Geht die Gründungswelle dem Ende zu?

Martin Weigert, 3. Oktober 2007 um 8.14 Uhr, 15 Kommentare Kommentare

Wenn ich meine täglichen Lesestunden in nationalen und internationalen Web-2.0-Blogs und -Magazinen der letzten Wochen rekapituliere, so verstärkt sich mein Eindruck, dass wir den Höhepunkt der Gründungswelle im Web 2.0 überschritten haben. Dabei handelt es sich erst einmal um ein rein subjektives Bild, bei welchem ich mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen lassen. Auch spreche ich nicht vom Platzen irgendeiner Blase oder davon, dass keine interessanten und spannenden Startups mehr das Tageslicht erblicken - ich weiß von einer Reihen von innovativen Anbietern, die derzeit ganz heimlich vor sich hin testen und wo ich nur auf das Ok warte, diese endlich in einem Posting vorstellen zu können. Was in meinen Augen jedoch merklich abgenommen hat, ist die reine Quantität an handfesten und ernstzunehmenden Web-Startups. » weiterlesen

Yahoo-Suche:
Jetzt besser als Google?

Andreas Göldi, 2. Oktober 2007 um 22.16 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Das derzeit häufig geprügelte Web-Portal Yahoo kündigte heute an, eine neue Version seiner Suchmaschine herausgebracht zu haben. Normalerweise lösen solche Ankündigungen nur kräftiges Gähnen aus, aber fairerweise kann man es ja mal kurz ausprobieren, was die Yahoo-Kollegen da hingekriegt haben. Gegen Google haben sie ja eh keine Chance. Denkt man.

Aber schauen wir uns mal ein paar typische Suchen mit willkürlich gewählten Themen an, im direkten Vergleich Yahoo vs. Google:

- “Welt”: Beide finden die gleichnamige Zeitung relevanter als den Wikipedia-Artikel zur Welt als solcher. Da freut sich der Verlag. Bei beiden schafft es auch die Zeitschrift “PC-Welt” in die Top 10. Google hat besser gefilterte Resultate, Yahoo mehr doppelte Treffer. Sieger: Google.

- “Lokführerstreik”: Yahoo bringt als zweiten Treffer einen Artikel vom Juni, der das Ende des Streiks ankündigt. Schön wär’s. Google bringt zusätzlich ein paar eher irrelevant scheinende Blogs, sonst sind die Treffer etwa gleichwertig. Sieger: Unentschieden.

- “Angela Merkel”: Beide führen die offizielle Homepage der Kanzlerin als Top-Treffer, Wikipedia als Nr. 2. Yahoo hat ein paar mehr redundante Treffer, dafür aber ein paar Informationen mehr aus Diskussionsgruppen. Sieger: Unentschieden.

- “Bill Clinton”: Yahoo listet in den ersten zehn Treffern alle wesentlichen offiziellen Quellen auf, dazu Mediensites wie die New York Times und CNN und auch eine Linksammlung zu “The Unofficial Bill Clinton”. Ausserdem werden noch verfeinerte Suchabfragen vorgeschlagen. Google hat sehr ähnliche Inhalte unter den ersten zehn, aber auch ein paar klar irrelevante Treffer wie z.B. einen Twitter-Feed von einem Witzbold, der sich als Bill Clinton ausgibt. Sieger: Yahoo.

- “Christoph Blocher”: Wiederum sehr ähnliche Inhalte, aber Google bringt auch einen prähistorischen Artikel aus der BusinessWeek von 1997 in den ersten zehn. Yahoo hat dafür gleich auch einen direkten Link auf ein Youtube-Video auf der ersten Seite, wo Blocher seine Liebe zu Kuhscheisse erklärt. Priceless. Sieger: Yahoo.

- “Blinddarmentzündung” (gewidmet meiner Schwester Barbara, die gerade mit einer solchen im Krankenhaus liegt): Yahoo will uns in den Werbelinks auf die Gesundheitsseite der Konkurrenz von Microsoft schicken. Merkwürdig. Sonst kriegt man diverse medizinische Artikel. Google ebenso. Für Erheiterung sorgt bei Google die Werbung: “Infos zu Blinddarmentzündung. Jetzt bei eBay mitbieten & kaufen!”. Na fein. Sieger: Unentschieden.

- “Henry Blodget”: Zum berüchtigten Internet-Analysten bringen beide Suchmaschinen diverse Medienlinks, aber Yahoo hat keinen Link zu Blodgets neuem Blog unter den ersten 10. Sieger: Google.

- “Blogwerk”: Auch da wieder kein grosser Unterschied. Google hat ein paar Blog-Treffer mehr, dafür ist Yahoos Liste eher etwas aktueller. Sieger: Unentschieden.

- “Cambridge”: Bei Yahoo erfährt man gleich in den ersten drei Treffern, dass es unter diesem Namen eine Stadt in England, eine berühmte Uni und eine Stadt in den USA gibt. Bei Google stehen ungefähr die gleichen Resultate, aber weniger schlau sortiert. Sieger: Yahoo.

- Und zuletzt noch der unvermeidliche Ego-Search nach “Andreas Göldi”: Beide Suchmaschinen finden die relevantesten Websites, Yahoo zusätzlich noch einen Link auf einen Lehrer an der Sekundarschule Frenkendorf, der so heisst wie ich. Google ist eher vollständiger. Sieger: Google.

Mit anderen Worten: Die beiden Suchmaschinen schenken sich nichts. Ein klarer Sieger ist nicht auszumachen. Wer mehr Wert auf Resultate aus der Blogosphäre legt, ist weiterhin mit Google besser bedient, dafür scheint Yahoo oft aktueller zu sein. Google filtert doppelte Site-Treffer besser aus, aber Yahoo integriert Multimedia-Quellen etwas besser.

Für einige der Suchbegriffe habe ich auch noch Microsofts Suchmaschine “Live Search” getestet. Resultat: Signifikant schlechtere Resultate. Microsoft bleibt klar hinter den beiden Konkurrenten zurück.

Wer aber Yahoo oder Google benutzt, hat derzeit echt keinen Grund, zu einer anderen Suchmaschine zu wechseln. Schade für Yahoo, dass der Trend klar Richtung Google zeigt. Die Markenstärke des Marktführers ist kaum angreifbar, und Yahoo ist auch in dieser neusten Version nicht besser, sondern nur gleichwertig.

Online Office:
Adobe Top, Microsoft Flop

Martin Weigert, 2. Oktober 2007 um 8.54 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Am 20. September stellte ich die Frage, wer angesichts der zunehmenden Popularität von Online-Textverarbeitung den Web-Office-Anbieter Zoho kaufen könnte. Am Rande erwähnte ich einige weitere Dienste in diesem Bereich, unter anderem auch Buzzword. Gestern wurde bekannt, dass Adobe das Unternehmen hinter Buzzword übernimmt und sich damit nach Google (Google Docs) und Yahoo (Zimbra) ein weiterer Technologiegigant seinen Anteil am erwartet großen Kuchen der Online-Office- bzw. Online-Software-Services sichern möchte. » weiterlesen

eBay im Sinkflug, Zennström tritt zurück:
Was wird aus Skype?

Andreas Göldi, 1. Oktober 2007 um 21.28 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

So schnell kann’s gehen im Internet-Business: Gerade noch war die allgegenwärtige Auktionsplattform eBay der unangefochtene König des eCommerce. Viele waren der Meinung, dass eBay nicht nur Online-Verkäufe, sondern die ganze Weltwirtschaft revolutioniert hat bzw. noch revolutionieren wird.

Ein paar Monate später sieht es schon wesentlich düsterer aus: eBays Besucherzahlen zumindest in den USA befinden sich im Sinkflug. Im Januar benutzten noch 80.7 Mio. User die Plattform, im August waren es noch 79.7 Mio. — während gleichzeitig die Zahlen der Konkurrenz deutlich stiegen. eBay musste gar Platz 5 im amerikanischen Ranking an Fox Interactive (u.a. MySpace) abgegeben.

Die Experten rätseln über die Gründe: Hat eBay den Anschluss verpasst und hätte früher ins Social Networking einsteigen sollen (denn mit seinen unzähligen treuen Usern wäre eBay da hervorragend positioniert gewesen)? Hätte man die antiquitiert wirkende Website früher auffrischen sollen? Oder sind die User einfach auktionsmüde geworden und kaufen sich lieber wieder was auf konventionellem Weg?

Und jetzt auch das noch: Heute ist Niklas Zennström zurückgetreten, der Gründer und bisherige CEO des von eBay vor zwei Jahren aufgekauften Internet-Telefonieanbieters Skype. Zennström wird sein Ausscheiden bei Skype (ausser in finanzieller Hinsicht) wohl kaum gross stören, er ist sowieso schon lange voll bei seinem neuen Startup engagiert, der Video-Plattform Joost.

Skype hatte es in letzter Zeit nicht leicht. Einem massiven Systemausfall im August folgen nun offenbar enttäuschende Geschäftszahlen. Die ursprünglichen Skype-Gründer und -Investoren bekommen vom Earn-Out, der zum Zeitpunkt der Akquisition auf maximal $1.7 Mia. festgelegt wurde, nur $530 Mio. Immer noch nett, aber weit von den erhofften Resultaten entfernt. eBay macht ausserdem eine Abschreibung von $1.4 Mia. auf Skype, fast 2/3 des ursprünglichen Cash-Kaufpreises. Die genauen Umsatzzahlen für Skype hat eBay noch nicht bekanntgegeben, aber man darf angesichts der Umstände davon ausgehen, dass sie nicht schön sein werden.

Wenn eBay da nicht aufpasst, könnte Skype in die Geschichte eingehen als typische Bubble-Firma: Viele User, viel Begeisterung, hohe Bewertung, aber leider kein Businessmodell, das dazu passt. Disruption ist prima. Aber wenn man sein Hauptprodukt gratis weggibt, bleibt immer die Frage, wie man am Schluss als Firma überlebt. Das mussten schon Netscape und unzählige Web-1.0-Firmen erleben.

Gastbeitrag:
Der Stand des Web 2.0 in Japan

Martin Weigert, 1. Oktober 2007 um 9.11 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Das Web 2.0 in JapanHeute gibt es zum ersten Mal einen Gastbeitrag bei zweinull.cc. Serkan Toto, Deutscher mit türkischen Wurzeln, schreibt im Moment in Tokyo an seiner Doktorarbeit in Betriebswirtschaft. Er spricht fließend Japanisch und beschäftigt sich intensiv mit der japanischen Internet- und Web-2.0-Szene, deren Entwicklung er in seinem Blog Tokyotronic beleuchtet und analysiert. Für zweinull.cc gibt Serkan einen Einblick in das, was im Land der aufgehenden Sonne im Moment unter dem Label Web 2.0 abläuft.

Der aktuelle Stand des Web 2.0 in Japan

Japan genießt weltweit einen Ruf als absolutes Technologie-Mekka. Da scheint es umso verwunderlicher, dass abgesehen von Videospielen bisher nur wenige Anwendungen aus dem Software- und Internetbereich ihren Weg in den Westen gefunden haben. » weiterlesen

 
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