jonettag Mediacamp 2007 live:
Geld verdienen mit Bürgerjournalismus

Das WLAN-Netz könnte saftiger sein – das Elbe-Zimmer ist zwar schön wie alle Räume in der Hamburger Handelskammer, fürs Livebloggen aber nicht unbedingt ausgerichtet. Das hier also nicht live, sondern als “Aufzeichnung”: Der Bericht vom Workshop “Mit Bürgerjournalismus Geld verdienen” mit Dr. Martin Huber von myheimat.de.

Der stellt sein Bürgerjournalismus-Konzept vor – das vermutlich einzige tatsächlich erfolgreiche in Deutschland. Und zwar erfolgreich im Sinne von profitabel.

MyHeimat ist zunächst mal eine Plattform für Laienjournalismus wie viele andere auch: Beiträge, Kommentare, private Kommunikation zwischen registrierten Autoren. Die wesentlichen Unterschiede zu anderen Unternehmungen dieser Art allerdings sind:

  • Aus den Beiträgen, die online erscheinen, werden monatlich erscheinende Lokalmagazine erstellt – User Generated Content gedruckt.
  • Konzentration aufs Lokale – beziehungsweise Hyperlokale: MyHeimat erscheint an zur Zeit 17 Orten mit jeweils unterschiedlichen Inhalten. Diese “Märkte” haben 10.000 bis 50.000 Einwohner.

16 Festangestellte arbeiten hinter den Kulissen, das aber immer sehr zurückgenommen, wie Huber mehrmals betont. Das sei eines der Erfolgsgeheimnisse.

Es wird kaum redigiert und angeleitet, Entscheidungen über neue Features der Plattform werden in der Diskussion mit der Community getroffen. Redakteure bei MyHeimat sind darum eher Moderatoren oder “Animatoren” als Journalisten. Und: Der größere Teil der Mitarbeiter arbeitet entweder auf der technischen Seite der Plattform oder im Anzeigenverkauf.

myheimat.jpg
Technisch gut ausgestattet: Die Handelskammer. Hyperlokal erfolgreich: MyHeimat.

Die Akquise funktioniert, MyHeimat ist profitabel. Aber erwartungsgemäß ist der Anteil von Werbung und PR in redaktionellem Gewand hoch – das sei aber auch immer als “Anzeige” gekennzeichnet, so Huber. Natürlich kommt hier nicht der Regionalteil einer Süddeutschen in Monatsform daher, sondern der Vergleich muss eher mit den kostenlosen Anzeigenblättchen angestellt werden. Und da steht MyHeimat nicht schlecht da.

Die Teilnehmer des Workshops – 16 in der ersten, 7 in der zweiten Runde – sind natürlich Profis und daher wachsam: Werden die Bürgerjournalisten bezahlt? Wie ist das mit den Nutzungsrechten? Was ist mit der Haftung? Mit der Vermischung von PR und Redaktion? Mit kontroversen Themen? Streit um die Umgehungsstraße, die Kommunalwahlen?

Huber kommt aber trotzdem nicht ins Schwitzen. Finanzielle Beteiligung der Autoren: Ganz klar nein. Das wird transparent kommuniziert, ist weder das Geschäfts- noch das Communitymodell. Die so auch akzeptierte Gegenleistung des Unternehmens sei die Community, die Plattform und der Service.

Und dass die Hefte eine Idylle darstellen, die man sich so eigentlich auch auf dem schönsten Dorf nicht vorstellen kann, liege weniger an Themenauswahl oder gar Zensur, sondern an den Interessen der Bürger. Es wird einfach eher über das Firmenjubiläum des Friseurs geschrieben als über den Streit zwischen Biobauer Müller und Pestizidbauer Meier.

» myheimat.de

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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4 Kommentare

  1. Peter
    schrieb am 9. September 2007 um 18:29 Uhr (#)

    Und ein wenig dazu auch noch bei mir im Blog:

    http://www.blogh.de/760

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