“Goopple”:
Die Zukunft des Personal Computing?
Nick Carr gehört zu einer seltenen Sorte von Fachjournalist: Er sagt oft Dinge, die eigentlich in der Luft liegen, in erfrischend klarer und direkter Art. Vor Jahren empörte sein Artikel “IT Doesn’t Matter” die IT-Prominenz, weil Carr dreisterweise behauptete, dass Informationstechnologie längst kein strategischer Heilsbringer mehr, sondern ganz normale geschäftliche Basisinfrastruktur ist. Dem würden inzwischen gar nicht mehr viele widersprechen.
Sein neuster Artikel beschäftigt sich wieder mal mit der Zukunft der Computerei. Und seine Behauptung ist ebenso interessant wie potentiell kontrovers: Google und Apple, so Carr, basteln im Hintergrund zusammen am PC der Zukunft. Auf selbigem wird (natürlich) Mac OS X laufen, er wird sehr billig ($199 oder so) und energieeffizient sein, und er wird voll in Googles gigantische Dateninfrastruktur in der “Internet-Wolke” eingebunden sein. Applikationen, Content, Softwareupdates, Backups — das alles wird automatisch aus Googles Datenwolke geliefert und wird mit dem schicken Apple-Frontend nutzbar sein.
Diese Spekulation macht natürlich gleich auf mehreren Ebenen Sinn: Dass Apple die Firma mit den derzeit besten Frontend-Fähigkeiten ist, stellt wohl spätestens seit dem iPhone kaum noch jemand in Frage. Und Googles Dominanz im Internet, ermöglicht unter anderem durch seine enorme Serverinfrastruktur, ist ebenso unbestritten. Die beiden Firmen würden sich also ideal ergänzen.
Institutionell sind sie schon längst verbunden. Google-Chef Eric Schmidt sitzt in Apples Board of Directors. Intels CEO Paul Otellini, seit Apples Umbau auf Intel-Chips der vielleicht wichtigste Partner des Mac-Herstellers, sitzt bei Google im Board. Und: Apple-Verwaltungsrat und Nobelpreis-/Oscar-/Emmy-Gewinner Al Gore ist schon lange ein wichtiger Berater (und Grossaktionär) von Google.
Bis auf die Google-Maps-Version und Youtube-Integration im iPhone war bisher die Zusammenarbeit auf Produktebene noch nicht sehr offensichtlich, aber es gibt erste Signale, dass die Firmen tatsächlich eine engere Kooperation testen. In der neusten Version von Apples Videoschnittprogramm iMovie können fertige Clips mit nur einem Mausklick auf die Videoplattform YouTube hochgeladen werden (die bekanntlich zu Google gehört), und auf Apples Webbrowser Safari ist Google die einzige vorkonfigurierte Suchmaschine. Alternativen zu diesen Voreinstellungen gibt es in beiden Programmen nicht. Ist das ein Vorgeschmack auf mehr “Goopple”-Produkte?
Eine engere Zusammenarbeit mit einer gemeinsamen Hardware/Software-Kombination würde strategisch enorm viel Sinn machen. Google spielt, wenn man den Gerüchten glauben darf, schon länger mit der Idee eines eigenen Betriebssystems, Billig-PCs und/oder Mobiltelefons. Der Konzern muss über das heutige werbebasierte Geschäftsmodell hinaus in anderen Gebieten wachsen, wenn er seine enorme Börsenbewertung rechtfertigen will. Mit einer Apple-Allianz würde man sich auf einen Schlag in die technisch beste und derzeit am schnellsten wachsende Produktfamilie einkaufen, statt selber bei Null anfangen zu müssen. Und Apple hat es trotz iPod-Dominanz nicht geschafft, bei Internetdiensten zu einem wichtigen Player zu werden. Eine bessere Partnerschaft als mit Google kann man sich da kaum denken. Selbst unternehmenskulturell würden Googles eher geheimniskrämerische Ingenieurskultur und Apples oft fast schon sektiererischer Produktfanatismus gut zusammenpassen. Ach ja, und beide Firmen haben natürlich einen gemeinsamen Erzfeind: Microsoft.
Wäre so ein preiswerter Google-Apple-PC mit schönem Userinterface und vollintegrierten Internetdiensten eine echte Alternative zur herrschenden Windows-Dominanz? Nun, für Konsumenten, Selbständige und Kleinunternehmen ohne Zweifel. Es gibt in diesen Segmenten schon heute kaum noch einen guten Grund, sich die unnötige Komplexität eines Windows-PCs anzutun. Ein schlüsselfertiges, hochintegriertes Produkt, das auch noch von zwei hochangesehenen Firmen hergestellt wird, würde vermutlich vielen den endgültigen Anstoss zum Wechsel geben. Etwas anders sieht es für grössere Unternehmen aus: Da ist die installierte Basis oft so gross (und schwerfällig), dass ein Plattformwechsel enorme Kosten auslösen würde. Und ausserdem haben die meisten Firmen immer noch ein (Vertrauens-)Problem damit, ihre Daten ausserhalb der Unternehmensmauern zu speichern, auch wenn das ökonomisch vermutlich schon lange mehr Sinn machen würde.
In einer Hinsicht wäre eine “Goopple”-Plattform gegenüber dem Microsoft-Status-Quo wohl kaum eine Verbesserung: Offenheit. Apple und Google sind ausgesprochen intransparent operierende Firmen, die ihre Partner öfters mal nicht gerade besonders gut behandeln. Ein Erfolg so einer Allianz wäre also vielleicht nur die Ablösung eines Monopols durch ein neues. Etwa so, wie damals beim letzten Generationenwechsel Microsoft das IBM-Quasimonopol abgelöst hat.










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Sehr spannender Artikel. Fand ich super interessant und logisch argumentiert. Ich kann mir das auch serh gut vorstellen das beide Unternehmen verstärkt Kooperationen eingehen werden. Bin gespannt was in dieser Hinsicht noch kommt.
“Nobelpreis-/Oscar-/Emmy-Gewinner Al Gore”
Der Vize-Titel tut schon nichts mehr zur Sache :-)
Ja ein guter Artikel, scheint sich was anzubahnen, Apple weiterhin auf Mainstream-Kurs und Google fände mal ein zweites Standbein (wobei das einbeinige Werbegeschäft aktuell mit 3 Milliarden Gewinn in 9 Monaten nicht übel ist).
Für mich persönlich ist das leider kein Produkt, überhaupt hab ich zurzeit die ärgste Krise. Seit 15 Jahren bediene ich PCs (abundzu Mac) und nächstes Jahr muss ein neues Gerät her, trotz aller Innovationen bin ich ratlos…ein Mac beschränkt mich Hardwareseitig auf einen Anbieter, ein PC das selbe Szenario nur Softwarseitig (Angst vor Vista!) und Linux fehlen einfach die Multimedia-Skills, die ich zum arbeiten brauche…eine sehr unlustige Situation und es wär mir lieber Google (oder ein anderer Milliarden-Laden) würde dieses Manko lösen…
Goopple darf man mittlerweile wohl als RIP bezeichnen. Schade.