Leopard und Vista:
Der Personal Computer ist definitiv langweilig geworden

Andreas Göldi, 28. Oktober 2007 17:42 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Mit einigem Getöse hat Apple letzte Woche die neue Version von Mac OS X, Codename Leopard, auf den Markt gebracht (mein Testbericht dazu drüben bei neuerdings.com). Damit sind jetzt beide Plattformen, Windows und der Mac, dieses Jahr mit langerwarteten neuen Betriebssystemen rundumerneuert worden.

Und was haben wir davon? Fast nichts.

Das herausragendste neue Feature von Leopard ist … eine Backuplösung. Wie aufregend. Und bei Vista war die bemerkenswerteste Neuerung, dass Viren und Trojaner die Maschine nicht gerade sofort übernehmen können, sondern erst nachdem der User eine der etwa alle drei Minuten auftauchenden nervigen Sicherheitsabfragen weggeklickt hat. Tolle Leistung.

Selbst bei der Lektüre ausführlicher Featurelisten zeigt sich ein eher trostloses Bild: Die eine Partei hat etwas stärkere Multimediatools, dafür hat die andere ein besseres eingebautes Kalenderprogramm.

Prima. Die letzte wirklich produktivitätssteigernde Neuerung war vermutlich Volltextsuche über die eingebaute Harddisk. Und die Einführung dieses Features (im Betriebssystem oder mit kostenlosen Zusatztools) ist jetzt auch schon etliche Jahre her. Um wenigstens noch den Anschein von Innovation zu wahren, werfen beide Systemwelten mit allerlei 3D- und Transparenzeffekten um sich, die auch nach etwa zwei Tagen langweilig werden und dann nur noch nutzlos CPU-Zeit fressen.

Es könnte nicht klarer sein: Der Personal Computer, ob unter Windows oder Mac OS, ist eine reife und daher langweilige Plattform geworden. Die Hersteller optimieren nur noch Details, keiner traut sich, mal grundlegend neue Ansätze zu wagen. Das ist auch nicht sehr erstaunlich, denn der letzte Versuch zur Einführung eines neuen Benutzungsparadigmas — der Tablet PC bzw. der UMPC — ist grandios gescheitert. Wohnzimmer-Multimedia-PCs spielen ebenfalls praktisch keine Rolle im Markt. Spezialisierte, preiswerte Geräte dominieren weiterhin die Unterhaltungselektronik.

Die echten Innovationen passieren längst woanders, und zwar natürlich im Internet, teilweise auch bei den Mobiltelefonen. Kein Wunder, dass Microsoft verzweifelt grosse Summen in Internet-Firmen investiert. Und auch kein Wunder, dass Apple das “Computer” aus dem Firmennamen gestrichen hat und sich zunehmend auf lukrative Mobil-Gadgets konzentriert. Für beide Firmen bleibt der Personal Computer finanziell die solide Basis des Erfolgs, aber die Zukunft liegt ganz offensichtlich woanders.

Und der PC mutiert zunehmend zur aufwendigen Browser-Ausführungsplattform.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Friedhelm Brust

    schrieb am 29. Oktober 2007 um 02:25 Uhr (#)

    “Das herausragendste neue Feature von Leopard ist … eine Backuplösung. Wie aufregend.”

    “Time Machine” war für mich persönlich der wichtigste Grund, warum ich mir Anfang Oktober einen Apple Computer gekauft habe. Geliefert wurde er mit dem Vorgänger-Betriebssystem. Von daher bin ich fast ein wenig neidisch auf Sie. ;-)

    “Der Personal Computer … ist eine reife und daher langweilige Plattform geworden.”

    Langweilig? Also für meinen Geschmack liefen (zumindest meine) PCs viel zu selten geschmeidig. Seit bald einem Jahr kämpfe ich sogar fast täglich darum, dass mein Alltagsgeschäft weiter geht. Und auf Microsoft bin ich sauer. Anfang diesen Jahres kaufte ich einen Vista-fähigen PC (und Windows XP mit Update-Berechtigung). Die Bestellung des “Express Upgrade” konnte ich nicht abschließen. Ich habe keine Kreditkarte. Alternative Zahlungswege? Kulanz? Fehlanzeige.

    Übrigens, ich finde, dieser Artikel könnte auch “Betrachtungen zur Desktop Betriebssystem Konvergenz” lauten. ;-)

  2. Friedhelm Brust

    schrieb am 29. Oktober 2007 um 02:25 Uhr (#)

    Ihre Systemuhr geht falsch.


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