Bunt und in Farbe

Ole Reißmann, 11. September 2007 12:23 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die Herausforderung: Ein bekanntes Thema gut aufschreiben, einen neuen Dreh finden, nochmal gründlich nachdenken – und auch: Gut verpacken. Zweiter Teil unserer Betrachtungen des Deutschen Herbstes im Blätterwald.

Nachdem schon in der Neon aktuelle Fotos der Tatorte abgedruckt waren, fotografiert größtenteils von Christian Diehl, zeigt nun Zeit Geschichte die “Herbstbilder” von Micha Bojanowski (“Wo es geschah. Im Wald von Dortmund, auf offener Straße in Köln, in einem Hochhaus in Erftstadt: Wie die Tatorte der RAF-Geschichte heute aussehen”). Menschenleere Szenen hat Bojanowski fotografiert – und verzichtet auf die Gegenüberstellung mit historischen Aufnahmen. Auf Spiegel Online gibt es ein Interview mit Bojanowski (“Wir sitzen in Baaders Zelle? Cool!”) und eine Bildergalerie, die Fotos werden außerdem im Schauspielhaus Stuttgart ausgestellt.

raf-zeit-wissen

Zeit Geschichte 3/07: “Stammheim 1977″, Illustration von Martin Kluger

Zwei weitere interessante Arbeiten finden sich in der aktuellen Ausgabe von Zeit Geschichte: Rinah Lang hat mehrteilige Collagen geschaffen und zitiert darin, ähnlich wie Dieter Jüdt in der taz, bekannte Fotodokumente. Außerdem ist Hans-Peter Feldmanns umstrittene Fotoserie “Die Toten” abgedruckt, in der Opfer und Täter nebeneinander stehen: “Wir sehen die Opfer der Terroristen und sehen die Terroristen, die selber Opfer wurden”.

raf-spiegel

Der Spiegel, 10.9.2007: Titelgeschichte “Die Nacht von Stammheim”

Die Titelgeschichte des Spiegels, 23 Seiten lang, zeigt nicht nur im Gebäudeaufriss die Zellen der Gefangenen, sondern gleich auf den ersten Seiten auch die Leichen. Die aufwendig recherchierte Geschichte, erster Teil einer Serie, wartet auf mit 41 Fotos, viele davon in Farbe. Neben einer klassisch gestalteten Chronik werden die “Köpfe der RAF” in einem Infokasten portraitiert. Ansonsten: Viel Text, ergänzt um Zwischentitel in rot. Für diese kommt eine Schriftart zum Einsatz, die mit ihrer Schreibmaschinen-Form an Polizeiprotokolle und Prozessakten erinnert. Ansonsten verläßt sich der Spiegel auf die Wirkung der Fotos.

raf was infografik2

Welt am Sonntag, 2.9.2007: Dossier (?Deutschlands Drama im Herbst 1977″) mit Infografik

Die blutrote Hand, die in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in der vorherigen Woche einen RAF-Artikel begleitete, ist nicht zurückgekehrt. Der Artikel “Die Stimmen von Stammheim” ist statt dessen mit einem großen Farbfoto einer Demonstration im Jahre 1967 bebildert. Der Text ist über die zweiteilige Fernsehdokumentation von Stefan Aust und Helmar Büchel, die erstmals eine ganze Reihe bisher unbekannter Filmaufnahmen in Farbe zeigen. Das Foto, aus diesem Material, passt natürlich – ist aber trotzdem langweilig.

Wie Artikel um die RAF und den Deutschen Herbst in den nächsten Wochen gestaltet werden, wollen wir hier zeigen. Hinweise gerne in den Kommentaren.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Gute Seiten: Blog und Lesezirkel für Magazine

28.4.2009, 3 KommentareGute Seiten:
Blog und Lesezirkel für Magazine

Sie nennen es Holzmedienclub: Auf "Gute Seiten" dreht sich alles um unabhängige Magazine und ihre Macher, ausgesuchte Hefte werden über eine Zinothek verliehen - und es wird gefeiert.

Bye-bye Programmies: Im Internet gibt’s was zu sehen

3.2.2009, 10 KommentareBye-bye Programmies:
Im Internet gibt’s was zu sehen

Von einfachen Listen bis zu multimedialen Communities mit individueller Planung: Wie das Fernsehprogramm aus dem Internet die gedruckten Programmzeitschriften ersetzt.

Alles über Magazine: Zehn Blogs über Zeitschriften

19.1.2009, 2 KommentareAlles über Magazine:
Zehn Blogs über Zeitschriften

Wir stellen zehn Blogs vor, die sich mit Magazinen und Zeitschriften beschäftigen – mit schöner Gestaltung glänzender Seiten wie mit dem Wandel der Printbranche.

Fusion in der Schweiz: Tamedia übernimmt Edipresse

3.3.2009, 3 KommentareFusion in der Schweiz:
Tamedia übernimmt Edipresse

Die Verlage Edipresse und Tamedia führen ihre Schweizer Geschäfte zusammen, bis zum Jahr 2013 soll die Fusion komplett sein. Internationale Aktivitäten der Edipresse sind ausgeschlossen.

Nicht verpassen: Lokale Anzeigen als Chance

18.2.2009, 1 KommentareNicht verpassen:
Lokale Anzeigen als Chance

Kleine, regionale Unternehmen brauchen mehr als nur Anzeigen in Zeitungen und im Internet – Jeff Jarvis sieht hier Chancen für neue, zielgerichtete Angebote.

12.2.2009, 13 KommentareZukunft der Medien in 50 Zitaten:
Journalismus ohne Zeitung

Was in den vergangenen Monaten alles gesagt wurde ...

3 Kommentare

  1. Patrick Weiss
    schrieb am 11. September 2007 um 12:57 Uhr (#)

    (Wen) interessiert Baders Zelle? Die deutsche RAF-Debatte ist noch lange nicht zu Ende, da Angehörige von Opfern sich noch oft missachtet fühlen, da viele “Wunden”, “Empfindlichkeiten”, Feindbilder fort bestehen, da in der Geschichte des “Kriegs” zwischen RAF und Staat eine Menge deutscher (NS-)Geschichte drin steckt. Da hilft der deutsche Voyer-Journalismus nicht weiter. Verpacken können sie, aber nachdenken?

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 11. September 2007 um 13:49 Uhr (#)

    Auch nachdenken: “Stumme Gewalt” von Carolin Emcke im Zeit Magazin. Aber mir geht es hier vor allem um die visuelle Aufmachung — trotzdem gute Frage!

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.