Web 2.0 Expo Berlin:
Graue Wolken 2.0

Ronnie Grob, 7. November 2007 11:55 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Die Web 2.0 Expo in Berlin findet auf einem riesigen Messegelände statt. Von dem werden aber nur wenige Räume eines Gebäudes genutzt. Ein Zwischenbericht.

Die Leute hier sind etwas traurig.

Regen
(Symbolbild)

Weil sie 1300 Euro (oder 670 Euro) bezahlt haben, um an diesem Event dabei zu sein.

Weil diese aber in Pfund abgezogen wurden.

Weil man, um sich darüber zu beklagen, in den USA anrufen muss.

Weil man dann nur eine weisse Tüte als Mittagessen kriegt, in dem sich ein Sandwich, ein Apfel, eine Tüte Wasser und ein süsses Stück mit Schokolade und einer Haselnuss drin befinden (so das Menu am Dienstag, hier ein Bild von einem anderen Tag).

Weil der Kaffee zwar heiss ist, aber nicht so besonders schmeckt. Es wurden zwei “Asiaten beobachtet, die angewidert nach einem Schluck den Kaffee wieder zurückgestellt haben

Weil man “selbst auf dem Weltjugendtag in Köln” reichhaltiger verköstigt wird: “Schullandheim 2.0!

Weil es draussen regnet und kalt ist und es drinnen Gefängnislicht hat.

Weil die Veranstaltung in einem “monströsen Betonbunker im Stil der späten 70er bzw. frühen 80er Jahre” stattfindet.

Weil sich darin nicht mal in die Angestellten auskennen und es so zur Herausforderung werden kann, wieder zur S-Bahn zu kommen.

Weil die Konferenzausweise zu klein sind und irgendwie immer so hängen, “dass die weiße Seite nach außen zeigt“.

Weil man bei vielen, die nach einem Vortrag eine Frage stellen, den Verdacht kriegt, sie fragen nicht, weil sie etwas interessiert, sondern um sich und ihr Produkt den Zuhörenden in der einleitenden Eigenvorstellung darzubringen.

Weil Tim O’Reilly gesagt hat, Web 2.0 sei kein “Summer of Love” (als Illustration zeigte er dem Publikum ein Bild von Hippies im Wald), sondern “ein Schlachtfeld, in dem sich die Wettbewerber mit Zähnen und Klauen bekämpfen“.

Weil sich seine Keynote mindestens zwei Jahre alt anfühlte.

Weil man, um hier aufs Klo zu gehen, “teilweise fünf schwergängige türen hintereinander öffnen” muss.

Weil es nicht immer funktionierendes Netz gibt und kaum Steckdosen. Und tödliche Klimaanlagen.

Weil einem PR-Leute Schnitzeljagd-Anleitungen per SMS senden.

Weil man sich an die “Atmosphäre bei einer Kabel- und Röhrenfachmesse in Usbekisan” erinnert fühlt.

Weil man, um eine Diskussionrunde zu erreichen, die irrsinnigsten Hürden überwinden muss.

Weil “junge Männer in dunklen, schlecht sitzenden Anzügen” einem “Redner mittleren Alters, in schlichtem Pulli und Cargo-Hose” zuhören.

Weil manche Vorträge “etwas kurz und oberflächlich geraten” sind.

Weil man manchmal einfach nichts versteht.

Weil von der Expo “nur ‘ne Schmuddelecke von Mister Wong und einen One-Man-Laptop-Stand von Wikio gesehen” wurde.

Weil die sechs Räume, in denen was los ist, aus unerfindlichen Gründen New York 1, New York 2, New York 3, London 1, London 2 und London 3 heissen.

Weil man nix lernt und nicht inspiriert wird.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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4 Kommentare

  1. zentao
    schrieb am 7. November 2007 um 14:35 Uhr (#)

    Gut geschrieben.
    gruss zentao

  2. Markus H.
    schrieb am 7. November 2007 um 15:29 Uhr (#)

    typisch deutsch, immer nörgeln!

    wen interessiert das lunch paket – die konferenz vorträge waren meiner meinung nach sehr gut. die amis haben schon was drauf und haben sehr konkret mit vielen aktuellen beispielen die themen abgehandelt!

  3. max
    schrieb am 7. November 2007 um 22:27 Uhr (#)

    no one in berlin knows that this congres is running…

  4. Frank
    schrieb am 8. November 2007 um 14:41 Uhr (#)

    Am coolsten fand ich in Berlin die Hostess die immer vom “Web Zwanzig”-Kongress faselte. Ich glaube die dachte an Webstühle, Serie 20.

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