Facebook Ads:
Jetzt soll der Rubel rollen

Martin Weigert, 7. November 2007 00:21 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

facebook_logo.gifFacebook hat, wie bereits lange angekündigt, Details zu seiner Werbeoffensive “Facebook Ads” veröffentlicht. Während die große Meldung der letzten Woche, Googles OpenSocial-Coup, von der Internetgemeinde überwiegend positiv aufgenommen wurde, übernimmt Facebook mit einer Nachricht, dessen positive Auswirkungen sich (zumindest auf dem Papier) auf einen erheblich kleineren Kreis beschränken, nun wieder das PR-Steuer.

Facebook Ads beinhaltet eine Reihe von neuen Features für Werbetreibende. Unter anderem können Unternehmen ab sofort gebrandete Seiten innerhalb des Facebook-Netzwerks buchen, die sie mit eigenen Inhalten bestücken (Beispiel hier). Laut Pressemitteilung “werden sich diese Seiten viral innerhalb von Facebook verbreiten”. Wenn sich beispielsweise ein Facebook-Freund auf der Markenseite von Sony Pictures umsieht, dann wird dies via Newsfeed allen seinen Kontakten mitgeteilt. Wie genau derartige Kampagnen werblich initiiert werden sollen, habe ich nicht ganz nachvollziehen können. Möglicherweise wird das über ganz normale Anzeigen auf den Facebook-Seiten geschehen.

Die jedoch einschneidenste Neuerung von Facebook Ads heißt “Beacon”. Damit werden Aktionen, die eingeloggte Facebook-Mitglieder auf Partnerseiten unternehmen, über den Newsfeed allen Kontakten kommuniziert. Zu den Partnern gehören eBay, der Kino- und Theaterticketdienst Fandango, Blockbuster, TripAdvisor und andere. Der Großteil der angekündigten Partner sind US-amerikanische Services. Mit viagogo, einer Wiederverkaufsplattform für Event-Tickets, ist aber auch ein europäischer Dienst mit dabei.

Stellt ein Facebook-User bei eBay eine neue Auktion ein oder reserviert bei Fandango Kinokarten, dann fragt ihn die jeweilige Partnerseite, ob er diese Aktion im Facebook-Newsfeed publizieren möchte. Stimmt er zu, wird seine Handlung allen Kontakten über den Newsfeed mitgeteilt. Facebook Ads basiert auf der Grundidee, dass Menschen Empfehlungen ihrer Freunde eher trauen als denen, die direkt von Unternehmen kommen. Die Hoffnung von Facebook und den werbenden Unternehmen ist es, damit effektivere Werbekampagnen innerhalb des Social Networks realisieren zu können, als dies bisher möglich war.

Man muss ehrlich sein: Das Facebook und seine Investoren versuchen, die rund 50 Millionen Mitglieder des kostenlosen Dienstes zu monetarisieren und finanziell vom weltweiten Facebook-Boom zu profitieren, ist nur verständlich. Dass Facebook Ads polarisiert und vermutlich für viele kritische Stimmen sorgt, damit wird man bei Facebook rechnen. Entscheidend ist, ob man es schafft, eine Überladung des Newsfeeds mit werblichen Botschaften zu vermeiden. Denn sonst wird sich der ein oder andere mit Sicherheit von Facebook verabschieden. Doch es muss ja nicht einmal so uninteressant sein, zu sehen, was ein Facebook-Kontakt gerade bei eBay ersteigert hat.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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