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Sony beerdigt seinen proprietären Online-Musikladen

Von Andreas Göldi am 4. September 2007 um 15:05 Uhr Kommentare (3)
Kategorien: Analysen

Am Rande der IFA in Berlin machte Sony eine Ankündigung, die vielleicht etwas unerwartet kommt, aber kaum überrascht: Connect, der Online-Musikladen des japanischen Elektronikgiganten, wird demnächst geschlossen.

Sony hatte diesen Verkaufskanal vor gut zwei Jahren gestartet. Schon damals konnte man sich über die Strategie nur wundern: Connect verkaufte Musiktitel in einem Format, das nur Sony-Geräte abspielen konnten. Das machte Marktführer Apple zwar nicht viel anders, aber als Marktführer (mit einem MP3-Player-Marktanteil über 70%) kann man sich das eben eher erlauben.

Stattdessen wird Sony jetzt, wie alle Nicht-Apple-Anbieter, auf Microsofts Windows-Media-Format setzen und den Gerätekäufern “erlauben”, auch Content von anderen Online-Stores herunterzuladen.

Es ist beinahe schon bewundernswert, wie Sony hier schon wieder den Anschluss verpasst: Denn dieser Schritt kommt wohlgemerkt in einem Moment, da die Branche beginnt, auf kopierschutzfreie Formate umzuschwenken. Apple, Walmart und bald auch Amazon.com bieten bereits DRM-freie Musik an, während sich Sony wieder mal zielsicher hinter den fahrenden Zug wirft und auf vorgestrige Konzepte setzt.

Wohlgemerkt: Ich halte Sony weiterhin für einen exzellenten Hersteller von elektronischen Geräten, vor allem im Video- und PC-Bereich. Aber es ist schon beinahe tragisch, wie die Japaner im Content-Bereich einen strategischen Fehler nach dem anderen begehen. Dass Sony-Videokameras praktisch nur mit Sony-Zubehör funktionieren, mag für Konsumenten ja noch knapp akzeptabel sein. Aber dieses Prinzip auch auf die Inhalte zu übertragen, ist nun wirklich absurd. Und offensichtlich extrem erfolglos.
Da wirkt Sonys heutige Ankündigung, dass man jetzt auch bei Online-Filmdownloads gross einsteigen will, beinahe schon amüsant. Da werden sich Apple und alle anderen bestehenden Anbieter aber sicher fürchten — zumal Sony als Geheimwaffe lediglich die an äusserst dünnen Verkaufszahlen leidende Playstation 3 in die Schlacht werfen kann.

Andererseits: Warten wir’s mal ab. Bisher hat niemand wirklich die Erfolgsformel für Videodownloads geknackt, was nicht zuletzt an den Filmstudios liegt, deren ängstliches Handeln letztlich nur die Piraterie fördert. Aber Sony als Besitzerin eines Filmstudios wird da auch kaum in der Lage sein, die Branche vereint zum Erfolg zu führen. Den führenden Filmstudios scheinen ihre Rivalitäten wichtiger zu sein als das proaktive Erschliessen neuer Märkte.


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3 Kommentare

mds

Bisher hat niemand wirklich die Erfolgsformel für Videodownloads geknackt, was nicht zuletzt an den Filmstudios liegt, deren ängstliches Handeln letztlich nur die Piraterie fördert.

Wieso eigentlich «Piraterie»? Einerseits gibt es immer noch Piraterie im eigentlichen Sinn, andererseits trifft der Ausdruck auf das allenfalls ungesetzliche Kopieren und Verbreiten von digitalen Inhalten nicht einmal ansatzweise zu.


ben_

Ich könnte jedes Mal weinen, wenn ich an das Schicksal der MD denken. 1 GB passt inzwischen auf die extem handlichen wiederbeschreibbaren Datenträger. *seufz*


mds

Ich könnte jedes Mal weinen, wenn ich an das Schicksal der MD denken. 1 GB passt inzwischen auf die extem handlichen wiederbeschreibbaren Datenträger. *seufz*

Ich verwende MiniDisc immer noch für viele Aufnahmen… die Qualität ist gut, die Aufnahmen erfolgen zuverlässig und der Energiebedarf bescheiden.


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