Startup verhilft Stempel zu neuem Ruhm – Fabian Sauter von Gleeme im Interview
Gleeme bietet Nutzern die Möglichkeit, kostenlos ein Profil anzulegen und zu ihren Accounts bei anderen Web-2.0-Diensten und Instant Messengern zu verlinken. Wer will, kann den Gleeme-Taschenstempel erstehen und damit seine Gleeme ID anderen Personen auf die Hand oder den Arm stempeln. Über die Eingabe der ID auf Gleemes Website gelangt diese Person dann zum Profil des Stempelbesitzers. Ausgedacht haben sich das Konzept die drei Studenten Fabian, Florian und Marco. Fabian Sauter, einer der drei Gründer, stellt sich im Interview meinen neugierigen Fragen.
Anfangs war ich mir nicht sicher, ob das mit dem Stempel nicht nur ein Gag war. Aber ihr meint das ernst, oder?
Naja, vielleicht ist die Stempelidee ein wenig verrückt, aber es handelt sich tatsächlich um ein
ernstgemeintes Projekt.
Welche Szenarien schweben euch vor, in denen der Einsatz von Gleeme sinnvoll ist?
Um Gleeme nutzen zu können, muss man nicht zwangsläufig einen Stempel kaufen. Jedoch bestand schon immer ein gewisser Reiz darin, einer netten Bekanntschaft auf einer Party seine Telefonnummer zum Abschied auf den Arm zu schreiben. Und genau das nimmt der Taschenstempel auf und überträgt dabei auch noch mehr Informationen. Manchmal ist es ja auch einfacher, zuerst per Instant Messenger wieder mit dem oder derjenigen in Kontakt zu kommen. Auch im Urlaub ist der Taschenstempel ein nützlicher Begleiter, mit einem Handgriff kann ich mit anderen Adressen, Telefonnummern und mit Hilfe diverser Photo Communitys wie z. B. flickr auch meine Urlaubsbilder tauschen.
Der Stempel kostet 9,99 Euro. Es wird nicht leicht werden, die Leute davon zu überzeugen, dieses Geld zu investieren. Wieso bietet ihr nicht auch eine Basic-Version in Form von zehn gedruckten Visitenkarten für wenige Euro oder gar gratis an?
Wir haben natürlich auch die Möglichkeit einer Visitenkarte in Betracht gezogen. Das Problem sind hier gratis Kleinauflagen ohne Branding, sprich lediglich zehn Stück sind kaum zu bekommen. Auch das weltweite Porto können wir bei Gratis Visitenkarten leider (noch) nicht für unsere Nutzer übernehmen. Wir schließen aber nicht aus, dass es in ein paar Wochen auch Visitenkarten mit der eigenen URL bei uns gibt, sofern es von Seiten unserer Nutzer entsprechende Wünsche gibt.
An wen richtet ihr euch, wenn wollt ihr mit Gleeme ansprechen?
Unsere Zielgruppe sind alle diejenigen, die Profile bei verschiedenen Seiten haben, diverse Instant Messenger nutzen und die schnell und unkompliziert all ihre Kontaktdaten weitergeben möchten. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren immer mehr Menschen die vielfältigen Kommunikationsmittel im Internet nutzen werden. Daher möchten wir uns nicht auf eine bestimmte Altersgruppe festlegen, bisher zeichnet sich auch bei den Anmeldungen dahingehend nichts ab, es ist alles dabei von 12 bis 55 Jahren.
Wie wollt ihr Gleeme bekannt machen?
Marco hatte einige spannende Konzepte für Plakatwerbung, Flyer, Aufkleber und einen TV Spot
ausgearbeitet. Nachdem nun die Budgetierung erledigt ist und unser Controlling die Gelder
freigegeben hat, werden wir die nächsten Tage mit der Umsetzung beginnen. Nein, Spaß beiseite. Die Konzepte gibt es zwar und es ist auch alles startbereit, aber da wir Studenten sind und unsere finanziellen Mittel all dies im Moment nicht zulassen, sind wir gerade dabei, ein Low-Budget-Marketing zusammenzubasteln. Ansonsten hoffen wir natürlich, dass all diejenigen, die jetzt schon einen Taschenstempel besitzen, fleißig am Stempeln sind und uns dabei helfen, Gleeme in die Öffentlichkeit zu tragen.
Wie wollt ihr mit Gleeme Geld verdienen (sofern ihr das wollt)?
Die Arbeit zu Gleeme haben wir nicht begonnen, weil wir dachten, auf eine Goldgrube gestoßen zu sein. Doch die Idee erschien uns gut genug, um sie nicht fallen zu lassen. Also haben wir Gleeme vor die Umsetzung einer anderen Idee gezogen, um durch dieses Projekt auch unser Team einzuspielen. Nun da Gleeme umgesetzt ist, werden wir natürlich versuchen, unsere Arbeitszeit zu entlohnen. Eine Möglichkeit sehen wir in Kooperationen mit anderen interessanten Diensten, wobei wir im Moment dahingehend noch nichts verraten wollen. Momentan liegt unser Fokus aber darauf, die Stempel billiger herstellen zu lassen, damit wir die Preise für unsere Nutzer senken können. Bislang verdienen wir daran ja keinen Cent, da wir die Bestellungen direkt weiterreichen. Sowie uns dies gelingt haben wir auch etwas Geld zur Verfügung, das wir direkt ins Marketing fließen lassen werden.
Was sagen eure Freunde und Bekannten zu der Idee?
Unsere Freunde haben uns bei der Entwicklung von Gleeme sehr weitergeholfen. Wir haben uns vor allem an ihren Ratschlägen orientiert, um die Benutzerführung zu optimieren. Auch deren
Vorschläge für Funktionen haben wir soweit wir es bisher schaffen konnten umgesetzt.
Ihr startet direkt in verschiedenen Sprachen. Das ist ein smarter Zug, um die potentielle Reichweite zu erhöhen. Welche Sprachen sind noch geplant? Gibt es denn auch Support und Mailbeantwortung in all diesen Sprachen? Wer macht das?
Wir sind natürlich bestrebt, so viele Sprachen wie möglich zu integrieren. Da wir selbst nicht alle
Sprachen sprechen, sind wir auf Hilfe anderer angewiesen. Beispielwiese hat mir ein Nutzer nach kurzem Mailkontakt die Seite ins Spanische übersetzt. Auch die italienische Version ist so
entstanden. Dank Bekannter und Freunde kommen in den nächsten zwei bis drei Wochen
außerdem noch Arabisch, Türkisch und Chinesisch hinzu. Momentan bieten wir unseren Nutzern Support auf Englisch, Französisch und Deutsch. Um weitere Lokalisierungen anbieten zu können, arbeiten wir gerade ein System aus, um Gleeme-Mitglieder in den jeweiligen Ländern in unser Team zu integrieren. Diese könnten dann je nach Zeit auch Support in Landessprache bieten. Durch diese Mitwirkung werden wir auch versuchen, auf lokale Thematiken einzugehen.
Welche Web-2.0-Dienste begeistern dich? Welche Blogs liest du (ohne
zweinull.cc zu nennen)?
Angetan hat es mir momentan besonders shelfmates, die Idee finde ich klasse und schön umgesetzt. Außerdem natürlich Lafraise, ich liebe diese Shirts! Meine täglichen Blogs sind Mashable, TechCrunch, Lifehacker, Basic Thinking Blog und gründerszene. Ansonsten lese ich täglich heise online und Zeit online.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.








Artikel per RSS
Dirk
Wirklich nette Idee, besonders die Geschichte mit der Stempel-ID. Mir stellt sich natürlich die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, alle Communities und Web2.0-Geschichten aufzulisten, in denen ich aktiv bin.
Was passiert z.B. wenn mein eventuell zukünftiger Chef vorm Vorstellungsgespräch meinen Namen bei Google eingibt und dann auf die Gleeme-Profilseite kommt? Da sieht er dann vielleicht, was ich in meinem Blog so schreibe, welche pikanten Seiten ich gern besuche und gebookmarkt (z.B. über das verlinkte Profil bei Mister Wong) habe.
Habe ich vielleicht auch meinen eBay-Nick angegeben, sieht er auch gleich, was ich so kaufe und/oder verkaufe.
Für mich ist diese Seite also aktuell nicht zu gebrauchen, es sei denn, man kann das Profil so instellen, dass die Daten ausschließlich über die ID-Eingabe auf der Gleeme-Seite abgerufen werden können.
Peter
Ist das nicht gerade der Gedanke am Web 2.0? Wer in den einzelnen Profilen zuviel über sich verrät ist manchmal sowieso schon verloren. Das ganze Web 2.0 ist in dieser hinsicht bedenklich.
Niklas
Die Idee geht in die richtige Richtung – es wird immer interessanter, seine Identitäten bei verschiedenen Web 2.0-Diensten zusammenzuführen und soziale Netzwerke über Community-Grenzen hinweg zu verwalten. So richtig geht das natürlich erst mit echtem Identitätsmanagement.