17 Regeln für Startup-Ideen
Von Andreas Göldi am 11. September 2007 um 15:20 Uhr Kommentare (6)
Kategorien: Analysen
Im Moment kriege ich hier in Boston viel über die Funktionsweise der amerikanischen Startup-Szene mit, und die europäische kenne ich aus eigener jahrelanger Anschauung. Aus mehreren eigenen Firmengründungen und weil ich selbst gerade wieder an einer neuen Startup-Idee bastle, weiss ich auch selbst sehr gut, wie schwer Unternehmertum ist.
Aber trotzdem bin ich oft ziemlich erstaunt darüber, mit wie viel (oft leider ungesunder) Naivität viele Firmengründer ihre Geschäftsideen zu lancieren versuchen. Und der Internet-Bereich scheint da manchmal eine besonders gefährliche Kombination von Blauäugigkeit, übersteigertem Weltveränderungs-Ehrgeiz und Get-Rich-Quick-Mentalität anzuziehen.
Inspiriert von diesen Erlebnissen darum hier ein paar Regeln für (Web-)Startup-Ideen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit.
Soll nicht besserwisserisch sein, sondern nur ein paar Einsichten komprimiert zusammenfassen:
1. Eine Idee allein ist nichts wert. Nur die Umsetzung zählt.
2. Ein paar Dutzend andere Leute hatten die gleiche Idee auch schon. Ein paar arbeiten schon an der Umsetzung.
3. Wenn die Idee so originell ist, dass sie wirklich noch niemand sonst hatte, ist sie fast sicher schlecht.
4. Man kann natürlich immer versuchen, eine schon existierende Sache deutlich besser zu machen. Haben Google oder Dell schliesslich auch geschafft. Aber dann muss man es auch wirklich sehr, sehr viel besser machen. Nicht nur ein bisschen.
5. Einfacher Test für Ideen zu konsumentenorientierten Internetdiensten: Welcher Prozentsatz des eigenen Bekannten-/Verwandtenkreises könnten und würden diesen Dienst gern heute benutzen (nicht in ein paar Jahren, nicht abhängig von technologischen Durchbrüchen, nicht abhängig von anderen Veränderungen)? Wenn es weniger als 20% sind, ist die Idee wahrscheinlich zu exotisch.
6. Einfacher Test für Ideen zu enterprise-orientierten Ideen: Kennt man einen potentiellen Kunden? Wie reagiert der, wenn man ihm von der Idee erzählt? Würde er das Produkt kaufen? Heute? Gegen einen ansehnlichen Geldbetrag? Wenn nicht: Zurück auf Start.
7. “Build it, and they will come” ist keine Strategie.
8. “Google/Microsoft/Yahoo/Rupert, bitte kauf mich möglichst früh” ist auch keine Strategie.
9. Ein klares Geschäftsmodell zu haben, ist keine Schande.
10. Das Geschäftsmodell in einem Satz erklären zu können, ist auch keine Schande.
11. Geschäftsmodelle ändern sich im Lauf der Zeit. Aber man muss immer eins haben. “Wir überlegen uns später, wie wir damit Geld verdienen” ist kein Geschäftsmodell.
12. Das beste Geschäftsmodell ist immer noch, von den Benutzern eines Produktes/Dienstes direkt Geld zu verlangen.
13. Wenn man indirekt Geld kriegt, z.B. über Werbung, wird es deutlich schwieriger. Wenn die indirekte Einkommensquelle über mehr als zwei Ecken geht, wird es praktisch unmöglich.
14. Werbung ist konjunkturabhängig. Das gilt auch für Internetwerbung. In der nächsten Rezession werden die Werbeausgaben unweigerlich schrumpfen, ohne dass man was dagegen tun kann. Das muss man überleben können, wenn man auf Werbeeinnahmen setzt.
15. Mashups sind cool, aber schlechte Geschäftsideen. Von einer anderen Plattform total abzuhängen, kann schnell tödlich enden.
16. Die meisten Gründer denken entweder zu wenig (gar nie) oder zu viel (ständig) über Exit-Strategien nach.
17. Die Umsetzung dauert immer länger als man denkt. Immer.
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6 Kommentare
Halo Andreas,
Sehr interessant!
Darf ich eine FR Version von den Regeln auf meinem Blog machen?
cheers
didier
Eugen
schrieb am 11. September 2007, 17:55 Uhr (Permalink zum Kommentar)Servus Andreas,
hab deinen Blog eben erst entdeckt und hab mich schon verliebt :-)
Deine letzten beiden Posts sprechen mir aus der Seele!
Vielen Dank und weiter so!
Eugen
Mat
schrieb am 12. September 2007, 23:05 Uhr (Permalink zum Kommentar)sensationeller blog, klasse geschrieben und auf den punkt gebracht. warum kenne ich den erst seit heute? (bin über zweinull.cc gerade hier hergekomme).
weiter so!
Matthias
Andi
schrieb am 17. September 2007, 09:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)Das würd ich so ungefähr unterschreiben - auch für “Nicht-Web” Startups ;-)
Tobias
schrieb am 21. April 2008, 15:38 Uhr (Permalink zum Kommentar)1-3 ist aus meiner Sicht Bullshit. Ich fange langsam an, bestimmte Interessen hinter dem vielerorts gegenüber jungen Gründern mantraartig wiederholten “eure Idee ist nix wert” zu vermuten. Origineller und richtiger erscheint mir da der Ausspruch von Paul Graham: “Any really good new idea will seem bad to most people; otherwise someone would already be doing it.” - ein schöner Kontrapunkt insbesondere zu Punkt 3 der Liste.
Will aber nicht nur meckern, 5, 12 und 17 kann ich unterschreiben. :-)
Andreas Göldi
schrieb am 21. April 2008, 15:45 Uhr (Permalink zum Kommentar)@Tobias: Ich schaetze Paul Graham sehr, aber gerade seine eigene Karriere ist der beste Beweis fuer Punkte 1-3. Er machte sein Geld mit einem Online-Shopping-System, was selbst zur damaligen Zeit keine taufrische Idee war (gibt es, vorsichtig geschaetzt, seit BTX-Zeiten, also etwa den fruehen Achtzigern). Sein YCombinator hatte bisher nur einen wirklich grossen Exit, und zwar Reddit, was eine Kopie von Digg war.
Wo waren da nochmal die revolutioniaeren Ideen? Und was war revolutionaer an der Geschaeftsidee von Microsoft, Google, Dell, …?
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Didier DURAND
schrieb am 11. September 2007, 17:27 Uhr (Permalink zum Kommentar)