Ein Blick auf die technischen Spezifikationen von OpenSocial

Gestern war die URL http://code.google.com/apis/opensocial/ wohl diejenige 404 (Seite nicht gefunden)-Meldung im Netz, die am häufigsten willentlich aufgerufen wurde. Nach dem Durchsickern auf Techcrunch erschütterte die Meldung am Dienstag nämlich wie eine Bombe die gesamte Web-2.0-Szene. Die Facebook-Dominanz schien plötzlich doch nicht mehr so dauerhaft zu sein wie angenommen, besonders als bekannt wurde, dass eine Reihe namhafter Seiten wie MySpace, Orkut oder XING bei OpenSocial dabei sein werden.

Seit heute morgen präsentiert Google nun statt besagter 404-Meldung eine umfangreiche Dokumentation zu seinem neuestem Wurf, samt nützlicher Hintergrundinfos und anschaulicher Beispiele. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Die API ist für Entwickler bestechend einfach aufgebaut. Sie überzeugt vor allem dadurch, dass man als Coder nicht dazu gezwungen ist, eine neue, proprietäre Sprache erlernen zu müssen, da diese auf bestehenden Standards aufbaut.

Die Idee hinter Google OpenSocial an sich ist, dass innerhalb einer jeden Web-Anwendung, welche die Spezifikation unterstützt, standardisierte Schnittstellen zur Verfügung stehen. Über diese können dann relevante Daten gelesen, geschrieben und modifiziert werden. Somit kann eine einmal entwickelte Applikation auf vielen unterschiedlichen Webseiten eingesetzt werden. Entgegen meiner ersten Vermutung scheint es also nicht so zu sein, dass alle Daten bei Google zusammenlaufen. (Was bei laut eigenen Angaben 240 Mio. Usern, die über Google OpenSocial erreicht werden können, auch ziemlich bedenklich wäre).

Im Kern besteht die Schnittstelle aus drei Hauptkomponenten:

  • People and Friends data API
    Hier sind Daten zu Profilen enthalten, sowohl dem eigenen als auch dem von Kontakten.
  • Activities data API
    Über die Aktiviäten-API können, wie der Name schon nahelegt, Aktionen des Users gelesen und geschrieben werden. Eine Aktion ist zum Beispiel, wenn ein User sein Profilbild ändert oder einen neuen Kontakt hinzufügt und enspricht somit am ehsten dem Newsfeed von Facebook.
  • Persistence Data API
    Diese enthält Daten, die von der Applikation gespeichert werden müssen. Wenn ich zum Beispiel eine Applikation schreibe, mit welcher ich Geschenke an andere User geben kann, muss schließlich auch irgendwo gespeichert werden, welches Geschenk ich welchem User gegeben habe

Wer mit der API herumexpermientieren will, findet derzeit leider nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten dazu. Man kann im Moment nur auf Orkut in einer Sandbox experimentieren, der Zugang dazu scheint aktuell aber nicht uneingeschränkt möglich zu sein. Das nach eigenen Angaben erste Social Network, welches die neue API implementiert hat, ist Plaxo, allerdings konnte ich bei einem kurzen Blick auf die Seite die Funktion nirgends entdecken.

Googles neueste API ist somit nichts weiter als ein Versuch, Applikationen in Social Networks (gibts dafür eigentlich schon einen trendigen Namen?) universell einsetzbar zu machen und zu standardisieren. Der Schritt ist auf jeden Fall sehr begrüßenswert und die Machtposition von Google hilft defintiv dabei, den Standard auch durchdrücken zu können. So wird genau im richtigen Zeitpunkt verhindert, dass jedes Social Network sein eigenes Süppchen zu kochen beginnt und Entwickler sich mit vielen unterschiedlichen API-Spezifikationen herumschlagen müssen.

Abgesehen davon bietet die API allerdings nichts wirklich Neues oder herausragend Innovatives. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen von einer Flut an Anwendungen überschwemmt werden, von denen bestimmt die ein oder andere nützliche dabei sein wird. Ich habe auch keinerlei Zweifel daran, dass OpenSocial sich auf breiter Ebene durchsetzen wird. Ich hoffe allerdings, dass es nicht dazu führt, dass ich künftig auch in Xing andauernd mit Schafen beworfen werde ;)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. André Wegner
    schrieb am 2. November 2007 um 20:03 Uhr (#)

    gibts dafür eigentlich schon einen trendigen Namen?

    Mir gefiele SNAps (Social Network Applications

  2. ikonos
    schrieb am 2. November 2007 um 20:09 Uhr (#)

    gibts dafür eigentlich schon einen trendigen Namen?
    Gibt ja den Begriff des Widgets…ist zwar nicht ganz richtig, geht aber in die Richtung und hat mit Web2.0 zu tun ;)

  3. ikonos
    schrieb am 2. November 2007 um 20:12 Uhr (#)

    Jetzt habe ich aber doch noch eine Frage…
    könnte man mit dieser API ein Portal bauen, was alle Netze zusammenfasst und über das sich auch alle Accounts verwalten lassen?

    ikonos

  4. Michael Osl
    schrieb am 2. November 2007 um 21:56 Uhr (#)

    @André: SNAPs find ich schon mal ziemlich gut ;)

    @ikonos: Ich denke schon, dass sowas machbar ist, indem man die Daten von einem Social Network über eine gemeinsame Datenquelle zu einem anderen transferiert und abgleicht. Ich weiß allerdings nicht, ob das nicht durch durch technische Limitierungen (zB um die Datensicherheit zu gewährleisten) beschränkt wird. Ich werd es mal versuchen, sobald mehrere Anbieter die Schnittstelle implementiert haben.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 3. November 2007 um 10:39 Uhr (#)

    Michael, noch einmal zum Verständnis: Wenn ich also bei Xing registriert bin und eine Applikation zu meinem Profil hinzufüge, dann laufen die zwischen meinem Xing-Profil und der App ausgetauschten Daten nicht über Google?

    Für mich ist die eindeutige Klärung dieses Aspektes sehr wichtig, denn es beeinflusst meine Bewertung von und meine Einstellung gegenüber OpenSocial sehr.

    1. Michael Osl
      schrieb am 3. November 2007 um 15:03 Uhr (#)

      Es sieht zumindest nicht so aus. Wenn man zum Beispiel die Spezifikation für den People-Feed anguckt sieht man, dass der Feed hier beispielsweise auf orkut.com (also der Webseite, wo die Applikation dann eingesetzt werden soll) aufgerufen wird.

  6. Michael Osl
    schrieb am 3. November 2007 um 15:18 Uhr (#)

    Techcrunch berichtet übrigens gerade, dass es bei Plaxo offensichtlich schon die ersten Sicherheitsprobleme mit einer App gab … Das wird noch spannend ;)

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