Web 2.0-Hype Stecknadel-Nachrichten

Eine neue Webseite setzt auf einen Nachrichten-Weltatlas (ganz wie bei tagesschau.de) und User Generated Content. Wir haben reingeklickt und nachgefragt.

Plebstv ist Readers Edition tritt YouTube trifft Flickr trifft Google Maps, oder direkt aus der Pressemitteilung: ein ?Internetportal für Bürgerjournalisten, das Content-Sharing und Social Networking mit georeferenzierten Daten verbindet?. Alles klar?

Der Zugriff auf die Inhalte erfolgt entweder über Stecknadeln auf einer großen Karte (Google Maps) oder über die Auflistung der acht Nachrichtensparten. Innerhalb derer gibt es wiederum eine Liste mit allen erdenklichen Beiträgen oder eine Auswahl der ?Top Stories?. Geplant sind außerdem ?Channels?.

plebstv

So wird ein Reuters-Video über die MTV Music Awards angezeigt. Im Hintergrund ist ein Satellitenbild von Las Vegas zu sehen

Her mit den Inhalten

Dabei immer in Sicht: Ein großer blauer Button, um eigene Nachrichten einzugeben. Als erstes wird der passende Ort auf der Karte angeklickt oder per Formular gesucht, dann geht es an die Inhalte. Texte, Links, Bilder und Videos können hochgeladen werden. Das geht einfach, sieht schick aus und lässt die hastig weggeklickten AGBs vergessen:

Die Nutzungsrechte an den von dem Nutzer auf die Plattform geladenen Inhalte werden mit dem Hochladen auf die Plattform vom Nutzer an plebsTV übertragen. Das Nutzungsrecht beinhaltet das unwiderrufliche Recht zur weltweiten Vervielfältigung, Verteilung, Übersendung, öffentlichen Wiedergabe, Veröffentlichung, Vermarktung und sonstigen vergleichbaren Nutzung der übertragenen Inhalte.

plebstvWas die Möglichkeit einschließt, dass das eigens hochgeladene Foto plötzlich in einer Werbeanzeige auftaucht, weil eine Agentur es von den Betreibern der Seite lizensiert hat. Das soll keine böswillige Unterstellung sein, nur gibt es genug Beispiele von Portalen, die den Content ihrer Benutzer – bzw. den Benutzer selber – mehr wertschätzen. Der Aufbau der Community soll nächste Woche beginnen. Spezielle Kooperation gibt es nicht, damit die Seite zum Start auch etwas zu bieten hat, füllen Agenturvideos die Nachrichtenbereiche.

Plattformen, überall Plattformen

Damit auch ordentlich Inhalte eingestellt werden, will plebstv die besten 100 Beiträge honorieren. Um was für Summen es dabei geht, soll in den nächsten 3-4 Wochen feststehen.

Bisher ist plebstv allerdings eine recht geschlossene Veranstaltung. Eine wichtige Funktion soll erst noch im Laufe des Monats eingebaut werden: Permalinks, feste Internetadressen für die Einträge, die man in Blogs oder Emails kopieren kann, gibt es zum Start der Betaphase noch nicht.

plebstvÜber die Blogosphäre soll das Portal bekannt gemacht werden, man setzt auf technik-begeisterte Blogger, eine handvoll Links, dann klappt es auf mit dem optimierten Google-Ranking. Aber auch wenn die Blogosphäre darauf einsteigt, und wir machen gerade kräftig mit, “entscheidend is aufm Platz” oder besser: auf der Nachrichten-Karte.

Die virale Marketing-Kampagne soll auf den ?Einsatz von Legenden? verzichten. Welche Investoren hinter dem Startup stecken, wird allerdings nicht verraten. Die Firma sitzt auf den British Virgin Island, was für die Eigentümer Anonymität, ein ?modernes? Steuerrecht und interessante rechtliche Rahmenbedingungen bedeutet:

Kein Stress: British Virgin Island

Die freie Meinungsäußerung bildet die Grundlage für die Umsetzung der plebsTV-Mission – die Demokratisierung der Berichterstattung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gerät vor allem im Internet zunehmend unter Druck. Amnesty International spricht vom ?Virus der Internet-Repression? und ?warnt vor der rasanten Zunahme an Internetzensur?. Auch Länder mit demokratischer Verfassung wenden repressive Mittel zur Verhinderung unbequemer und ungefilterter Berichterstattung an. [...] Mit den British Virgin Island hat plebsTV einen Standort gewählt, der gewährleistet, dass sich plebsTV vor allem in der Startphase frei von politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten und Einflüssen entwickeln kann.

Damit geriert sich das Poral als Hüter der freien Meinung, was gebeutelte Blogger mit Abmahnungen im Briefkasten sicher freuen wird. Die Seriösität des Portals wird davon abhängen, wie sehr die Benutzer auf die Inhaber von Urheberrechten Rücksicht nehmen und welcher Ton angeschlagen wird. Schon immer ist das Internet auch Sammelbecken und Spielwiese für möglichst “politisch unkorrekte” Nachrichten.

Betrieben wird das Startup von der erst im April gegründeten StarNet Media AG, die ihren Sitz in Thalwil (Schweiz) hat und ein Aktienkapital von 400.000 CHF ausweist. Schon jetzt arbeiten vierzehn Leute an plebstv, die viel vorhaben: ?Nach sechs Monaten ist die Expansion nach Großbritannien, Skandinavien und in die USA geplant.?

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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