Attributor gegen Text-Diebe Inhalte an- statt verketten

Peter Sennhauser, 6. November 2007 10:01 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Der Dienst Attributor soll Verlegern helfen, geklaute Texte im Internet aufzuspüren. Das Rezept: Kleine Gauner werden plattgemacht, grossen bietet man eine Partnerschaft an.

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Attributor ist ein Schnüffelhund, der gestohlene Texte im Internet wiederfindet, um Textdiebe abzumahnen. (Ausriss Webseite Attributor)

Wir können es genauso wenig ausstehen, wenn jemand unsere Texte im vollen Wortlaut kopiert und auf seine Webseite pappt, wie irgendjemand sonst. Vor allem, wenn nicht wenigstens ein Link auf unsere Seiten dabeisteht.

Deswegen haben wir ein gewisses Verständnis, wenn Redaktionen und Inhalte-Anbieter (auch Content-Provider genannt, was ein bisschen wie Füllstoff-Fabrik klingt) nach Textdieben suchen.

Dabei hilft ihnen jetzt Attributor, ein Dienst in den USA, der mit elektronischen Schnüffelhunden im Wald der Webseiten nach den Texten der Kunden sucht. Ähnliche Systeme gibts längst für Bilder, die mit eingebetteten “Wasserzeichen” sozusagen nach Hause telefonieren, wenn sie irgendwo publiziert werden. Das kostet allerdings pro Bild, und nicht zu knapp.

Attributor kann weit mehr als nur Texte aufspüren.

Der Dienst scannt “das gesamte Internet” (wobei wohl die amerikanische Definition der “Welt” wie in “World Series” bei den US-Sportarten zur Anwendung kommt) konstant nach den Inhalten der Kundschaft und zeigt auf einer Übersichtsseite an, welche Texte wie häufig, von wem, mit oder ohne Verlinkung und auf kommerziellen Seiten, die in irgendeiner Form Geld verdienen, publiziert werden.

Der Kunde kann danach bequem aus der Übersichtsseite heraus entscheiden, wem er eine Lösch-Aufforderung, das Begeheren für einen Link oder gleich die Forderung nach einem Anteil an den Werbeeinnahmen zukommen lassen will.

Damit nicht genug: Der Dienst wertet zugleich aus, welche Texte am häufigsten geklaut werden, welche Seiten am meisten Traffic auf die eigene generieren und so weiter. Mit einer feinjustierten Politik der Reklamation kann der Inhaber des Urheberrechts dann reagieren.

Mit andern Worten: Attributor ist kein Instrument zur Jagd nach Langfingern, sondern ein Profit-Optimierungstool.

Das ist bemerkenswert.

Es führt zu einer entlarvenden Ungleichbehandlung.

  • Ist der Text von einem grossen Portal geklaut worden, so droht man dem nicht mit Klage und verlangt Entschädigung, sondern bittet freundlich um einen Link – und gewährt damit gewissermassen ein kostenloses Zweitpublikationsrecht.
  • Stammt die Diebessite aus dem Mittelfeld und generiert Einnahmen, dann droht man mit Klage und holt sich etwas davon.
  • Und handelt es sich um einen naiven Blogger, der mit Google-Ads ein paar Kröten verdient, dann lässt man die Rechtsabteilung eine Abmahnung abschiessen und ruiniert den Mistkerl.

In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Schweizer Verleger noch nicht mal diese simplen Regeln des Kapitalismus kapiert haben. Sonst würden sie nicht gegen ihre grösste Trafficmaschine vorgehen, welche ihnen Besucher zu Hauf zuführt – Google. Unter diesem Blickwinkel erscheint diese Albernheit schon fast als sympathischer Zug: Alle kommen dran, die Texte “klauen” (nu, ausser facts.ch. Aber das ist was anderes.)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. schrieb am 6. November 2007 um 11:31 Uhr (#)

    …aber ich habe dich doch gefragt!

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 6. November 2007 um 11:51 Uhr (#)

    …hähä. Und Du hast ja auch eine schriftliche Einwilligung. Obwohl – “logo”, das ist ja eigentlich nicht mal ein deutsches Wort…

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