen Link.
Dank Facebooks Diskretion müsste ich jetzt erstmal S.D.s Face-Freund werden, um ganz offiziell mehr über ihn zu erfahren. Aber mit seinem vollen Namen kann ich ja auch schon eine ganze Menge anfangen. Da ich dank dem Targeting meiner Anzeige ungefähr weiss, wie alt er ist und in welchem Land er wohnt, liesse sich das leicht mit schon vorhandenen Direct-Mail-Datebanken matchen. Dank XING und LinkedIn weiss ich, was er beruflich macht. Und Google verrät mir eine ganze Menge anderer interessanter Dinge.
Wenn ich ganz neugierig wäre, hätte ich auf meiner Seite ein Adserver-Cookie gesetzt, mit dem ich dann die weiteren Aktionen des neuen Besuchers anderswo im Netz tracken kann. Das eröffnet doch ganz neue Möglichkeiten für Werbung…
Facebook schwört ja immer hoch und heilig, mit den Userdaten ganz besonders vorsichtig umzugehen. In der Umsetzung scheint es da noch ein paar kleine Probleme zu geben…
Ich wiederhole mich nicht gern, aber: Dieser bescheidene Level an technischer Kompetenz soll tatsächlich $15 Milliarden wert sein??
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6 Kommentare
Hoi Andreas
Hat sich S.D. schon bei dir gemeldet? Amüsante Geschichte, wenn Datenschutz nicht so eine ernste Angelegenheit wäre.
Ciao Yabadabidu
mds
schrieb am 10. November 2007, 19:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)Datenschutz? Bei einem Social Network? Bei einem amerikanischen Unternehmen?
Martina
schrieb am 11. November 2007, 02:38 Uhr (Permalink zum Kommentar)Vergiss mal ganz schnell den Datenschutz bei Amerikanischen Unternehmen.
Andreas Göldi
schrieb am 11. November 2007, 03:30 Uhr (Permalink zum Kommentar)Immerhin gibt es in den USA derzeit auch eine recht intensive Diskussion ueber Online-Privacy. Die Werbebranche will sogar vorpreschen und entsprechende Verhaltensregeln herausgeben sowie eine Moeglichkeit schaffen, dass man sich vom Cookie-Tracking ausschliessen lassen kann. Hintergrund ist u.a. natuerlich die Erwartung, dass 2008 wieder die Demokraten an die Macht kommen, und die gewichten Datenschutz traditionell staerker.
S.D. hat sich noch nicht gemeldet, vielleicht hat er sich nur kurz auf mein Blog verirrt.
Martina
schrieb am 18. November 2007, 12:32 Uhr (Permalink zum Kommentar)> natuerlich die Erwartung, dass 2008 wieder die Demokraten an die Macht kommen, und die gewichten Datenschutz traditionell staerker.
Das glaube ich nicht, dazu ist die Militärlobby in den Staaten zu stark. Ich bezweifel, dass all die Einrichtungen, die derzeitig auf die unterschiedlichsten Daten zugreifen können, wie jetzt auch demnächst auf unsere Flugdaten, um diese dann 15 Jahre zu speichern, auf diese Quellen verzichten werden.
Ahasver
schrieb am 1. Februar 2008, 00:40 Uhr (Permalink zum Kommentar)Spannend zum Weiterlesen:
“Im Internet geben immer mehr Nutzer – zumeist freiwillig – ihre letzte Intimität preis. Dabei sind die privaten Daten des Einzelnen mittlerweile zu einer profitablen Währung im World Wide Web geworden. Zwar werden zahlreiche Online-Dienste als kostenlose Angebote beworben – gratis sind sie deshalb allerdings noch lange nicht.1
Längst sind die Internetnutzer mehr als nur Konsumenten; ihre privaten Daten selbst werden zur wichtigsten Ressource einer sich neu orientierenden Werbeindustrie. Über die weitergegebenen Informationen verlieren die Nutzer nicht nur vollständig die Kontrolle; vielmehr werden die Bürgerinnen und Bürger regelrecht ihrer Privatsphäre enteignet.”
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Yabadabidu
schrieb am 10. November 2007, 12:45 Uhr (Permalink zum Kommentar)