IFA 2007 live:
Die LfM dreht am Glücksrad

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat einen Medienkompass geschrieben, den sie an der IFA für 3,50 Euro ans Publikum verkauft. Wir waren an der Präsentation, bei der das Glücksrad gedreht wurde.

IMG 4715

Eigentlich wollte ich ein Live-Blogging von der Veranstaltung machen:

IFA Medienkompass

Doch der Stand 319 war aber etwas kleiner, als ich mir vorgestellt hatte, etwas hinten in der Halle versteckt, ich trödelte etwas rum und ausserdem gab es gar kein WLAN dort. So verpasste ich den Anfang der Veranstaltung, die dann auch schon um 11.15 Uhr vorbei war. Etwas dreist, 60 Minuten zu versprechen und dann nur 15 Minuten zu liefern, aber vielleicht war das Publikum nicht in den Scharen angetanzt, die man sich versprochen hatte. Oder es gibt an der IFA nur einstündige Zeiteinheiten.

Als ich um fünf nach elf ankomme, treffe ich auf einen Haufen Männer mit Anzügen, von denen die meisten graue Haare haben (was durchaus schick aussieht). Sie stehen alle am und rund um den Stand, vielleicht fünf, vielleicht zehn Leute. Und ebensoviele Zuschauer hat es dann auch. Vielleicht auch etwas mehr.

Anlass für die Veranstaltung ist die Vorstellung des Wegweisers durch den digitalen Mediendschungel von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM). Er nennt sich Medienkompass und wurde geschrieben von Diplom-Ingenieur Ulrich Freyer und Medienjournalist Martin Koch (hier die Online-Pressemitteilung ).

Auf der Website des LfM sind erstaunlicherweise nicht die Autoren zu sehen, sondern die Herren Norbert Schneider und Klaus Müller:

Norbert Schneider
Bild: Screenshot lfm-nrw.de

IMG 4726 Bei dem, der am eher kleinen Stand redet, handelt es sich um Dr. Peter Widlok, Sprecher der LfM. Er sagt:

Wir werden den Medienkompass in zwei oder drei Wochen ins Internet stellen. Unser Autor des Medienkompass ist anwesend.

Seltsam. Warum denn erst in zwei oder drei Wochen? So wie der aussieht, wurde er nicht mit der Schreibmaschine geschrieben, sondern sollte online in irgendeiner Form verfügbar sein. Gedruckt gibt es ihn, allerdings nicht ganz kostenfrei, was bei einer Informationsschrift einer Landesmedienanstalt vielleicht den einen oder anderen erstaunen mag. Doch es gilt vermutlich, nicht zu Unrecht: Was nichts kostet, ist nichts wert. Peter Widlok sagt:

Wir müssen 3.50 Unkostenbeitrag nehmen, aber das ist ein Preis, der seinen Gegenwert zurückgibt.

IMG 4717Dann blättern wir doch mal etwas in der Broschüre, die ich, das Geld schon fast in der Hand, am Stand erwerben möchte, bis mich eine Frau abfängt (es hat auch nicht grauhaarige Frauen am Stand, mein Urteil vorhin war wohl vorschnell) und sich freundlich nach meiner Reise aus der Schweiz erkundigt und mich auch Herrn Widlok vorstellen möchte. “Für Sie von der Presse ist diese Dokumentation natürlich kostenlos. Warten Sie, ich gebe ihnen auch noch die Presseinformation dazu.”

Die Broschüre ist tatsächlich gut, soweit das, kurz durchgesehen, einschätzbar ist. Eine Sammelmappe in A4, mit dreizehn Bögen zu den Themen DVB, Triple Play, Handy-TV, HDTV, HD-Video, IPTV, Digitales Radio, Podcasts, DSL & Co.l, VoIP, UMTS, Hotspots und einem Glossar. Oben rechts auf den Bögen steht das Datum, eine durchaus wichtige Information in diesem sich schnell verändernden Markt, 08/2007. Die Presseinformation fällt dagegen etwas ab. Sie trennt O-rientierung und ist ausgedruckt auf einem Tintenstrahldrucker, den man mal wieder nachfüllen könnte.

IMG 4713Kommen wir nun aber zum Highlight der rund zehn Minuten, die ich am Stand verbringe, dem Glücksrad. Eine Frau dreht und liest Fragen vor, das Publikum kann etwas gewinnen, wenn es was weiss. “Voice over IP” wird ausgewählt. Es kommt eine “ganz schwere Frage”: “Wieviel MB werden durchschnittlich pro telefonierter Stunde übertragen? 3MB, 35MB oder 300MB?” – Eine Frau sagt Antwort B, geraten, gewonnen. “Es ist alles inszeniert bei uns” sagt der Moderator, Dr. Widlok. Das Glücksrad dreht sich weiter und bleibt bei “HDTV” stehen. Ein kleiner Junge versucht etwas umständlich eine Erklärung, was von Dr. Widlok als der Versuch einer Erklärung eingestuft wird. Er sagt zur Idee des Glücksrads:

IMG 4709Es ist der Versuch, sehr spielerisch mit den Abkürzungen umzugehen. Sachlich, aber auch mit einem kleinen Augenzwinkern.

Und:

Wir sind heute für sie da als Journalisten.

Zum Schluss sagt er noch:

Mit dem Kompass kommen sie richtig gut nach Hause, das kann ich ihnen versprechen.

Dann nehm ich den mal besser mit heute auf dem Heimweg.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Mehr lesen

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

Biographien im Web 2.0: Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt

7.4.2009, 23 KommentareBiographien im Web 2.0:
Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt

In Zeiten des Web 2.0 entkommt man seiner Biographie nicht mehr. Es heißt, wie das im Dorf nun mal so ist, wieder mit der eigenen Vergangenheit zu leben - statt gegen sie.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.