Googles Telefonplattform:
Symbian reloaded?
Jetzt ist es also endlich raus: Das geheimnisumwitterte Google Phone ist kein Telefon, sondern eine Softwareplattform. 34 Hardwarehersteller, Netzbetreiber und Softwarefirmen haben sich mit Google zu einer breiten Allianz namens “Open Handset Alliance” zusammengeschlossen, die eine gemeinsame, von Google gebaute Plattform vertreiben will. Ab nächstem Jahr sollen allerlei Produkte auf dem Markt erscheinen, die auf der “Android” genannten Softwarebasis aufbauen. Technische Basis sind Linux und Java, und das ganze soll Open Source und darum sehr gut zugänglich für Entwickler sein.
Hatten wir so was Ähnliches nicht schon mal? Richtig:
wikipedia.org/wiki/Symbian”>Symbian
Bei Googles Konsortium kriegt man hingegen ein wenig das Gefühl, dass die eher sekundären Player sich mit dem Suchmaschinenriesen zusammenschliessen, um die dominanten Firmen im Smartphone-Markt zu schlagen. Die Marktführer Nokia, Palm, Research in Motion (Hersteller des Blackberry), SonyEricsson sowie der marketingstarke Neuankömmling Apple und selbstverständlich Google-Erzfeind Microsoft sind nicht Teil der Open Handset Alliance. Dafür macht immerhin Samsung mit, das schon länger an seiner schwachen Softwareplattform litt. Und auch der etwas ziellos von Plattform zu Plattform irrende Telefonhersteller Motorola ist mit dabei. Bemerkenswerterweise ist auch eine ganze Reihe von Netzbetreibern im Konsortium, dabei sind diese Firmen nicht gerade für ihre Liebe zu offenen Plattformen bekannt. Aber die Operators finden es im Zweifelsfall immer gut, Nokia und dem dreisten Newcomer Apple eins auszuwischen — selbst wenn mit Ebay/Skype ein anderer sehr ungeliebter Player im Konsortium sitzt.
Das ist also schon mal ein grosser Unterschied zu Symbian: damals schlossen sich Marktführer zusammen, diesmal sind es Outsider und Ferner-liefen-Anbieter. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist darum nicht über jeden Zweifel erhaben. Immerhin könnte es aber gut sein, dass die GPhone-Plattform es schafft, Smartphone-Funktionalität für billigere Geräte nutzbar zu machen. Google setzt wohl eher auf Disruption als auf direkte Konfrontation.
Für eine abschliessende Beurteilung ist es natürlich noch zu früh. Mehr als die Pressemitteilung ist von Google derzeit nicht zu bekommen. Keine Details zum Businessmodell, keine Software (ein SDK soll angeblich nächste Woche erscheinen), keine Demos, keine Keynote-Präsentation. Das ist, mit Verlaub, etwas dünn für eine potentiell so wichtige Ankündigung. Wenn man erfolgreich in den hochkompetitiven Telefonmarkt einsteigen will, muss man entweder (im Apple-Stil) grossen Marketinglärm machen und damit Begeisterung auslösen oder (wie Microsoft) viele Jahre Geduld und eine gut gefüllte Kriegskasse mitbringen. An Geld mangelt es Google natürlich nicht, aber marketingmässig sollte man sich wohl schon etwas mehr einfallen lassen als einen trockenen Press-Release.
Auch vom Produkt her stellen sich einige Fragen: Wenn Google (was anzunehmen ist) das ganze über Werbung finanzieren will, werden die User das auf ihrem Handset wirklich akzeptieren? Schliesslich zahlen vermutlich 98% der Telefonkunden immer noch für jedes mobile empfangene Byte einzeln, da hat man nur wenig Akzeptanz für zusätzlichen Werbetraffic.
Und noch wichtiger: Was genau wird an den Google-Phones besser sein als an den heute schon erhältlichen Geräten? Blackberry kann Messaging am besten, Apple hat die schönsten Multimedia-Features, Microsoft integriert sich am besten mit der Unternehmens-IT und Symbian ist am sparsamsten mit den Ressourcen. Was hat Google zu bieten? Nur der niedrigere Preis kann es nicht sein, denn die Betriebsystem-Lizenz pro Smartphone kostet schon heute bei der Konkurrenz nur wenige Dollar pro Gerät.








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mds
Gab es in der Vergangenheit eigentlich erfolgreiche Verlierer-Allianzen?
Bei Google selbst häufen sich in letzter Zeit die Ankündigungen. Ich hoffe, es folgen auch wieder Taten … sowie Lösungen für tatsächliche Probleme und nicht bloss «me too»-Projekte.