Trend:
deutsche Tech-Blogs werden professionell
Während im englischsprachigen Internet professionelles, hauptberufliches Bloggen schon seit einiger Zeit nichts Ungewöhnliches mehr ist und sich damit sogar richtig Geld verdienen lässt, werden im deutschsprachigen Raum nach wie vor die meisten Tech-Blogs (und natürlich auch alle anderen) als Hobby neben dem eigentlichen Beruf betrieben. Das hat den Vorteil einer völligen Unabhängigkeit und den Nachteil, dass nur stark begrenzte Zeit zum Bloggen (inklusive Newsbeschaffung) zur Verfügung steht. Der hiesige Internetmarkt ist bedeutend kleiner als der englisch-nordamerikanische, was Werbe- und Sponsoringumsätze deutscher, österreichischer oder schweizerischer Blogs niemals in die Dimensionen von TechCrunch & Co bringen wird. Das es aber auch hier Potential für hintergründige, analytische und investigative Profi-Tech-Blogs gibt, daran braucht nicht gezweifelt werden. Klassische Onlinemagazine und -zeitungen lassen hier mit wenigen Ausnahmen thematisch eine große Lücke.
Wie es aussieht, geht der Trend genau in diese Richtung. Am Sonntag erst stellte sich Peter Hogenkamp von der Blogwerk AG den Fragen des Interview Blogs und berichtete über sein wachstumsstarkes Unternehmen, das eigenständige und professionell geführte Blogs wie neuerdings.com, medienlese.com, imgriff.com und fokussiert.com unter einem Markendach vereint, vermarktet und weiter expandieren will. Am Montag dann gab man bei Gründerszene, dem vom Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski gesteuerten Projekt, bekannt, dass man aufgrund der ständig wachsenden Menge an News über interessante Startups einen hauptberuflichen Chefredakteur suche. Gestern folgte Exciting Commerce mit einer ähnlichen Meldung: “Exciting Commerce stößt langsam an Kapazitätsgrenzen” und sucht ein bis zwei engagierte (Partime-)Blogger/Analysten…”.
Professionelle Blogs haben den Vorteil, sich mit aktuellen Themen tiefer auseinandersetzen und mehr Zeit in das Selektieren und Bewerten von News stecken zu können (als Hobbyblogger investiert man einen Großteil seiner Freizeit, sofern man aktuell und relevant sein möchte). So wie es aussieht, wird die Informations- und Nachrichtenmenge allein in Bezug auf das, was bei Google und Facebook passiert, in nächster Zeit weiter ansteigen. Nur für die Berichterstattung über diese beiden Kandidaten könnte man einen Vollzeitblogger beschäftigen. Ich als Hobbyblogger werde dann eben einfach mit dem Schlafen aufhören.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.










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Schlaf wird eh überbewertet ;-) aber vielleicht bloggt das web 3.0 ja von alleine?
Hehe wollen wir das wirklich? ;)
Wenn man sich nur auf deutsche Inhalte konzentriert, wird es halt auch schnell langweilig – soll ich wirklich über 10 mamiwebs schreiben? In dem Bereich ist weniger die Zeit, vielmehr die Themenvielfalt das Problem …
Marc, völlig richtig. Nur über’s deutsche Web zu schreiben, wird extrem schnell langweilig – das große Problem von deutsche-startups. Aber das globale Netz bietet viel :)
Die Professionalisierung kann der deutschen Blogosphäre nur gut tun. Das wird ihr auch mehr Leser bringen, was wiederum die Qualität fördern könnte. Die klassischen Medien haben ja den Anschluss an bestimmte Themen (Google, Facebook) ohnehin schon weitgehend verloren, Heise vielleicht einmal ausgenommen. Spannende Zeiten also!
Heise hat bei mir auch einen “speziellen Ausnahmestatus”. Allerdings sind sie beim Thema Web 2.0 mit den Meldungen in der Regel einen Tag (oder mehr) zu spät.