Wird schülerVZ bald Holtzbrincks neuer Star?

studiVZ und schülerVZAuf die selbe Art und mit der selben Geschwindigkeit, wie StudiVZ zwischen Sommer 2006 und Sommer 2007 nahezu alle Studierenden Deutschlands zu Mitgliedern machte, breitet sich auch Holtzbrincks jüngerer Spross, schülerVZ, in seiner Zielgruppe aus. Im August 2007 konnte man nach nur fünf Monaten des Bestehens bereits eine Million Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vermelden, mittlerweile dürften es noch einige Hundertausend mehr sein. Während studiVZ in einer Reifephase angekommen ist, in der zwar die Mitgliederzahlen noch steigen, aber die ursprüngliche Kernzielgruppe Studierende fast komplett erschlossen wurde, hat schülerVZ noch einen großen, unbearbeiteten Markt vor sich.

Rund zwei Millionen Studenten stehen rund zwölf Millionen Schüler gegenüber, davon mindestens die Hälfte im Social-Networking-fähigen Alter. Und wo studiVZ vor der immer akuter werdenden Frage steht, wie man mit dem zu erwartenden Facebook-Boom in Deutschland umgehen wird, hat das jüngere schülerVZ keine ernstzunehmende Konkurrenz. Ob Schueler.CC, SchuelerCommunity.com, SchülerProfile, SchülerRegister oder spickmich.de – keine andere auf Schüler ausgerichtete Community in Deutschland verzeichnet einen nur annähernd vergleichbaren Mitgliederzuwachs. Dabei hat das exponentielle, durch den Netzwerk-Effekt begünstigte Wachstum bei schülerVZ gerade erst begonnen. Zwei Millionen Mitglieder zum Jahresende und das Erreichen der Viermillionen-Marke im Sommer 2008 sind durchaus möglich. Während für studiVZ graue bis leicht dunkle Wolken am Horizont aufziehen, sieht die Zukunft für schülerVZ mehr als rosig aus.


(Competes Statistik für Seiten aus Deutschland ist ungenau, als Trendmesser aber nützlich)

Könnte die Folge sein, dass in naher bis mittlerer Zukunft schülerVZ der neue Star des Holtzbrinck-Konzerns wird? Es spräche einiges dafür. Während Studierende und Young Professionals (junge Berufstätige nach dem Studium) durch Auslandssemester, Karrierevorbereitungen und Reisen vermehrt internationale Kontakte sammeln sowie generell globaler orientiert sind und damit mehr Nutzen von einem weltumspannenden Social Network wie Facebook haben, denkt der Großteil der Schüler in lokalen Mustern und hat nur in seltenen Fällen Freundschaften in anderen Ländern, die es zu pflegen gilt.

Das weitere Wachstum von schülerVZ bleibt daher höchstwahrscheinlich von einem baldigen Deutschland-Start Facebooks unberührt. Die Gefahr einer größeren Mitgliederwanderung von schülerVZ zu Facebook besteht nicht. Weil auch keine ernstzunehmenden Konkurrenten in Sicht sind, hat Holtzbrinck in schülerVZ eine sehr sichere, vorhersehbare Planungsgrundlage. Das öffnet zum einen die Tür für Investitionen in die Plattform (weil genug Zeit zur Refinanzierung besteht), zum anderen sind Schüler auch als Werbezielgruppe sehr interessant. Über sie erreicht man, wenn clever ausgeführt, auch die Eltern. Und selbst wenn heutige Studierende nicht mehr generell konsumfeindlich eingestellt sind, so gehören sie nach wie vor zum kritischsten Teil der Gesellschaft, der gerne beworbene Produkte und Dienstleistungen hinterfragt. Mit schülerVZ hat man solch ein Problem nicht.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Fokus im Hause Holtzbrinck in Zukunft stärker auf schülerVZ liegen wird. Doch was heißt das für studiVZ? Je nachdem, wie stark man sich dort durch Facebook bedroht fühlt, gibt es verschiedene Szenarien: a) Man relauncht studiVZ, erweitert die Zielgruppe offiziell um Alumni/Young Professionals, bringt neue technische Features und lässt sich auf den Wettbewerb mit Facebook ein. b) Man investiert nichts mehr in studiVZ und lässt den Dienst viral wachsen, solange es geht. Gleichzeitig versucht man, durch Werbung möglichst viel einzunehmen bzw. den Traffic für die Bewerbung anderer Holtzbrinck-Produkte zu nutzen. Am Ende steht das finale Ziel, mindestens den Kaufpreis von 100 Millionen Euro (inklusive aller angefallenen Personal- und Betriebskosten) zu amortisieren. c) Man konzentriert sich auf schülerVZ und verkauft studiVZ gewinnbringend (z.B. an Facebook). Welche Variante ist wohl am wahrscheinlichsten? Welche gibt es noch?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. Ich denke, dass studivz einen Vorteil hat. Es ist sowas von verdammt konservativ, dass man einerseits, vielleicht den ein oder anderen an Facebook verliert, dennoch schafft man es durch die Usability auch Studenten mit geringeren “Internet-Affnität” zum social networken zu bewegen. Diese Leute werden nicht, zu facebook wechseln.das finde ich selbst mittlerweile zu überladen. Daher ergibt sich für Studivz auf dauer eine Art Teleonbuchcarakter – großes Verzeichnis, welches reinnutzenbezogen ist und eine sehr lange ausdauer hat.
    daher wird sich glaube ich holzbrink auf keine fall mit facebook messen wollen. ich glaube sogar sie “scheißen” auf facebook. Denn allein von der Felxibilität haben sie gar keine chance sich zu messen, glaub das wissen sie auch. daher sammeln sie jetzt einfach jede Zielgruppe in verzeichnissen :D

  2. Du hast nicht Unrecht damit, dass der Minimalismus von studiVZ dem ein oder anderen (nicht internetaffinen) Studierenden gefällt und Facebook manch einem zu überladen erscheint. Doch die Frage ist, ob diese Leute studiVZ wirklich treu bleiben werden, wenn 40 Prozent der Kommilitonen dort nicht mehr sonderlich aktiv sind und stattdessen Facebook nutzen.

  3. ich sehe ehrlich gesagt auch eine in zukunft abnehmende aktivität bei studivz. doch alle die, die zu facebook wechseln werden ihren studivz account behalten, denn dort sind einfach leute die sie über facebook nicht erreichen können. ich glaube einfachmal , dass die, die sich jetzt entschieden haben sich ” auch mal bei diesem studivz§ angemeldet haben, in den nächsten monaten schon wieder auf facebook umsteigen. ich glaube daher dass es eher dazukommt, dass es Doppeluser StudiVz und Facebook gibt, als das es einen User-Wanderung von StudiVz zu Facebook gibt.

  4. Na mal sehen, ob der Großteil der User das durchhält. Ich bin da eher skeptisch, zumindest langfristig gesehen. Aber warten wir mal ab, was passiert. Uns steht eine spannende Zeit bevor, das ist sicher!

  5. Hast recht. Sehr langfristig gesehen könnte das natürlich anders aussehen. Warten wir es ab… :D

  6. Kluge Analyse!

  7. Danke!

5 Pingbacks

  1. Die Schattenseite des Facebook-Booms: Anarchie » Beitrag » zweinull.cc sagt:

    [...] auch Wird schülerVZ bald Holtzbrincks neuer Star? Exklusiv: Demographie der deutschen Facebook-Nutzer Von wegen Englisch-Abneigung – Facebook [...]

  2. Facebook macht studiVZ in Frankreich Strich durch die Rechnung » Beitrag » zweinull.cc sagt:

    [...] die westeuropäischen studiVZ-Ableger einstampfen, aus strategischen Fehlern lernen und es lieber mit schülerVZ im Ausland [...]

  3. Holtzbrinck liebt Schüler und startet Tutoria » Beitrag » zweinull.cc sagt:

    [...] von den Schwankungen des Werbemarktes. Gleichzeitig befindet man sich Dank schülerVZ, Deutschlands populärstem Social Network für Schüler, extrem nah an der Zielgruppe. schülerVZ bietet vielfältige [...]

  4. Nielsen Online: schülerVZ war wachstumsstärkste Website 2007 in Deutschland » Beitrag » zweinull.cc sagt:

    [...] Jahr die größten Besucherzuwächse in Deutschland verzeichnen konnten. Laut Nielsen Online ist Holtzbrincks Schülernetzwerk schülerVZ mit einem Besucherzuwachs von 333 Prozent im Jahresverlauf die wachstumsstärkste [...]

  5. Zehn Gründe, warum Facebook studiVZ kaufen könnte » Beitrag » zweinull.cc sagt:

    [...] eines Facebook-studiVZ-Deals diverse ungeklärte Fragen, allen voran die, ob das für die Zukunft wahrscheinlich besser aufgestellte schülerVZ ebenfalls Gegenstand einer solchen Übernahme wäre. Dies werden wir [...]

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