Kommt der Papst nach Österreich

Gastautor, 8. September 2007 09:03 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Von Markus Kirchsteiger

Dieses Wochenende besucht Papst Benedikt XVI. Österreich. Schon seit Wochen stimmt sich die österreichische Presse mit Sonderbeilagen und Serien auf den Papstbesuch ein. Im Ausnahmezustand befindet sich auch das Fernsehen. 16 Stunden werden entweder live gesendet oder mit Analysen und Gesprächsrunden gefüllt.

Dass es dabei nicht immer um jene wichtigen Themen geht, die eigentlich diskutiert werden sollten, beweist ein fast zweiminütiger Beitrag über drei speziell für den Papst angefertigte WCs im ORF. Aufregung herrscht natürlich auch auf den Internetprotalen österreichischer Medien. Der Papstbesuch ist das Thema, beweist der Kurier:

Kurier

Euphorisch beschreiben Kleine- und Kronen- Zeitung die Auftaktrede des Papstes:

krone popstar

kleine popstar

Ob es den Anliegen von Papst und Kirche dienlich ist, wenn sie wie Popstars gefeiert werden, darf angesichts vergangener Welt- und Klimarettungsinitiativen von glitzernden Popsternchen ruhig bezweifelt werden (man denke an den mäßigen Erfolg von Live Earth oder Live 8). Dass die Menge “Viva Benedictus” oder “Benedetto” gerufen haben soll, könnte man zwar auf eine hohe Dichte von Latein- und Italienischlehrern zurückführen. Das sogeannte Bildungsbürgertum stellt sich allerdings selten bei strömendem Regen vor eine Bühne und erwartet eine patrotische Rede des Papstes. Denn auch wenn er Deutscher ist, irgendeinen Österreichbezug kann die Kleine Zeitung immer herstellen:

kleine

Traurig ist allein, dass sich nur ein einziges Medium entschieden hat, den Papstbesuch mitzubloggen. Auf den Bildern des Papstblogs sucht man die in allen Artikeln erwähnten 7.000 Fans zwar vergeblich – aber vielleicht sind ja einige schon ins nächste Gasthaus eingekehrt, um das Geschehen im Fernsehen mitzuverfolgen. Die beste Wortkreation des ORF zum Programmschwerpunkt ist zweifellos das Papst-Studio.

1.500 Journalisten sind laut Kardinal Christoph Schönborn akkreditiert, sogar CNN habe besonderes Interesse am Gedenken am Judenplatz. Auf der Website des amerikanischen Nachrichtensenders findet man derzeit allerdings lediglich eine Meldung über den Papst in Rom.

Innovativ zeigte sich nur Österreichs einziger Privatsender ATV: Für die Dauer des dreitägigen Besuchs von Benedikt XVI. finden die Nachrichtensendungen um 19 Uhr 20 live an den Orten statt, die der Papst besucht hat.

OE24 will es ein wenig realistischer sehen:

Der Papst ist in Österreich: Tag 1 war überschattet von Regen und Pannen.

Das Lustige am Papst-Hype ist, das manche Berichte ganz trocken und ernst aufgemacht sind. Zuverlässig liefert OE24 unbeabsichtigt die Meldung des Tages:

13.12 Uhr: Papst-Rede als Fiasko
Mitten im Satz der Rede von Papst Benedikt XVI. fällt die Sendeanlage aus, das Mikro ist tot. Die Video-Walls Am Hof wurden schwarz. “Schon vor der Erschaffung der Welt hat Gott uns”...

Der Heilige Vater versucht es noch einmal: “Schon vor…” Und dann resigniert der Papst: “Na, funktioniert nicht”.

Daraufhin stimmt die Menge an: “Be-ne-de-tto!”

Dritter Anlauf: “Schon vor…”. Der Papst gibt endgültig auf. “Danke!”

Kardinal Christoph Schönborn versucht die Situation zu retten, stimmt das gesungene “Vater unser”-Gebet ohne Mikrofon an und die Feier wird vorzeitig mit dem Papstsegen beendet.

Wer kann danach noch Papstmuffel sein?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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