Neue Sonntagszeitung:
Offline am Wochenende

Ich gebe zu, ich war nicht am Hauptbahnhof. Aber ich habe mehrere Kioske in meinem Viertel abgeklappert, gestern und heute, und die hatten die neue Sonntagszeitung Sonntag nicht (“Wie, was für eine neue Sonntagszeitung?”).

Aber zum Glück gibt’s ja das Internet. Und dort, auf der Website des neuen Blattes, das die Mittelland Zeitung lanciert hat, ist auch eine Digitalversion zu sehen. Als E-Paper. Das habe ich schon immer gehasst. Artikel zum Anklicken auf einer verkleinerten Zeitungsseite, Text (ohne Originallayout) und Fotos muss ich einzeln anschauen. Manche Seiten sind in der E-Paper-Version einfach weiß geblieben, manche Texte lassen sich nicht anklicken, die Anzeigen dafür fast immer. Und das steht drin im Sonntag:

  • Seite 1: Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) fordert zwei bis drei Prozent mehr Lohn – Verweis auf ein Interview mit ihr auf Seite 9. Unten eine Streifenanzeige der FDP.
  • Seite 2: Eine ganzseitige Rolex Oyster Perpetual Datejust. Ich würde ja sagen, Werbung und Inhalt passen da nicht ganz aufeinander, aber vielleicht täusche ich mich in der Zielgruppe.
  • Seite 4: Ein Portrait des Landrats Peter Keller (SVP), Redenschreiber von Bundesrat Christoph Blocher (SVP).
  • Seite 7: “Bundesratsgattin” Silvia Blocher hat hier eine Kolumne zu Erziehungsthemen. Logisch, sie ist ja Lehrerin gewesen.
  • Seite 9: Das Interview mit Bundesrätin Doris Leuthard (CVP), die “nach wie vor ohne Bodyguards einkaufen” geht.
  • Seite 10: Eine ganzseitige Anzeige für die CVP.
  • Seite 18: Ein Besuch bei Nationalrat Sep Cathomas (CVP), der total bescheiden ist und sachlich und pragmatisch und bescheiden und immer an der besten Entscheidung interessiert, frei von Eitelkeit und immer bescheiden, einer, der einfach gerne Holz in seinem eigenen Wald hackt. Ach, und sehr bescheiden ist er dabei auch.
  • Seite 21: Nationalrat Ulrich Giezendanner (SVP) ärgert sich über die Kinokomödie “Tell”.

Abgesehen von der ausgewogenen Politikberichterstattung findet sich im Sonntag der angenehm-harmlose Mix aus Lifestyle, Scheinprominenz, Sport und etwas Wirtschaft, der am Wochenende gut ankommt, außerdem ein Regionalteil, der sich in den neun Ausgaben der Zeitung unterscheidet. Das Blatt wird automatisch allen 210.000 Abonnenten der zugehörigen Regionaltitel zugestellt, womit es vom Start weg auf eine stattliche Auflage kommt.

Online dagegen wird der Sonntag eher nicht stattfinden, jedenfalls nicht, wenn man sich nicht nochmal gründlich an den Web-Auftritt setzt. Der besteht im wesentlichen aus einer Landkarte des Verbreitungsgebietes, die eher für eine verlagsinterne Power-Point-Präsentation taugt als für die Navigation einer Website, sowie aus einer Spalte, die “News” betitelt ist und siebens acht Stories aus der gestrigen Zeitung präsentiert. Auf sehr, ähm, übersichtliche Art und Weise.

screenshot_sonntag.jpg

Weiter unten dann echte Neuigkeiten von heute, die offenbar von den zugehörigen Tageszeitungen geliefert werden und sich einzeln in einem Pop-Up-Fenster öffnen. Ja, wirklich. In einem Pop-Up-Fenster. Gerüchte, die Website sei von einem HTML-Kurs einer Aargauer Primarschule programmiert worden, können wir bislang trotzdem nicht bestätigen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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11 Kommentare

  1. blabla
    schrieb am 17. September 2007 um 13:57 Uhr (#)

    Oh, ein Web-Guru! E-Paper ist unbrauchbar und nicht vollständig, oje oje. Und die Website taugt eh nichts… Primarschüler, aha. Pop-Up-Fenster sind veraltet…

    Anscheinend geht es dem Verfasser nur darum alles schlecht zu machen… kein einziger Satz, was dann gut ist. Aber was solls, inhaltlich lässt sich ja auch darauf schliessen, da es sich hier eher um einen frustrierten Schreiberling handelt, der wohl lieber wieder auf Papier arbeiten würde – die böse digiale Welt ist wohl zu kompliziert für Ihn. Oder aber wäre er am Hebel, dann wäre die Online-Welt erst richtig gut: keine Pop-Ups, vollständige E-Papers, …, oh wie schön!

  2. Michèle
    schrieb am 17. September 2007 um 14:14 Uhr (#)

    Hm. Wo Blabla wohl arbeitet? Vielleicht bei “Sonntag”?

  3. blabla
    schrieb am 17. September 2007 um 14:20 Uhr (#)

    Nee, Blabla arbeitet nicht bei Sonntag, aber ist Aargauer und behauptet von sich ein wenig von Technik – auch im Webbereich – zu verstehen… er muss aber deshalb keinen Blog schreiben sondern kann seinen Frust auch in Kommentaren loswerden^^

  4. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 17. September 2007 um 14:25 Uhr (#)

    » blabla: So ist es, ich würde lieber auf Papier arbeiten und finde die digitale Welt zu kompliziert. Heute zum ersten Mal hier, hm?

    Und, nein, es geht mir nicht darum, “alles schlecht zu machen”. Ich habe mich sehr bemüht, etwas Gutes zu finden an dieser Website, allein: Da ist nix.

  5. blabla
    schrieb am 17. September 2007 um 14:36 Uhr (#)

    Nee, nicht zu erstenmal aber wohl zum letztenmal… ich such mir einen anderen Web-Guru…

    Und weiterhin viel Spass beim kritisieren! Kommt echt gut.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 17. September 2007 um 14:41 Uhr (#)

    » blabla: Nicht doch, sag mir lieber, was genau gelungen sein soll am Online-Auftritt der neuen Sonntagszeitung.

  7. Daniela
    schrieb am 17. September 2007 um 15:52 Uhr (#)

    @Florian
    Ich kenn Sep Cathomas persönlich. Übrigens ist er sehr bescheiden ;-)

    Ob da wohl einer versucht, an Renzos Blumenthal Image vom bescheidenen Natur-Bündner anzuknüpfen?

  8. Frank Schrillmacher
    schrieb am 17. September 2007 um 16:08 Uhr (#)

    Der Verbund Mittelland Zeitung brilliert im Web allgemein mit Abwesenheit, rechtens meines Erachtens, denn die Auflage dieser Lokalzeitungen übertrumpft selbst Logcut und gleichsam die Relevanz. Nun denn, sollen sie doch drucken und schmieren, solange jemand deren Abenteuer noch finanziert.

  9. Robert Holzwart
    schrieb am 17. September 2007 um 17:48 Uhr (#)

    jetzt wird der zeitung aus dem web-auftritt ein strick gedreht. und wann wird eine neue site wegen ihrem print-out in die pfanne gehauen. selbst wenn man die zeitung direkt einstampfen würden, hätte sie mit gegenlesen, korrektorat und druckerei mehr leser als viele blogs ;-)

  10. Schreibt hier auf dem Blog Florian Steglich
    schrieb am 17. September 2007 um 18:07 Uhr (#)

    » Daniela: Da bin ich überfragt :)
    » Robert: Natürlich hat sie die, aber das ist kein Qualitätsbeleg. Abgesehen davon sage ich nicht, dass die gedruckte Zeitung vergleichbar mies ist wie ihr Web-Auftritt.

  11. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 18. September 2007 um 06:52 Uhr (#)

    E-Paper sind des Teufels. Und niemand, der a) sich ein bisschen mit Usability auskennt oder b) versucht, sie regelmässig ernsthaft zu lesen, wird etwas anderes behaupten können.
    Ausser er ist a) Verleger und findet es gut, dass man das E-Paper so einfach aus dem DTP-System exportieren kann oder b) er findet es einfach nur gut, weil es andere schlecht finden.

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