Black Fluorine – Internet-TV-Sensation oder purer Übermut?

blackfluorine.gifEin geheimnisvoller, neuer Internet-TV-Dienst mit dem Arbeitstitel “Black Fluorine” kündigt seinen baldigen Launch an. Der Informationsgehalt der Website ist derzeit noch nahe null, lediglich ein Feld zum Eintragen der E-Mail-Adresse für die Beta-Benachrichtigung und einen Verweis zum Blog gibt es. In diesem wird seit einiger Zeit geschrieben und mit Superlativen nicht gespart. Informationen zu den Köpfen und möglichen Geldgebern hinter dem Projekt gibt es auf der Website oder im Blog derzeit aber genauso wenig wie ein Impressum. Auch das Domain-Whois verrät nicht mehr. Für diesen Beitrag kann ich mich damit nur auf die wenigen Angaben beziehen, die im Blog zu finden sind.

Black Fluorine geht es darum, die vielen möglichen Vorzüge von Internet-TV, dessen Elemente sich in kleinen Teilen bei unterschiedlichen Videodiensten wie Zattoo, Joost, stage6, Maxdome oder shift.tv wiederfinden, in einem Angebot zu vereinen und alle Möglichkeiten zu nutzen, die Bewegtbilder über das Internet mit sich bringen. Im Detail stellt man sich das bei Black Fluorine folgendermaßen vor:

- Mitschnitte aller relevanter Fernsehsender, rund um die Uhr auf Abruf verfügbar, plus eine umfangreiche Datenbank aktueller Videos
- Eine große Community um die Inhalte herum. Zum Start möchte man 250.000 Mitglieder haben.
- Weg von Metadaten hin zu Spracherkennung
- Ein Mix aus werbefinanzierten und kostenpflichtigen Inhalten
- Ideale, angepasste Möglichkeiten für Rechteinhaber, ihre Inhalte zur Verfügung zu stellen

Black Fluorine darf stolz sein, damit das vermutlich ambitionierteste Vorhaben 2007 zu planen. Es scheint darum zu gehen, mit einem einzigen Angebot den Bedürfnissen und Anforderungen aller involvierten Parteien gleichermaßen zu entsprechen – der Zuschauer, der Fernsehsender und der Rechteinhaber bzw. Produzenten. Viel Zukunftsmusik, für deren Erfüllung ein kleines Garagen-Startup nicht ausreichen würde. Der gestrige Blogeintrag “Wer macht Black Fluorine” bringt leider nicht viel Licht ins Dunkel. Man verfüge über “eines der besten Teams in Europa, Unterstützung aus der Unterhaltungsindustrie und einige tolle Investoren”, die offensichtlich für eine gute Kapitalausstattung sorgen. Das Team “zeichnen komplementäre Hintergründe aus: jahrelange Erfahrung in der TV-Branche, bestes Business- und Marketingwissen, administrative Profis und einige Programmierer der Extraklasse”. Die Entwicklung findet in Malaysia statt, Büros gibt es in Berlin und den USA.

Momentan ist es schwierig, die Ernsthaftigkeit und Realisierbarkeit von Black Fluorine zu beurteilen. Es könnte sich sowohl um ein ambitioniertes Innovationsvorhaben mit erfahrenen und fähigen Internet- und Medienmachern im Hintergrund als auch um eine reine Luftnummer handeln, bei der jemand entweder unter massiver Selbstüberschätzung leidet oder einfach nur auf sich aufmerksam machen will. Komplett kann ich Assoziationen zu den vollmundigen Visionen eines gewissen Herrn Schmitz gegen Ende des New Economy Booms nicht ganz verdrängen, hoffe aber, dass es sich bei Black Fluorine um mehr handelt als als um reinen Übermut. Das fehlende Impressum hinterlässt leider einen leicht bitteren Nachgeschmack.

Die aktuelle Marketingstrategie von Black Fluorine jedenfalls wird das Projekt ordentlich ins Gespräch bringen: Eine kreativer, Aufmerksamkeit weckender Name, eine Teaser-Website, die mit Fakten und Informationen geizt und damit erst recht neugierig macht, sowie einmalig gesetzte Links zu verschiedenen bekannten Blogs, um die dortigen Blogger aufmerksam zu machen (in meinem Fall hat es auch geklappt). Das Timing ist perfekt – nachdem sowohl Zattoo als auch Joost offiziell gestartet sind, besteht ein Vakuum im Bereich der sagenumwobenen aber noch nicht gestarteten Internet-TV-Anbieter, welches Black Fluorine nun füllen kann.

Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, in welche Richtung sich Black Fluorine entwickeln wird – zur tatsächlichen Killerapplikation oder hin zu einer peinlichen Selbstüberschätzung. Angeblich möchte man die ersten Beta-Einladungen Anfang November verschicken. Spätestens dann wissen wir mehr. Bis dahin hoffe ich ganz einfach, dass Black Fluorine das halten wird, was es heute so vollmundig verspricht, und warte auf das nächste Informationshäppchen im Black Fluorine Blog (oder bis mir jemand Insiderwissen ins Ohr flüstert).

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. Mike
    schrieb am 5. Oktober 2007 um 09:38 Uhr (#)

    Hm das erinnert mich glatt an ein social network, dass du letztens hier ebenfalls vorgestellt hast ;). Ne aber mal ehrlich ich verstehe nicht wie man immer so den Mund vollnehmen kann, obwohl man nichts, aber auch gar nichts zu bieten hat. Na ja aber wie sagt man so schön “Übermut tut selten gut”, und ich denke das wird sich zeigen in der nächsten Zeit.
    Komisch, dass du aber immer wieder über solche “Ausrutscher” berichtest…

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 5. Oktober 2007 um 09:49 Uhr (#)

    Hehe Mike ich verstehe, dass du diese Parallele ziehst. Allerdings liegen zwei sehr unterschiedliche Motive für die jeweilige Berichterstattung vor. Bei dem erwähnten Social Network ging es ausschließlich darum, eine völlig unrealistische, dumme Idee vorzustellen (und damit natürlich auch ein wenig zu unterhalten und eine Diskussion anzuregen).

    Black Flurine hingegen macht einen andere, professionelleren Eindruck. Auch wenn es Zweifel gibt, so ist für mich hier wie im Beitrag beschrieben nicht klar, wie ernst und realistisch das Vorhaben ist. Es KÖNNTE tatsächlich sehr reell sein. Und persönlich fände ich einen Dienst, wie Black Fluorine es werden möchte, schon toll.

    Ein wenig höre ich manchmal auf meine Intuition. Im Falle von Black Fluorine bin ich zwar noch unschlüssig, aber angesichts der Komplexität der Idee ist die Wahrscheinlichkeit, dass dahinter ein größenwahnsinniger Teenager steckt, geringer als bei einem Social Network, was ganz einfach jeder auf die Beine stellen kann.

    1. Mike
      schrieb am 5. Oktober 2007 um 10:03 Uhr (#)

      bist ja einer von der fixen Sorte ^^.

      Hm also ich denke, wenn da eine Branchengröße hinterstecken würde, dann liest man davon auch schnell an anderer Stelle. Außerdem große Medienhäuser und Blogs? Ne das passt nicht wirklich zusammen, wenn man die bisherige Öffentlichkeitsarbeit größerer Institutionen einmal genauer betrachtet. Aber ich lasse mich natürlich auch eines besseren belehren. Wenigstens sieht die Seite schick aus, auch wenn es der typisch langweilige?! Web 2.0 Look mit Spiegelung etc. ist. Also nix besonderes.

      Ach und zu dem Bericht von dem “Ich will die Welt erobern” social network – stimmt es war doch recht amüsant…

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