Warum ich Skype nicht mehr missen möchte
Skype hat es momentan nicht leicht. Der bekannte VoIP-Dienst scheint sich nicht nur zum Sorgenkind seines Besitzers eBay entwickelt zu haben, sondern ihm wird von einigen Medien angesichts der zunehmenden Verbreitung von Telefonflatrates und zahlreichen Konkurrenzangeboten bereits ein Verlust an Relevanz nachgesagt. Ob Skype bei den Usern tatsächlich an Bedeutung verliert oder sich manch ein Redakteur lediglich zu solchen Feststellungen hat hinreißen lassen, um das Bild des untergehenden Tankers zu zeichnen, weiß ich nicht. Aus meinem Alltag jedenfalls ist Skype nicht mehr wegzudenken und Galaxien davon entfernt, durch eine Alternative ersetzt zu werden.
Natürlich spielt mein derzeitiger Auslandsaufenthalt hier eine wichtige Rolle. Dank Skype und vor allem SkypeOut lassen sich die Kosten für Telefonate ins Heimatland radikal minimieren. Doch zumindest temporäre (Dienst)reisen ins Ausland sind für viele von uns keine Seltenheit mehr, so dass früher oder später fast jeder in eine Situation kommt, in der er/sie von Skypes Sparpotential profitieren kann. Damit fängt der Skype-Spaß aber erst an. Wer sich und seinen Freunden in der Heimat noch etwas mehr Luxus gönnen will, besorgt sich mit SkypeIn eine herkömmliche Telefonnummer. Pro Monat kostet das fünf Dollar, und dann kann mich jeder über meine Berliner Telefonnummer erreichen, egal wo auf der Welt ich mich befinde. Für die Fälle, in denen man nicht mit Skype online ist, gibt es einen Anrufbeantworter, der mir beim nächsten Skype-Start alle eingegangen Anrufe serviert.
Ich gebe zu, manchmal ist es nervig, zum Telefonieren am Computer sitzen zu müssen. Daher habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, meine Skype-Nutzung unabhängig vom Notebook zu machen und diese auch gefunden: fring. Das Unternehmen aus Israel bietet einen kostenlosen Client, der Skype sowie diverse Instant Messenger auf einer steigenden Zahl von Symbian-Mobiltelefonen verfügbar macht. Skype selbst bietet bisher lediglich eine Version für Windows Mobile, nicht jedoch für Symbian-Handys. Nach einigen nicht so erfolgreichen Tests läuft fring mittlerweile problemlos auf meinem Nokia E65, und dank dessen WLAN-Fähigkeit bin ich in meiner gesamten Wohnung über meine Berliner Festnetznummer ohne Zusatzkosten auf meinem Handy erreichbar, obwohl ich mich gar nicht in Deutschland befinde. fring unterstützt auch SkypeOut und das reguläre Instant Messaging.
Was zu meiner “Skype always on”-Vision noch fehlt, ist eine erschwingliche UMTS-Datenflatrate, so dass ich Skype via fring auch außerhalb der Reichtweite meines WLAN-Netzes nutzen kann. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Die Kombination von SkypeOut, SkypeIn und fring machen den Dienst für mich persönlich unersetzlich. Je nachdem, wann und wo man Telefonate führt, fällt die Beurteilung der Nützlichkeit von Skype natürlich unterschiedlich aus. Ich möchte diesen Service aber nicht mehr missen und hoffe, dass es eBay gelingt, den Skype-Umsatz zu steigern, ohne die Kosten stark zu erhöhen oder die Nutzerfreundlichkeit einzuschränken.
Wie steht ihr zu Skype?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
» Mehr lesen: fring (3), Skype (7), voip (5)
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10 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- Meilenstein: Skype startet Beta-Version von mobilem Java-Client » Beitrag » zweinull.cc
(25. April 2008 18:01)
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ikonos
Hallo,
ob Skype das Sorgenkind von Ebay ist, will ich nicht beurteilen… Ebay scheint ja auch noch andere probs zu haben im Moment (weniger User, API usw…).
Ich selbst nutze immernoch Skype um nach Australien zu telefonieren, wobei ich das mitlerweile auch schonmal mit Peterzahlt mache.
Du sprichst die Flatrates an, die es inzwischen gibt, ich denke Skype hat eines bewirkt, es hat VoIP bekannt gemacht und somit telefonieren erheblich vergünstigt. Die Flatrates sind ja wahrscheinlich nur entstanden, um Skype (und anderen Diensten) Konkurenz zu machen.
Wer weiß, vielleicht würden wir ohne die Einführung von Skype immernoch sekundengenau bezahlen ;)
Viele Grüße
ikonos
Martin Weigert
Guter Punkt. Skype hatte sicherlich positiven Einfluss auf Preise und andere Innovationen im Telko-Bereich.
Aaron
Ich finde Sipgate besser. Mit meinem Nokia E61i melde ich mich mit der integrierten SIP-Software bei Sipgate an und telefoniere ganz normal aus meinem Adressbuch raus - nur dass ich statt der grünen Taste Optionen-> Internetanruf wähle - keine Extra Software oder Ladezeiten und angerufen werden funktioniert auch wunderbar (sollte auch mit deinem E65 gehen). Auch ich habe fring gestestet, doch für mich ist es keine Ideallösung immer eine extra Software zu starten. Die von dir beschriebenen Vorteile (Ortsnummer, etc.) bietet sipgate oder jeder andere standartisierte VoIP-Dienst auch.
Aaron
Was ich noch vergessen habe: Mein Partner auf unserem Blog vertritt eine ziemlich genau gegensätzliche Meinung zu deiner. Vielleicht interessiert es dich ja: http://blog.aplh.de/?p=19
Martin Weigert
Hallo Aaron. Danke für den Link. Ich finde gar nicht, dass dein Kollege eine so gegensätzliche Meinung hat. Er hat ja auch gar nicht Unrecht, wenn er Skype noch nicht das normale Telefon ersetzen sieht. Denn soweit sind wir ja wirklich nicht. Zudem bezieht er sich auf die PC-Bindung, die dank fring & co ja aufgehoben werden kann.
Zu Sipgate: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Tatsache, auf das Drittprogramm verzichten zu können, sehr angenehm ist. Gleichzeitig fungiert Skype eben auch als Instant Messenger und ich sehe, wer von meinen Freunden online ist. Ich kann mit denen chatten und die, die online sind, kostenlos anrufen. Beides geht mit Sipgate nicht, oder?
Skype ist ganz einfach “social”, Sipgate ist pure Technik.
Aaron
Da hast du recht. Mit Sipgate kann man nicht chatten. Ich muss zugeben, dass ich deshalb fring immernoch verwende um über MSN zu chatten. Nur eben zu telefonieren finde ich es nicht so elegant. Zudem war mir die SkypeIn-Nummer etwas zu teuer, da sie bei Diensten wie Sipgate kostenlos ist.
Als ich neulich in London war hat mich Sipgate wirklich engültig überzeugt. Denn dort wimmelt es nur so von öffentlichen Netzwerken und ich konnte im Cafe (und auch sonst überall) in bester Sprachqualität und ohne zeitliche Verzögerungen nach Hamburg telefonieren. Die Qualität war besser als das Festnetz in meinem Hotel. Skype habe ich dort allerdings nicht getestet. Ich nutze VoIP aber eh nur dazu auf Festnetz- oder Mobilnummern anzurufen, da die Person just an dem Zeitpunkt, an dem ich sie erreichen möchte eh selten online ist.
Grüße
Aaron
ikonos
@Aaron: Gibts diese integrierte SIP-Gatesoftware auch irgendwo zum Download?
Aaron
Die ist bei der Nokia E-Series vorinstalliert. Ob die auch bei anderen WLAN-fähigen Geräten von Nokia vorinstalliert ist weiß ich nicht, ebenso auch nicht ob es die irgendwo nachträglich zum Download gibt. Ich glaube aber, dass die Software neueren WLAN-fähigen Smartphones vorbehalten ist.
marcel weiß
Das Problem mit Skype ist das Gleiche wie mit ICQ&co. Solche kommerziellen, zentralistischen Kommunkationsnetze sind sehr viel anfälliger für Totalausfälle als denzentrale Alternativen wie Jabber. Man denke hier nur an die Ausfälle bei Skype erst vor wenigen Tagen. Mit Jabber (das auch Voip ermöglicht) kann nie das ganze Kommunikatons-Netz ausfallen.
Natürlich fehlt den Alternativen die Durchdringung von Skype. Leider.
Aber eine Welt in der es mit Skype einen globalen Monopolisten in der Kommunikation gibt von dem alles abhängt, finde zumindest ich ziemlich unheimlich.
Erstaunlich, dass Du kein Wort darauf verwendest.
Martin Weigert
Hi Marcel. Ich sehe Skype weder momentan noch in Zukunft als Monopolisten und damit auch keine Notwendigkeit, derartige Bedenken in obigem Beitrag zu äußern. Und Stichwort Totalausfall: Abgesehen von den zwei Tagen letztens hatte Skype in all den Jahren eine extrem herausragende Uptime. Von daher ist Skype ein gutes Beispiel dafür, dass zentralistische Kommunikationsnetze nicht zwangsläufiger anfälliger sind für Totalausfälle ;)