Und schon wieder eine Meldung zu Google News: In den USA, Kanada und Grossbritannien hat der Suchmaschinengigant begonnen, auf seiner Newswebsite direkt die Meldungen von Nachrichtenagenturen zu publizieren. Bisher bestand Google News ja nur aus Links zu den Artikeln von Zeitungen und anderen Medien, aber jetzt werden erstmals Inhalte direkt ab der Quelle angeboten.
Der Verdacht liegt natürlich nahe, dass das eine Reaktion auf die Kritik an Google News von Zeitungsverlegern aus allen möglichen Ländern sein könnte. Viele Verleger, zuletzt der Verband Schweizer Presse, fordern finanzielle Entschädigung von Google für die Verlinkung ihres Contents.
Google begründet den Schritt damit, dass man erstens den Usern eine weitere Perspektive auf die Originalmeldungen geben möchte und dass zweitens viele Zeitungsartikel sowieso nur aus kaum veränderten Agenturmeldungen bestehen. Und tatsächlich, wer sich einmal die Mühe macht, ein Dutzend typischer Meldungen zum gleichen Thema zu vergleichen, sieht schnell, dass sich die Eigenleistung vieler Medienwebsites oft auf relativ unbedeutende Kürzungen und Umformulierungen beschränkt. Da kann man wirklich auch gleich die Agenturmeldung lesen.
Ist dieser Schritt nun positiv oder negativ für die Medienhäuser? Google findet’s natürlich gut:
“This change will provide more room on Google News for publishers’ most highly valued content: original content. Previously, some of this content could be harder to find on Google News, and as a result of this change, you’ll have easier access to more of this content, and publishers will likely receive more traffic to their original content.”
Realistisch betrachtet dürfte sich der Traffic für die Zeitungswebsites damit aber spürbar reduzieren, was natürlich unschön ist, weil inzwischen etwa ein Viertel des Traffics auf Zeitungswebsites von Suchmaschinen kommt. Dafür kann es durchaus sein, dass das eine oder andere journalistische Juwel wirklich prominenter platziert wird und so die Marke des jeweiligen Mediums stärkt.
Vermutlich sind die Konsequenzen dieser Massnahme aber weitreichender: Google signalisiert den Verlegern damit, dass sie durchaus austauschbar sind. Eine erfolgreiche Newswebsite kann man sehr gut auch nur mit Agenturmeldungen und eingekauften Videos betreiben, wie US-Marktführer Yahoo News es seit Jahren vormacht. Wenn die Verleger nicht damit zufrieden sind, dass Google ihnen Traffic bringt, kann Google auch anders.
Noch wichtiger: Dieser Schritt könnte eine Vorbereitung für die längst überällige Kommerzialisierung des bisher werbefreien Google News sein. Bisher konnten sich die Verleger damit trösten, dass Google mit seiner Newswebsite wenigstens kein Geld verdient. Wenn Google das ändern will (und davon kann man wohl ausgehen), wird es ein Vorteil sein, auf einen grossen Stock selbst gehosteter Inhalte zurückgreifen zu können und die Links zu Zeitungswebsites nur als Garnitur zu führen. Damit wird es Google erheblich leichter fallen, die Produkte konfrontativer Medienhäuser ganz aus dem Suchindex zu werfen.
Vielleicht wünschen sich die Zeitungsverlage in ein paar Jahren wehmütig die gute alte Zeit anno 2007 zurück, als sie noch so schön viel Internet-Traffic von Suchmaschinen bekommen haben. Wer seinen Platz im Internet-Ökosystem nicht kennt und akzeptiert, muss vielleicht bald mit totaler Marginalisierung leben.