Stockender Verkehr im Netz - doch wer ist schuld?

Martin Weigert, 4. September 2007 17:35 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Was haben Dienste wie Joost, YouTube oder Deezer gemeinsam? Sie bringe die Datenleitungen zum Glühen. Mit der zunehmenden Verbreitung schneller Internetzugänge sowie der Entwicklung neuer Web-Technologien bieten immer mehr Internetanbieter überall auf der Welt multimediale Inhalte an. Viele zum Streaming, manche zum Download, aber immer handelt es sich um Daten beachtlichen Ausmaßes, die besonders in der Summe signifikant ins Gewicht fallen. Die Belastung der weltweiten Internetleitungen durch Videos, Musik und andere trafficintensive Inhalte hat in den letzten Wochen zu intensiven Diskussionen geführt. Vor allem Internetprovider würden sich gerne von den Verursachern der enormen Datenlasten - also den Video-/Audio-Dienste und Web-2.0-Angeboten - den Datendurchsatz bezahlen lassen. Andere wiederum sehen die Gefahr, dass all die datenintensiven Inhalte das Netz verstopfen und es in Notfällen nicht mehr richtig genutzt werden kann. Während die Frage der Netzneutralität vermutlich noch eine Weile ungelöst bleiben wird und ich darauf auch nicht weiter eingehen möchte, so ist selbst für die Nutzer multimedialer Webangebote noch lange nicht alles perfekt.

Während Breitbandanschlüsse in immer mehr Haushalten zu finden sind, bekomme ich manchmal den Eindruck, dass sich auf Anbieterseite nicht viel tut. Zwar ist das Streaming von Musik in guter Qualität mittlerweile kein großes Problem mehr, aber sobald es an Video-Inhalte geht, wird man als User nach wie vor mit teilweise extrem störenden Performance-Problemen geplagt. Wer bekommt keine schlechte Laune, wenn YouTube wieder einmal während eines Clips alle vier Sekunden nachladen muss und damit den unterhaltungssuchenden User auf eine Geduldsprobe stellt?! Das Problem macht deutlich, dass die YouTube-Mutter Google mit ihren unzähligen fantastisch schnellen Netzanbindungen dem Bedarf und Datenhunger der Nutzer nicht hinterher kommt.

Anderer Schauplatz, ähnliches Problem: Als ich mir kürzlich eine Dokumentation bei der neuen, modernen ZDF Mediathek anschauen wollte, hatte ich zwar die gesamten 45 Minuten Ton, aber nicht immer auch ein passendes Bild. Und das ist wenig verwunderlich. Die stolz verkündete Kapazität von 20.000 Abfragen mit 1,5 Mbit/s pro Sekunde mag zwar vergleichsweise fortschrittlich sein. Führt man sich jedoch vor Augen, wie desaströs eine Einschaltquote von 20.000 (oder selbst 100.000) Zuschauern im herkömmlichen TV ist, so erkennt man, wie unzureichend die heutigen Möglichkeiten noch sind, um wirklich ein Massenpublikum über das Internet erreichen zu wollen. Es zeigt sich immer mehr, dass nicht das Nicht-Vorhandensein von Breitbandanschlüssen in den Haushalten das Entstehen eines Massenmarktes für professionelle, multimediale Inhalte im Netz behindert, sondern dass derzeit die Struktur und Kapazität des Internets selbst die Grenzen setzt.

Hier in Stockholm sind schnelle bis sehr schnelle Anschlüssel Standard. Ich habe vergleichsweise normale 8 Mbit im Downstream und sehr erfreuliche 8 Mbit im Upstream. Doch selbst die einigermaßen moderaten 8 Mbit beim Herunterladen nutze ich so gut wie nie aus. Lediglich beim parallelen Download verschiedener Dateien gerät meine Anbindung an ihre Grenzen. Ähnliches berichtet Om Malik bei GigaOm in seinem Beitrag A Man & His 100 Mbps Fiber Connected Life. Ein derartig schneller Anschluss sorgt momentan für keine signifkanten Veränderungen im täglichen digitalen Leben. Interessant: “For instance, I have a 100 Mbps pipe to my home, but if I try to download a file from a certain HD video site, I find I may get only 3 Mbps of download speed, which I believe is a limitation of the site and its servers.

Die Begrenzungen liegen häufig nicht beim Internetanschluss sondern beim Server, der die Inhalte liefert. Beachtlich genug, dass es ausgerechnet ein Peer-2-Peer-Protokoll wie BitTorrent ist, das bei einem einzigen Download meine komplette Bandbreite auslastet. In den Leitungen ist also noch genug Platz, und P2P kann helfen, diesen Platz zu nutzen. Die Vision, als Webanbieter irgendwann von einzelnen Webservern aus Millionen von Zuschauern mit einem Stream in wirklich guter Qualität zu beliefern und gleichzeitig die eigene Finanzabteilung, Provider und andere Interessengruppen und Kritiker zufriedenzustellen, erscheint mir momentan noch in weiter Ferne.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Kai

    schrieb am 4. September 2007 um 20:21 Uhr (#)

    Netter Artikel! Aber wie? “hier in Stockholm” - wohnst du da?

  2. Martin Weigert

    schrieb am 4. September 2007 um 20:30 Uhr (#)

    Yep ;)


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